Immer mehr Unternehmen brechen ihre Geschäftsbeziehungen in Russland ab. Nun kündigten am Wochenende auch die weltgrößten Kreditkartenanbieter Visa, Mastercard und American Express an, dass Kunden mit von russischen Banken ausgestellten Visa-, Mastercard- oder American-Express-Kreditkarten nur noch in Russland bezahlen können. Karten, die bei nichtrussischen Banken ausgestellt wurden, funktionieren nicht mehr in Russland.

Visa und Mastercard teilten den Schritt am Samstag mit. Am Sonntag zog mit American Express der drittgrößte Kreditkartenanbieter der Welt nach. "Angesichts des anhaltenden, ungerechtfertigten Angriffs Russlands auf das ukrainische Volk stellt American Express alle Aktivitäten in Russland ein", teilte das Unternehmen in New York mit. Die Maßnahme gelte auch für Belarus.

Lange Schlangen an russischen Geldautomaten


Russlands größte Bank - die noch nicht mit Sanktionen belegte Sberbank - sicherte am Sonntagmorgen zu, dass russische Kunden von Visa und Mastercard innerhalb des Landes auch nach der Abschaltung mit ihren Karten in Geschäften, im Onlinehandel oder bei Überweisungen bezahlen und Geld abheben können. Die Bankgeschäfte könnten unabhängig von den internationalen Systemen erledigt werden, hieß es.

Wer aber im Ausland lebe, solle jetzt noch rasch Geld mit den Karten abheben oder größere Ausgaben bezahlen, bevor die Systeme nicht mehr funktionierten, teilte die Bank am Sonntag mit. Obwohl sich der Aufruf nur an im Ausland lebende Menschen mit russischen Visa- und Mastercard-Karten richtete, bildeten sich am Sonntagvormittag in Moskau lange Schlangen an Geldautomaten.

Entscheidungen fielen nicht leicht


Visa kündigte an, mit Kunden und Partnern in Russland zusammenzuarbeiten, "um alle Visa-Transaktionen in den kommenden Tagen einzustellen". Danach würden in Russland ausgestellte Karten nicht mehr im Ausland funktionieren. Kreditkarten, die von Finanzinstituten außerhalb des Landes ausgestellt wurden, könnten in Russland nicht mehr eingesetzt werden. Mastercard kündigte identische Schritte an. American Express zog kurz darauf nach.

Visa-Chef Al Kelly sagte laut der Mitteilung, man bedauere die Auswirkungen, die die Maßnahme auf Mitarbeiter sowie Kunden, Partner, Händler und Karteninhaber in Russland haben werde. "Dieser Krieg und die anhaltende Bedrohung des Friedens und der Stabilität erfordern, dass wir darauf im Einklang mit unseren Werten antworten."

Visa, Mastercard und American Express hatten bereits zuvor keine Transaktionen mehr für russische Banken abgewickelt, die von internationalen Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine betroffen sind. Das "Wall Street Journal" berichtete kürzlich, im Jahr 2020 seien von den in Russland ausgegebenen Debit- und Kreditkarten rund 74 Prozent der Zahlungsvorgänge im Land auf Visa- und Mastercard-Karten entfallen.

Russische Zentralbank hält dagegen


Auch von der russischen Zentralbank hieß es in einer Mitteilung am Samstag, alle von russischen Banken ausgestellten Visa- und Mastercard-Karten funktionierten in Russland bis zu ihrem Ablaufdatum weiter. Ihre Verwendung werde im nationalen Zahlungskartensystem verarbeitet, die Sanktionen beträfen diese nicht. Inhaber derartiger Karten könnten weiter an Bankautomaten Geld im Land abheben und damit in Russland bezahlen. Grenzüberschreitende Transaktionen seien nicht möglich, etwa Einkäufe in ausländischen Online-Shops oder die Verwendung der Karten im Ausland.

Russlands Zentralbank teilte immer wieder mit, die Lage sei unter Kontrolle, Automaten würden weiter mit Geld aufgefüllt, die Einlagen auf den Konten seien gesichert. Der Rubel hat massiv an Wert gegenüber anderen Währungen eingebüßt.

Unsere Einschätzung zur Amercian Express-Aktie


Auf die Neuigkeit, dass auch American Express die Geschäfte in Russland eingestellt hat, reagierte die Aktie negativ. Der Kurs gab um mehr als ein Prozent nach. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie aber fünf Prozent im Plus - anders als ihre beiden Konkurrenten Visa und Mastercard. Beide Kurse wurden durch den Ausverkauf von Tech-Aktien zu Beginn des Jahres abgestraft.

Auch die Q4-Zahlen konnten sich sehen lassen. Der Trend stimmt: Wir empfehlen die Aktie zum Kauf.

Unsere Einschätzung zur Mastercard-Aktie


Am Montagnotiert die Mastercard-Aktie leicht im Minus. Auch seit Jahresanfang bewegt sich der Kurs im roten Bereich: Das Papier verlor gut 8,5 Prozent - das dürfte aber auch mit dem Abverkauf der Technologieaktien zu Beginn des Jahres zusammenhängen.

Die Quartalszahlen für das Geschäftsjahr 2021 konnten sich sehen lassen. Auch wenn der Mastercard-Kurs häufig stark schwankt, zeigt der langfristige Trend des Papiers nach oben. Wir belassen die Mastercard-Aktie deshalb auf Kaufen.

Unsere Einschätzung zur Visa-Aktie


Auch die Visa-Aktie notiert am Montag mit 0,4 Prozent leicht im Minus. Seit Jahresanfang steht ein Minus von rund 7,5 Prozent zu Buche - damit war der Kurs leicht weniger gefallen als die des Konkurrenten Mastercard. Wir empfehlen auch die Visa-Aktie zum Kauf.

ak/dpa-AFX