Für Polen ist die Kohle essenziell. Laut einem Bericht des Onlinediensts Energy Reporters deckt das Land rund 80 Prozent seines Energiebedarfs mit dem fossilen Brennstoff. In keinem anderen EU-Staat ist der Kohleanteil höher. Zudem sind im Kohlebergbau rund 100 000 Menschen beschäftigt.

Die Folgen der Stromgewinnung aus Kohle für Umwelt und Bevölkerung sind jedoch immens. 33 der 50 am stärksten verschmutzten Städte in der EU liegen in Polen. Studien der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben rund 47 000 Menschen pro Jahr frühzeitig aufgrund der hohen C02-Belastung. Seitens der Bevölkerung wächst daher der Druck auf die Politik, verstärkt auf alternative Energiequellen zu setzen. Auch Brüssel drängt Warschau zum Umdenken und zur Einhaltung von Klimazielen.

Die Regierungspartei PiS scheint die Signale jedoch nur bedingt verstanden zu haben. Bis zum Jahr 2030 soll zwar der Kohleanteil an der Energieversorgung auf 60 Prozent und bis 2050 auf 50 Prozent gesenkt werden, doch da der Energiebedarf bis dahin steigen wird, wäre dies gegenüber dem heutigen Stand keine echte Reduzierung. Immerhin soll der Anteil der Solarenergie am Energiemix steigen.

Insbesondere Technologieministerin Jadwiga Emilewicz macht sich für grüne Energiegewinnung stark. Sie will die Solarenergiekapazität jährlich um 200 Megawatt erhöhen. Auch die Nutzung von Windenergie auf dem Land und dem Meer soll vorangetrieben werden.

Starke Nachfrage


Finanzieren will die Regierung in Warschau Erneuerbare-Energien-Projekte unter anderem durch die Ausgabe grüner Anleihen. Der vor Kurzem emittierte Bond mit zehnjähriger Laufzeit stieß auf reges Interesse seitens der Investoren. Für die 1,5 Milliarden Euro schwere Anleihe gingen Aufträge in Höhe von 3,5 Milliarden Euro ein. Auch ein 2049 fälliger, mit einem Kupon von zwei Prozent ausgestatteter Ökobond war deutlich überzeichnet.