Zahl der Toten bei Unruhen in Chile steigt auf 15

Zahl der Toten bei Unruhen in Chile steigt auf 15
22.10.2019 16:18:43

SANTIAGO DE CHILE (dpa-AFX) - Die Zahl der Todesopfer bei den schweren Unruhen in Chile ist nach offiziellen Angaben auf 15 gestiegen. Insgesamt elf Menschen seien in der Hauptstadt Santiago de Chile bei Bränden in geplünderten Supermärkten gestorben. Zwei weitere Menschen wurden durch Schüsse in den Orten Coquimbo und La Serena getötet, wie der Staatssekretär des Innenministeriums Rodrigo Ubilla am Dienstag mitteilte. Über zwei weitere Opfer Wer die Schüsse abgefeuert hatte, sagte der Minister nicht. Ein weiterer Mensch sei in der Stadt Talcahuano von einem Militärfahrzeug überfahren worden. Über das 15. Opfer wurden keine Details mitgeteilt. In der Hauptstadt und mehreren anderen Städten des südamerikanischen Landes gilt der Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre.

Insgesamt sei das Ausmaß der Gewalt rückläufig, sagte Ubilla. In der Nacht zu Dienstag seien im ganzen Land 255 gewalttätige Zwischenfälle registriert worden nach 355 in der Nacht zuvor. Angriffe gewalttätiger Demonstranten auf Rathäuser und Polizeiwachen in verschiedenen Städten seien abgewehrt worden. Insgesamt wurden nach Angaben des Ministers seit Beginn der schweren Unruhen am vergangenen Freitag 2643 Menschen festgenommen. 211 Menschen seien in den letzten 24 Stunden verletzt worden, unter ihnen 134 Mitglieder der Sicherheitskräfte.

Chiles konservativer Präsident Sebastián Piñera rief die Opposition auf, gemeinsam mit der Regierung Lösungen für die soziale Krise im Land zu finden. Es sei unter anderem eine Anhebung der Renten geplant, eine Senkung der Preise für Medikamente und Erleichterungen bei den Strompreisen. Die kommunistische Partei schloss Piñera von dem Dialog aus. Die Fortschrittliche Partei des ehemaligen Präsidenten-Kandidaten Marco Enríquez-Ominami lehnte eine Teilnahme ab. Die Regierung solle erst den Ausnahmezustand aufheben.

Die Protestwelle war durch eine Erhöhung der Preise für U-Bahn- Tickets in Santiago ausgelöst worden. Dann entlud sich aufgestauter Ärger unter anderem wegen niedriger Löhne und Renten, hoher Preise, hoher Studiengebühren und wegen extremer Unterschiede zwischen Armen und Reichen. Rasch weiteten sich die Kundgebungen und auch die Ausschreitungen auf das ganze Land aus. Vergangenen Freitag verhängte die Regierung den Ausnahmezustand zunächst über die Hauptstadt. Die Tariferhöhung wurde zurückgenommen./jg/DP/jha

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