Bellevue: «Die ägyptische Regierung lässt auf Worte Taten folgen"

Bellevue: «Die ägyptische Regierung lässt auf Worte Taten folgen
28.03.2019 11:34:45

Interview mit Malek Bou-Diab, Portfoliomanager BB African Opportunities Fonds bei Bellevue Asset Management.

Sie haben kürzlich die 3. Annual MENA Investor Conference von CI Capital in Kairo besucht. Welchen Eindruck haben Sie von dem Land aus Investorensicht erhalten?

Bou-Diab: Die zentrale Botschaft der Regierung lautete: Wir setzen uns für Wirtschaftsreformen und die Schaffung eines günstigen Investitionsumfeldes für den Privatsektor ein. Während die hohen Zinsen weiterhin eine Belastung für unternehmerische Aktivitäten darstellen, insbesondere für Investitionsausgaben, zeichnet sich am Horizont das Bild einer Aufhellung der Wachstumsaussichten und einer Wiederbelebung des Unternehmergeistes ab. Nach seiner Korrektur im Jahr 2018 bietet der ägyptische Aktienmarkt attraktives Wertpotenzial.

Höhepunkt Ihrer Reise war sicherlich das Treffen mit Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Wie haben Sie ihn erlebt?

Bou-Diab: Präsident al-Sisi bestand auf einer interaktiven Sitzung und machte einen entspannten Eindruck, während er auf die Fragen der Anleger einging, die vorher nicht abgesprochen waren. Wir trafen einen Präsidenten, der in Wirtschaftsfragen gut bewandert ist, Herausforderungen schonungslos und offen analysiert und einen pragmatischen Ansatz für deren Lösung verfolgt. Wirtschaftsreformen sind in seinen Augen unumgänglich und al-Sisi betonte, dass sie auch nach Ablauf des IWF-Programms in diesem Jahr fortgesetzt würden. In einem Land, in dem 60% der Bevölkerung unter 40 Jahre alt sind und demnächst jährlich über 800 000 junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, spielt der Privatsektor in seinen Augen zwangsläufig eine wichtige Rolle, die er nutzen sollte. Er wies auf die Bemühungen seiner Regierung bei der Schaffung eines förderlichen Investitionsumfeldes hin. Dazu zählen die Wiederherstellung von Sicherheit, die Modernisierung der Infrastruktur, eine höhere Verfügbarkeit von Devisen und die Durchsetzung legislativer Reformen für Chancengleichheit und den Schutz der Investoren. 

Sie hatten auch noch Treffen mit weiteren Regierungsmitgliedern. Worum ging es dabei?

Bou-Diab: Im Grossen und Ganzen fördert die ägyptische Regierung die vielen positiven Veränderungen innerhalb des Landes. Premierminister Mostafa Madbouly unterstrich die Entschlossenheit der Regierung, ihr Ziel eines integrativen und investitionsgestützten Wirtschaftswachstums zu erreichen. Dabei räumt er dem Privatsektor ungeachtet der globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten eine bedeutende Funktion als Entwicklungspartner ein. Finanzminister Mohamed Mait versicherte, dass eine Anhebung der Steuersätze zur Finanzierung des Haushaltsdefizits nicht vorgesehen sei, sondern stattdessen die Steuereintreibung verbessert werden soll, wozu er besonders auf die Abschlussergebnisse einer Studie von Ernst & Young zur Vereinfachung und Automatisierung von Steuerverfahren verwies.

Investitionsministerin Dr. Sahar Nasr bestätigte, dass die Stimulierung ausländischer Direktinvestitionen (FDI) im derzeitigen konjunkturellen Umfeld eine Herausforderung darstelle, hob jedoch hervor, dass sich bei FDI ein Wachstumstrend abzeichne und Ägypten wieder die grössten FDI-Zuflüsse in Afrika verzeichne. Die stellvertretende Gouverneurin der CBE erläuterte die positive makroökonomische Entwicklung des Landes seit der Abwertung des ägyptischen Pfund im Jahr 2016. Insbesondere wies sie darauf hin, dass das BIP-Wachstum nicht ausschliesslich durch Konsum, sondern auch durch Investitionen und Nettoexporte getrieben wird. Ein Ziel der CBE-Politik, allerdings auch ein deutlicher Bruch mit der Vergangenheit, sei zudem eine dauerhaft wettbewerbsfähige Währung, um Exportwachstum und Importsubstitution anzukurbeln.

Die Regierung hat in den letzten Jahren viele Reformen angestossen. Wo stehen diese heute?

Bou-Diab: Während die vorherige Regierung vor allem mit grossen Worten von sich reden machte, lässt die jetzige Regierung auf ihre Worte Taten folgen. So führte sie einige der schwierigsten Reformen in Ägypten durch, wie etwa die schrittweise Liberalisierung des Devisenverkehrs und den Abbau der teuren und ineffizienten Subventionen. Selbst das Projekt «New Administrative Capital», dem wir anfänglich skeptisch gegenüberstanden, befindet sich inzwischen im Bau. Wir messen Regierungsäusserungen daher mittlerweile ein höheres Gewicht als in der Vergangenheit bei.  

Ägypten hat ebenfalls ein bewegtes Jahr hinter sich, was die Aktienkurse betrifft. Wie wird sich das in diesem Jahr entwickeln? 

Bou-Diab: Die Entwicklung des ägyptischen Aktienmarktes 2018 erscheint uns eher ein Kollateralschaden der allgemeinen Marktkorrektur, die die Schwellenländer gebeutelt hat. Abgesehen von länger als erwartet hohen Zinsen beobachten wir eine solide Verbesserung der unternehmerischen und makroökonomischen Fundamentaldaten und eine Wachstumserholung bei gleichzeitig merklich niedrigeren Bewertungen infolge der Marktkorrektur. Das Land bietet ohne Zweifel interessante Anlagemöglichkeiten, aber die erzielte Performance wird wohl vom Tempo der Zinsnormalisierung und der globalen EM-Liquiditätslage abhängen.

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