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Wachstumsmarkt Cybersecrurity: Das sollten Anleger jetzt wissen

Wachstumsmarkt Cybersecrurity: Das sollten Anleger jetzt wissen
15.06.2019 05:15:00

Produktionsanlagen werden intelligenter, Hacker nutzen das aus und erpressen auch Konzerne. Dagegen hilft nur modernste Sicherheitstechnik - ein Wachstumsmarkt. Von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Die Zahlen für das erste Quartal lieferte Norwegens Rohstoffriese Norsk Hydro erst am Mittwoch statt wie geplant am 30. April. Grund: Im März hatten Hacker in das IT-System des Betreibers von Aluminiumschmelzen Ransomsoftware geschleust. Um Lösegeld (engl. ransom) zu erpressen, verschlüsseln die Angreifer mit der Schadsoftware Daten auf Computern. Erst wenn bezahlt wird, werden die Systeme entschlüsselt.

Ob Norsk Hydro, weltweit einer der größten Aluminiumproduzenten, zahlen musste, ist nicht bekannt. Die Norweger konnten vorübergehend nicht auf Unternehmensdaten und in einigen Werken auch nicht auf die automatisierte Steuerung ihrer Produktion zugreifen. Als Folge der Attacke brach der operative Gewinn des Konzerns im ersten Quartal ein.

Die Liste der Opfer von Cyberangriffen ist lang - und es sind viele prominente Namen darunter: Die Öl- und Gasriesen Aramco in Saudi-Arabien und Rosneft in Russland wurden im Jahr 2017 angegriffen, der belgische Feinzinkhersteller Nyrstar im Januar. Manchmal werden IT-Systeme schlicht durch Nachlässigkeit infiziert. So wie das des weltweit größten Chipauftragsfertigers Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC). Im vergangenen Sommer wurde der Laptop eines Zulieferers nicht wie üblich auf Schadsoftware geprüft. Prompt waren mehr als 10.000 Computer infiziert, auch in der Steuerung der automatisierten Chipfertigung. Die Vernetzung mit Zulieferern kann die Wirkung solcher Hackerangriffe schnell vervielfachen. Gleichwohl werden die Einbrüche selten öffentlich, denn der Imageschaden ist groß.

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Die Professionalisierung der Angriffe macht Programme zur Abwehr begehrt. Datensicherheitssoftware ist eines der am stärksten wachsenden Segmente im IT-Bereich. Einen Zuwachs um knapp neun Prozent auf weltweit mehr als 124 Milliarden Dollar sehen die Experten der Gartner Group für 2019, fast drei Prozentpunkte mehr Zuwachs als der Gesamtmarkt für sogenannte Infrastrukturprogramme zum Ausbau und Betrieb von IT-Netzen.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft steigt das Risiko von Angriffen aus dem Web permanent an. Allen voran die Finanzbranche rüstet mit Sicherheitstechnik dagegen auf. Banken wurden in diesem Jahr mit bislang einem Fünftel der weltweiten Angriffe am häufigsten ins Visier genommen. So investieren US-Geldhäuser inzwischen bis zu 3.000 Dollar pro Mitarbeiter jährlich in Sicherheitssysteme, schätzt die Unternehmensberatung Deloitte. Gemessen an der Anzahl der Mitarbeiter wären das bei den Riesen JP Morgan Chase und HSBC Budgets von jeweils 750 Millionen Dollar jährlich.

Besonders stark vom Boom profitieren Anbieter, die ihre Produkte an die Nutzung von Software via Web angepasst haben. Einige der etablierten Firmen für Sicherheitssoftware aber haben erst spät auf den Trend zur Cloud und zu Abo-Software aus dem Web reagiert. Im Markt sind sie deshalb ins Hintertreffen geraten, Check Point Software zum Beispiel. Der einstige Primus im Geschäft mit digitalen Schutzwällen, sogenannten Firewalls, hat sein Portfolio durch Zukäufe größerer und kleinerer Entwickler von Cloud-Software inzwischen zwar erweitert, allerdings wird es noch dauern, bis auch Umsatz und Marge zulegen werden.

Zunächst belasten die geringeren Margen im Geschäft mit Abo-Software die Profitabilität, weil der Verkauf von Lizenzen einschließlich des klassischen Beratungsgeschäfts schrumpft. Check Points US-Rivale Palo Alto Networks ist mit dem Umbau schon weiter. Abo-Software spielt mehr als 40 Prozent von 2,8 Milliarden Dollar Umsatz ein. Marktforscher erwarten deshalb, dass die Kalifornier Check Point auch in diesem Jahr Marktanteile abnehmen.

Kein Problem mit schrumpfenden Margen hat indes Zscaler, ein Unternehmen, das ausschließlich Cloud-Software anbietet. Die Technologie des Aufsteigers, der 2018 an der Börse debütierte, unterstützt das neue Arbeiten in Unternehmen - am Schreibtisch, unterwegs und zu Hause - stets in Verbindung mit der Cloud der Firma. Die Programme überwachen den Datenverkehr in der Wolke. Wenn gewünscht, läuft der Datenverkehr eines Firmenkunden vollständig über Zscalers Cloud. Damit soll das IT-Netzwerk des Kunden für Hacker unsichtbar werden.

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