Behavioral Finance Akademie – powered by Degroof Petercam AM

Behavioral Finance Akademie – powered by Degroof Petercam AM
16.05.2019 10:42:57

Mittlerweile werden 2,5 Milliarden Euro in insgesamt drei Behavioral Value-Strategien verwaltet, die auf die Aktienmärkte der USA, Europas bzw. der Eurozone fokussiert sind.

Aufbauend auf dieser Erfahrung möchte DPAM mit seiner ‚Behavioral Finance Akademie‘ einen Beitrag leisten, um mehr über die Hintergründe einer Anlagestrategie zu informieren, die in weit größerem Maße auf Theorien und akademischer Forschung basiert als viele andere Investmentansätze.

Anknüpfend an das berühmte Zitat von Value-Investorenlegende Warren Buffet „Investiere niemals in etwas, das du nicht verstehst“ soll die ‚Behavioral Finance Akademie‘ dabei helfen, in kompakter Form wichtiges Wissen zu vermitteln und Anlegern einen erfolgreichen, aber bislang noch relativ wenig beachteten Investmentansatz näher zu bringen.

Die ‚Behavioral Finance Akademie‘ gliedert sich in insgesamt 6 Teile, die stufenweise aufeinander aufbauen und sich folgendermaßen darstellen:

  • Teil 1: Was ist unter dem Begriff ‚Behavioral Finance‘ zu verstehen?
  • Teil 2: Der ‚Homo Oeconomicus‘: Wie hat er sich entwickelt und gibt es ihn überhaupt noch?
  • Teil 3: Welche Fehler machen Menschen bei der Kapitalanlage? Warum schätzen sie das Risiko oft falsch ein?
  • Teil 4: Warum entsteht das Herdenverhalten? Wie spiegelt sich dies im Anlegerzyklus wider?
  • Teil 5: Wie lassen sich die Erkenntnisse der Behavioral Finance in Anlagestrategien umsetzen? Worin liegt der Vorteil von Behavioral Value-Ansätzen?
  • Teil 6: Exkurs Anlagestile – ‚Value‘ hat lange Zeit im Schatten von ‚Growth‘ gestanden. Was spricht für ein Comeback von Value-Strategien?

Behavioral Finance ist ein Teilgebiet der Behavioral Economics, ein akademisches Forschungsgebiet, das die Überschneidungen zwischen menschlichem Verhalten und wirtschaftswissenschaftlichen Prinzipien untersucht. Im Zentrum der Verhaltensökonomie steht die Erkenntnis, dass Menschen ständig Entscheidungen treffen – bewusst oder unbewusst.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde in unzähligen Experimenten untersucht, wie Menschen ihre wirtschaftlichen Entscheidungen treffen, ob sie davon profitieren oder Nachteile haben – und wie man sie dabei unterstützen kann, bessere Entscheidungen zu treffen.

Letztendlich fanden neuzeitliche Forscher wie der in 2017 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnete US-Ökonom Richard Thaler heraus, dass wirtschaftliche Entscheidungen und Psychologie unweigerlich miteinander verbunden sind. So sind es in den wenigsten Fällen rein rationale Faktoren, die Menschen dazu veranlassen, sich zum Beispiel für den Kauf eines bestimmten Smartphones oder für ein bestimmtes Auto zu entscheiden.

Fragen wie „Wieviel Smartphone oder Auto brauche ich wirklich?“ oder „Auf welche Funktionen oder Leistungsmerkmale kommt es mir tatsächlich an?“ spielen zwar bei Kaufentscheidungen eine Rolle. Unterbewusst spielen aber psychologische Einflüsse eine teilweise noch viel größere Rolle.

Somit sind es am Ende häufig emotionale Gründe, die den Ausschlag für die Kaufentscheidung geben. Ist das Smartphone besonders leistungsstark oder macht es die besseren Fotos? Ist das Auto besonders schnell oder hat es das attraktivere Design? Oder verbindet der Käufer damit einen besonderen Status?

Dies sind nur einige von sehr vielen Fragen, die Kaufentscheidungen emotional beeinflussen können. Komplexe Verbindungen zwischen wirtschaftlichen Überlegungen und einem psychologischen Antrieb gibt es derweil nicht nur bei Kaufentscheidungen, sondern in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen: Warum geht jemand zur Arbeit, spendet für wohltätige Zwecke, bildet sich weiter, spielt Lotto oder möchte aufhören zu rauchen?

