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Wirecard-Chef Braun: "Die letzten sechs bis sieben Wochen hatten auch ihre herausfordernden Tage"

Wirecard-Chef Braun:

WKN: 891624 ISIN: JP3436100006 Softbank Corp.

84,03 EUR
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24.05.2019 - 17:27
27.04.2019 03:25:00

Der Zahlungsabwickler Wirecard erläuterte am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz seine für 2019 bestätigten Prognosen. Vorstandschef Markus Braun äußerte sich zudem zu den Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft. Von Wolfgang Ehrensberger und Julia Pfanner

Bereits am Vorabend hatte der Konzern erneut einen Bericht der "Financial Times" zurückgewiesen, in dem von aufgeblasenen Umsätzen und Ergebnissen die Rede war. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) haben bei ihrer Durchsicht des Geschäftsberichts keine Hinweise auf größere Unregelmäßigkeiten gefunden. EY erteilte dem Zahlungsdienstleister trotz der massiven Vorwürfe eines Mitarbeiters in Singapur ein uneingeschränktes Testat für das Jahr 2018. Die Aktionäre, darunter Vorstandschef Markus Braun als größter Anteilseigner, sollen 20 Cent je Aktie erhalten. Das sind zwei Cent mehr als im vergangenen Jahr.

Trotz des erneuten Sperrfeuers hat sich die Lage bei Wirecard mit dem Ende des Leerverkaufsverbots der Bafin seit Wochenbeginn etwas stabilisiert.

Zum Thema Shortselling-Attacken bei Wirecard und die Reaktion der Bafin, äußerte sich Braun ebenfalls auf der Bilanzpressekonferenz: "Ich gebe zu, die letzten sechs bis sieben Wochen hatten auch ihre herausfordernden Tage, das ist unbestritten. Aber ich sage: Man muss sich dem Markt stellen. Es gab hier sicher gewisse Elemente, die offensichtlich die Bafin motiviert haben, diese Maßnahmen zu setzen. Das ist schlussendlich von der Bafin zu entscheiden. Das heißt offensichtlich gab es hier einen ganz konkreten Manipulationsverdacht."

Und weiter:" Wir führen weder irgendwelche Kämpfe, noch ist es an mir permanent Short-Themen zu kommentieren. In einem liberalen Markt gibt es solche Phänomene, damit muss man umgehen, das können wir. Wir lassen uns auch nicht vom operativen Geschäft abhalten."

Am Mittwoch kündigte das DAX-Unternehmen zudem eine strategische Partnerschaft mit dem japanischen Konzern Softbank an, was der Aktie einen kräftigen Schub gab. Softbank will über eine Wandelschuldverschreibung 900 Millionen Euro in das DAX-Unternehmen investieren und positioniert sich damit nicht nur als strategischer Partner, sondern auch potenzieller künftiger Aktionär. "Die 900 Millionen waren nicht unser Interesse, sondern das der Softbank," sagte Braun. Wirecards Interesse sei die strategische Zusammenarbeit. Das von Softbank sei es gewesen, einen Einstieg zu finden.

Die Softbank Partnerschaft zur strategischen Zusammenarbeit im Bereich digitalen Bezahlens soll auch beim Einstieg in verschiedene asiatische Märkte helfen, zum Beispiel Südkorea, sagt Wirecard-Chef Markus Braun. Zudem wolle Wirecard zum Beispiel so auch präferierter Partner im Bereich digitales Bezahlen für Unternehmen werden, die Softbank im Portfolio habe. Dazu gehört etwa der Fahrdienstleister Uber. Der Ausgabe der Wandelanleihe soll noch bei der Hauptversammlung abgesegnet werden.

Mit der Meldung versuchte Wirecard auch, die Nachrichtenlage einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag und vor dem Hintergrund permanenter Betrugsvorwürfe wieder mit eigenen Themen zu besetzen. Die "Financial Times" legte am Mittwoch nochmal mit großem Kaliber nach: Die Hälfte des globalen Wirecard-Umsatzes und ein Großteil des Gewinns sei getürkt, schrieb das Blatt ohne konkrete Quellen, was Wirecard umgehend als irreführend und falsch zurückwies.

