BNP Paribas AM: Aufbruchsstimmung im Reich der Mitte – China bietet enormes Kurspotenzial

BNP Paribas AM: Aufbruchsstimmung im Reich der Mitte – China bietet enormes Kurspotenzial
23.01.2020 12:22:53

Von Chi Lo, Chefvolkswirt für China bei BNP Paribas Asset Management.

Die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter sinkt, die Gesellschaft altert. Bis 2027 werden etwa 100 Millionen Chinesen in die Reihen der über 60-Jährigen aufrücken, der Anteil der Senioren steigt damit auf 22 Prozent der Gesamtbevölkerung. Hinzu kommt, dass China als Schwellenland weiterhin großen Nachholbedarf hat, den Schwung erhalten und Arbeitsplätze schaffen muss.

Drei Gründe für neuen Auftrieb

Nur Herausforderungen also, wohin man sieht? Doch mehren sich auch die Zeichen der Entspannung, vor allem drei Faktoren bedeuten neuen Auftrieb für die chinesische Wirtschaft: die Atempause im Tauziehen mit den USA, mehr Geld für die Privatwirtschaft und gute Aussichten bei der Binnennachfrage.

Vorüber ist der Konflikt der Weltmacht USA mit dem Aufsteiger China sicher noch nicht, doch haben beide Seiten letzte Woche ein erstes Teilhandelsabkommen unterzeichnet. Dann hat die chinesische Zentralbank den Mindestreservesatz gesenkt und will so die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Das sollte vor allem kleinen und mittelgroßen Firmen zugutekommen, die eine zentrale Rolle für Chinas Wirtschaft spielen. Sie sorgen für 50 Prozent der Steuereinnahmen, stellen 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 80 Prozent der städtischen Beschäftigung.

Eine weitere Säule des Wirtschaftswachstums ist der private Konsum: Trotz aller Unsicherheiten, die der Handelsstreit mit den USA hervorruft, sind die Einzelhandelsumsätze wieder im Aufwind. Die Aktie der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba etwa war im Dezember 2019 und Anfang Januar erneut auf ein Allzeithoch geklettert. Insofern wird die chinesische Erfolgsgeschichte unserer Meinung nach auch im neuen Jahr weiterlaufen.

Und nicht zuletzt wird Peking alle Hebel in Bewegung setzen, um weitere Impulse zu setzen – etwa den Handel mit anderen südostasiatischen Staaten stärken. Schließlich sollen die Wirtschaftsleistung und das Einkommen der Chinesen bis Ende 2020 im Vergleich zu vor zehn Jahren verdoppelt und China zu einer bescheiden wohlhabenden Nation werden. Der Drache mag also einen Moment lang ruhen – doch mit einem Auge hat er seinen Hort weiter fest im Blick.

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