VIRUS/ROUNDUP 3: BMW stoppt Europa-Werke für vier Wochen - Marge unter Druck

VIRUS/ROUNDUP 3: BMW stoppt Europa-Werke für vier Wochen - Marge unter Druck

WKN: 519000 ISIN: DE0005190003 BMW AG

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25.05.2020 - 12:38
18.03.2020 13:47:42

(neu: Einstieg und Aktienkurs aktualisiert im 1. und 2. Absatz, Analysten im 5. Absatz, weitere Aussagen aus Pressekonferenz.)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Autobauer BMW geht wegen der Coronakrise von einem deutlichen Ergebnisrückgang aus und stoppt seine Werke in Europa und Südafrika für vier Wochen. Für das laufende Jahr dürften die Auswirkungen der Ausbreitung des neuartigen Virus in der wichtigen Autosparte gut die Hälfte des ursprünglich geplanten operativen Gewinns zunichte machen, hieß es am Mittwoch vom Dax (DAX 30)-Konzern in München. Der Absatz von Autos wird vom Management wegen eines Nachfrageeinbruchs nun deutlich unter dem Vorjahr erwartet, bisher ging der seit August amtierende neue Vorstandschef Oliver Zipse noch von einem leicht steigenden Absatz aus.

Die BMW-Stammaktie rutschte am Mittag auf den tiefsten Stand seit fast zehn Jahren und lag zuletzt 5,4 Prozent im Minus bei 38,19 Euro. Das Papier war bereits in den vergangenen Wochen mit dem Markt heftig unter Druck geraten, im Dezember war es im Hoch über 77 Euro rund doppelt so viel wert wie nun.

Im laufenden Jahr dürfte die operative Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern im Automobilbau nur noch bei 2 bis 4 Prozent liegen nach 4,9 Prozent im Vorjahr. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie kosten die Münchener demnach voraussichtlich rund 4 Prozentpunkte beim von Analysten viel beachteten Maß für die Profitabilität. Ursprünglich habe man mit 6 bis 8 Prozent Umsatzrendite kalkuliert, sagte Finanzchef Nicolas Peter.

Die Belastungen dürften vor allem das erste Halbjahr treffen, hieß es. "Dabei ist unterstellt, dass sich die Absatzsituation in allen Märkten jeweils nach einigen Wochen wieder normalisieren wird", sagte Peter.

JPMorgan-Analyst Jose Asumendi attestierte den Münchenern zwar eine starke Bilanz. Der Ausblick sei allerdings wegen der Einflüsse der Viruskrise schwierig. Für die Zahlen von 2019 interessiere sich wohl aktuell kaum noch ein Investor, schätzte RBC-Experte Tom Narayan. Der Ausblick auf 2020 bedeute hingegen selbst für seine zuletzt gesenkten Schätzungen noch Korrekturbedarf nach unten.

"Ab heute fahren wir unsere europäischen Automobilwerke und das Werk Rosslyn in Südafrika herunter", sagte Vorstandschef Zipse. Die Produktionsunterbrechung werde voraussichtlich bis zum 19. April eingeplant. Laut Produktionschef Milan Nedeljkovic sind davon rund 30 000 Mitarbeiter betroffen. Das große US-Werk in Spartanburg (US-Bundesstaat South Carolina) soll jedoch vorerst weiterlaufen.

Die Ausbreitung des Coronavirus dürfte die Nachfrage nach Autos in allen wesentlichen Märkten erheblich beeinträchtigen, schätzt BMW. "Bei uns folgt die Produktion der prognostizierten Absatzentwicklung. Unser Produktionsvolumen passen wir flexibel der Nachfrage an", sagte Zipse.

Während BMW die chinesischen Partnerwerke zuletzt wieder hochgefahren und die Händler im wichtigsten Einzelmarkt zu großen Teilen wieder ihre Türen geöffnet haben, trifft es nun die Heimat von BMW. Auch VW (Volkswagen (VW) vz), AUDI und Daimler hatten bereits eine Unterbrechung der Produktion wegen der Coronavirus-Krise angekündigt. Audi und der Lastwagenbauer MAN beantragten bereits Kurzarbeit. Die meisten anderen Autobauer haben jedoch zunächst mit einer etwas kürzeren Pause von zwei bis drei Wochen geplant.

BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch sagte, die Gesundheit der Mitarbeiter müsse geschützt und ihre Arbeitsplätze und Einkommen müssten abgesichert werden. Ein BMW-Tarifmitarbeiter bekomme auch bei Kurzarbeit mindestens 93 Prozent seines Nettolohns. Mit Kurzarbeit, flexiblen Arbeitszeitkonten und Homeoffice werde BMW die Belegschaft sicher durch die Krise steuern.

Weil auch die Finanzdienstleistungen bei den Neuverträgen von der Krise betroffen sind, soll das gesamte Konzernergebnis vor Steuern 2020 noch einmal deutlich unter dem Vorjahr liegen. Deutlich bedeutet bei BMW einen Rückgang um mehr als 10 Prozent. Bereits 2019 war das Vorsteuerergebnis unter anderem wegen hoher Vorleistungen und einer milliardenschweren Kartellrückstellung um 26,1 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zurückgegangen.

Im laufenden Jahr rechnet Finanzchef Peter damit nur mit bis zu 6,4 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern. Ohne die Coronakrise hätte der Konzern einen deutlich steigenden Vorsteuergewinn angepeilt, sagte Peter. Auch der freie Mittelzufluss im Automobilbau kommt unter Druck, immerhin soll der Free Cashflow nach 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr aber noch positiv ausfallen.

Bereits 2019 war bei BMW düster ausgefallen, wie das Unternehmen in der vergangene Woche mitgeteilt hatte. Der um 7,6 Prozent auf 104,2 Milliarden Euro gestiegene Umsatz änderte nichts daran, dass das Unternehmen beim Ergebnis und Überschuss deutlich Federn lassen musste. Gestiegene Vorleistungen für neue Technik und Modelle machten sich weiter bemerkbar, ebenso die 1,4 Milliarden Euro teure Rückstellung für eine mögliche Kartellstrafe der EU aus dem vergangenen Frühjahr.

Unter dem Strich blieben knapp 29 Prozent weniger Gewinn übrig mit 5,02 Milliarden Euro. Die Dividende auf die im Dax notierten Stammaktien kürzte BMW um einen Euro auf 2,50 Euro./men/jkr/jha/

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