Das Pingpongspiel zwischen dem Wirtschaftsblatt und dem DAX-Konzern könnte also weitergehen. Derzeit ist kaum absehbar, ob die Affäre um Bilanzmanipulationen im Asien-Geschäft tatsächlich schon ganz ausgestanden ist - auch wenn Beweise für schwere Verfehlungen des Unternehmens bislang ausgeblieben sind.

Bei Wirecard heißt es von Chef Braun: Mit dem heutigen Abschluss habe man nun eine doppelte Prüfung. Eine externe Prüfung, deren zusammengefasste Ergebnisse Wirecard vor einigen Wochen mitteilte, hatte keine wesentlichen Auswirkungen auf die Abschlüsse von Wirecard festgestellt. "Vor allem die ins strafrechtlich reichenden Vorwürfe haben sich ganz klar nicht bestätigt, man hat auch überhaupt keinen Ansatz für ein vorsätzliches Verhalten gefunden," sagt Braun. Es habe Mängel gegeben - technische und Qualitätsmängel - die seien zu adressieren.

Finanzchef Alexander von Knoop sagte: "Wir haben im Rahmen der Aufklärung der Sachverhalte in Asien innerhalb des Wirecard-Konzerns einiges an Maßnahmen ergriffen, nicht nur um aufzuklären, sondern auch um Prozesse zu verbessern. Um Maßnahmen zu ergreifen, damit in Zukunft sichergestellt ist, dass derartige Dinge, auch wenn sie für die Wirecard nicht materiell waren, nicht mehr vorkommen können."

Auf die Frage, ob beim Aufbau des Unternehmens Fehler über die letzten zehn Jahre gemacht wurden und ob es auch Fehler beim Management der ganzen Auseinandersetzung zuletzt gab, ergänzt Braun: "Wir sind ein Wachstumsunternehmen. Machen wir jeden Tag Fehler, mach auch ich Fehler? Natürlich. Ich glaube, wir haben sehr viele Stärken, aber wir sind nicht fehlerfrei. Und haben wir auch in den letzten sechs bis acht Wochen Fehler gemacht? Natürlich. Das ist unbestritten." Und weiter: "Die Selbsteinsicht auch zuzulassen und immer wieder daraus etwas Positives zu entwickeln, ich glaube, dass ist die Kunst des Unternehmerischen. Das machen wir hier."

Die Eckzahlen sind bereits bekannt. Das Umsatzwachstum von über 35 Prozent und ein Ebitda-Wachstum von über 36 Prozent zeige die Stärke der operativen Entwicklung, sagt Braun. Auch hätte die jüngste "Affäre" keinerlei Auswirkungen auf das operative Geschäft gehabt. Eher im Gegenteil: "Das Geschäft zieht stark an." Die Gewinnprognosen und den Ausblick hat der Konzern bereits heute morgen bestätigt: "Wir wollen kraftvoll die Guidance bestätigen." Das Ebitda soll fürs laufende Geschäftsjahr bei 740 bis 800 Millionen Euro liegen. Vom Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr könnten fundamental weitere positive Impulse für die Aktie ausgehen.

Einschätzung der Redaktion: Börse Online empfiehlt für die Aktie angesichts der nach wie vor hohen Risiken vorerst weiter eine Halteposition. Spekulative Investoren mit hoher Risikobereitschaft könnten auf eine weitere Kurserholung setzen.

Analyst Knut Woller von der Baader Bank betonte die starken Aufragsgewinne in der zweiten Jahreshälfte 2018, die im Jahresvergleich um 163 Prozent zugelegt hätten und somit eine gute Grundlage seien für solides Wachstum aus eigener Kraft im Jahr 2019.

Empfehlung: Halten
Kursziel: 150 Euro
Stoppkurs: 110 Euro

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Bildquelle: Wirecard AG

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