Emotionen bestimmen Anlageentscheidungen

Auch bei Anlageentscheidungen werden Menschen von unterbewussten, tiefenpsychologischen Mechanismen gelenkt. Der Großteil der Investoren verhält sich nicht immer rational, sondern begeht leichtsinnige Fehler und fällt emotionalen Fallstricken zum Opfer. Natürlich möchte ein Anleger so viel wie möglich aus seiner Geldanlage herausholen, um zum Beispiel für eine bestimmte Anschaffung anzusparen, den Ruhestand vorzusorgen, die Ausbildung der Kinder zu finanzieren oder auf Weltreise zu gehen.
Demgegenüber sind institutionelle Investoren gefordert, innerhalb definierter Rendite- und Risikoziele bzw. unter Berücksichtigung von regulatorischen Vorgaben das bestmögliche Anlageergebnis zu erzielen. Dabei unterliegen selbstverständlich auch sie psychologischen bzw. emotionalen Einflüssen.

Parallel zu emotionalen Faktoren geht es in der Behavioral Finance um die Erforschung der Auswahl und Verarbeitung von entscheidungsrelevanten Informationen. Also: Warum kauft jemand ein Anlageprodukt und wie verhält er sich im Zusammenhang mit diesem vor, während und nach dem Erwerb? Untersucht werden also die jeweiligen Einflussfaktoren auf das menschliche Entscheidungsverhalten. Im Mittelpunkt dieser Forschungen stehen die Bereiche Informationswahrnehmung, Informationsverarbeitung und Informationsbewertung.

Effizienzhypothese contra Emotionalität

Letztendlich wird die Theorie ‚effizienter Finanzmärkte‘ um den Faktor Mensch ergänzt. Wären die Märkte tatsächlich zu 100 Prozent effizient, würden also sämtliche Informationen allen rational handelnden Marktteilnehmern gleichzeitig zur Verfügung stehen, müssten sich Kurse bei einer relevanten Änderung der Informationslage in kürzester Zeit ändern, um sich dem ‚fairen Wert‘ anzugleichen. Soweit die Theorie.
Doch die Praxis sieht meist anders aus. Denn an dieser Stelle kommen menschliche Emotionen ins Spiel, die bei Anlegern sowohl Unter- als auch Überreaktionen hervorrufen. Damit ist zum einen die Reaktion auf irrelevante Informationen (Noise) und zum anderen die abnormale Reaktion auf bewertungsrelevante Informationen gemeint. Solche Über- bzw. Unterreaktionen können zu Abweichungen des Preises von seinem Fundamentalwert führen.

Der rational handelnde Investor scheint somit nicht der Regelfall zu sein. In der Realität neigen Anleger bei negativen wie auch positiven Nachrichten und Ereignissen an den Märkten zu emotionalen Übertreibungen. In der Folge entstehen Fehlbewertungen – sei es, dass einzelne Aktien übertrieben abgestraft oder übertrieben gefeiert werden.

Reine Kopfsache

Auch Neurowissenschaftler bestätigen immer wieder: Das menschliche Gehirn ist nicht gut für das Investieren geeignet. Die Evolution des Gehirns verleitet uns immer wieder, dieselben Fehler zu machen. Naturgemäß reagieren Menschen bei Gefahren oder Risiken mit Flucht – ein tief verankerter Automatismus des menschlichen Gehirns.
So führen Unsicherheiten oder extreme Ereignisse häufig dazu, dass Anleger an den Kapitalmärkten übereilte Entscheidungen treffen. Demgegenüber lässt sich vielfach beobachten, dass Anleger bei erfolgreichen Investments zu früh aussteigen oder Verlustphasen zu lange aussitzen.

Emotionales Verhalten führt also systematisch zu immer wiederkehrenden Anlegerfehlern. Angst und Gier und die damit verbundenen Anlageentscheidungen verhindern regelmäßig den Anlageerfolg.

Die Erkenntnisse der Behavioral Finance können helfen, solchen Fehlern vorzubeugen und von denen anderer Anleger zu profitieren. Vor allem seit dem Beginn des neuen Jahrtausends entwickeln sich zunehmend Investmentansätze, die sich die Theorien der Behavioral Finance zunutze machen.

Die häufig quantitativ gesteuerten Strategien machen sich frei von menschlichen Emotionen und zielen darauf ab, von den Preisanomalien, die sich durch fehlerhaftes Anlegerverhalten ergeben, gezielt zu profitieren.

Vorschau

Thema des nächsten Teils der Behavioral Finance Akademie ist der ‚Homo oeconomicus‘, also die Theorie des in wirtschaftlichen Fragen rein rational handelnden Menschen. Untersucht werden die Fragen, wie was hinter dieser Theorie steht, wie sie sich entwickelt hat und wie aktuell sie noch ist.

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