VIRUS/Experten: Bei Mangel an Intensivbetten nicht das Alter entscheidend

VIRUS/Experten: Bei Mangel an Intensivbetten nicht das Alter entscheidend
26.03.2020 13:23:41

BERLIN (dpa-AFX) - Im Falle einer Knappheit in der aktuellen Corona-Pandemie sollen in deutschen Krankenhäusern Intensivbetten nach Erfolgsaussicht der Behandlung verteilt werden. Die Entscheidung über die Zuteilung von Ressourcen müsse medizinisch begründet und gerecht sein, heißt es in den Handlungsempfehlungen, die sieben medizinische Fachgesellschaften am Donnerstag in Berlin vorlegten. Als Kriterium solle die Wahrscheinlichkeit gelten, ob der Patient die Intensivbehandlung überleben wird.

Nach Einschätzung von Experten wird es wegen der Corona-Krise auch in Deutschland bald an Betten zur intensiven Betreuung von Schwerkranken fehlen. Die Ärzte müssten dann Entscheidungen über Leben und Tod treffen. In diesem Fall sollen die Empfehlungen ein roter Faden sein sowie maximale Transparenz und Vertrauen in der Bevölkerung schaffen. Selbst in dieser schwierigsten aller Situationen werde nicht einfach nach dem Bauchgefühl entschieden, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

"Wir haben uns ganz klar gegen das Kriterium "Alter" entschieden und wollen sehr viel differenzierter vorgehen", sagte Janssens. Auch unabhängig von sozialen Kriterien solle in einem Team aus drei Experten mit unterschiedlichen Blickwinkeln entschieden werden. Den Empfehlungen zufolge spielen dabei der Schweregrad der aktuellen Erkrankung sowie relevante Begleiterkrankungen eine wesentliche Rolle. Auch der Patientenwille - aktuell oder per Verfügung - sei fester Bestandteil bei allen Entscheidungen.

Zudem solle die Ressourcen-Zuteilung nicht nur unter an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankten Menschen erfolgen, sondern unter allen Patienten, die eine Intensivbehandlung benötigen, wie beispielsweise auch Unfallopfer oder Schlaganfall-Patienten, hieß es. Ebenso sei es irrelevant, wo die Patienten aktuell versorgt werden, ob in der Notaufnahme, der Allgemein- oder Intensivstation./red/DP/jha

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