nordIX AG: Dem CDS-Händler über die Schulter geschaut

nordIX AG: Dem CDS-Händler über die Schulter geschaut
16.07.2019 11:59:28

Neben Swaps zur Steuerung des Zinsrisikos kommen vor allem Credit Default Swaps (CDS) zur Anwendung, um zusätzliche Erträge zu generieren. Marian Klemm, Portfoliomanager und Partner der nordIX AG, gewährt uns einen Einblick in diese, noch weitgehend unbekannte Assetklasse.

Wie wird man ein Händler für Credit Default Swaps?

Marian Klemm: Grundsätzlich sind Kreditderivate kein Hexenwerk. Es bedarf keines Abschlusses in Raketentechnik, vielmehr sind, wie im Kapitalmarkthandel allgemein, ein Verständnis für Finanzinstrumente und eine

Affinität für die Märkte entscheidend. Und zu guter Letzt gilt stets „Grau ist alle Theorie.“

Was heißt das konkret?

Marian Klemm: Dass das Lesen von Fachliteratur noch keinen guten Praktiker ausmacht. Natürlich ist es unverzichtbar sich mit der theoretischen Konstruktion und Wirkungsweise eines CDS auseinanderzusetzten, allein ein Händler wird man aber nur durch das aktive Handeln des Produktes. Erfahrung ist essentiell und die kann man nicht lernen.

Kann denn jede Privatperson CDS handeln? Über einen Onlinebroker beispielsweise?

Marian Klemm: Nein, dieser Markt ist wenigen professionellen Playern vorbehalten. Dies sind Investmentbanken, institutionelle Anleger, Kapitalmarktbroker und vereinzelt große Unternehmen, die Kreditderivate im Rahmen der Risikosteuerung einsetzen. So gilt im Regelfall auch ein Mindestnominal von EUR 1 Mio. für ein CDS-Geschäft.

Kannst du kurz umreißen, wie ein CDS funktioniert?

Marian Klemm: Gerne. Ein CDS ist vergleichbar mit einem Versicherungsvertrag. Der Versicherungsnehmer zahlt für einen vorgegebenen Zeitraum jährlich eine feste Prämie. Kommt es während der Laufzeit zu keinem Schadensfall, so verfällt der CDS wertlos. Wenn allerdings der Schadensfall eintritt, zahlt der Versicherer eine feste Ausgleichszahlung. Dieser Schadensfall nennt sich im Fachjargon „Credit Event“, hierunter sind beispielsweise Insolvenz, Zahlungsausfall aber auch Umstrukturierungen bei einem Emittenten zu verstehen. 

Welche Vertragsbestandteile werden denn im tatsächlichen Handel noch abgestimmt?

Marian Klemm: Der Handel von CDS findet heutzutage in erster Linie über Chats zwischen dem Sales-Repräsentanten einer Investmentbank und dem Endkunden, wie mir als Portfoliomanager, statt. Eine Preisanfrage würde beispielsweise lauten „5MM DAIGR CDS 5y – your offer“ und mit „-/52“ erwidert werden. In diesem Fall frage ich den Kaufpreis eines CDS über EUR 5 Mio. auf den Emittenten Daimler Benz AG mit einer Laufzeit bis zum 20. Juni 2024 an. Um diesen Versicherungsschutz zu erwerben, muss ich eine laufende Prämie von 52 Basispunkten pro Jahr entrichten. Sämtliche weitere Spezifikationen des zu handelnden CDS sind über die gültigen Konventionen eindeutig bestimmt. Auch der Preis ist im Vorhinein annähernd bekannt, da die Investmentbanken laufend indikative Preise für die von ihnen gehandelten CDS veröffentlichen.

Aus welchen Beweggründen erfolgt ein Handel in CDS?

Marian Klemm: Der originäre Zweck des CDS liegt natürlich in seiner Funktion als Absicherungsinstrument gegen einen Ausfall des Emittenten. Da der Preis, zu dem man einen CDS handelt, dem Credit Spread des Emittenten entspricht, ergeben sich aus der Handelbarkeit weitere Anwendungsgebiete, nämlich die Spekulation auf die zukünftige Entwicklung desselben.

Wie würde dies im konkreten Fall aussehen?

Marian Klemm: Ziehen wir erneut Daimler Benz als Beispiel heran, hier wird der 5-jährige CDS mit 48/52 quotiert. Gehe ich als Investor nun von einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit von Daimler aus, kann eine gewinnbringende Strategie sein, den CDS bei 52 zu kaufen und darauf zu setzen, dass ebendiese Verschlechterung zu einem Anstieg des Credit Spreads führt. Wenn es dazu kommt, kann ich den CDS zu einem höheren Preis wieder veräußern. Und da bei einem CDS das Nominal nur als Berechnungsgröße dient, nicht aber ausgetauscht wird, kann ich dieses Geschäft ohne großen Liquiditätseinsatz durchführen.

Sind weitere Strategien denkbar?

Marian Klemm: Wie bei Zinsderivaten sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig. Viele Investoren nutzen beispielsweise CDS als Surrogat zur Anlage in Anleihen. Denn wenn Sie einen CDS verkaufen übernehmen sie das Kreditrisiko auf den Emittenten, also dieselbe Positionierung, wie bei dem Kauf einer Anleihe. Allein der Kapitaleinsatz ist nicht notwendig.

Aber sind denn CDS tatsächlich ähnlich liquide wie Anleihen?

Nun sind Versicherungsverträge im Regelfall ja nicht frei handelbar…

Marian Klemm: Hier liegt ein entscheidender Vorteil des CDS. Die heutigen Credit Default Swaps sind fast ausnahmslos standardisiert. Sie basieren auf den aktuellsten Konventionen der International Swaps and Derivatives Association, kurz ISDA. Diesen Normen für die Ausgestaltung eines CDS folgen alle Marktteilnehmer. Dies führt dazu, dass die gehandelten CDS vergleichbar und somit handelbar sind. Dieser Handel findet zwar (noch) nicht an Börsen statt, aber im direkten Austausch sind CDS auch während der Laufzeit liquide, können also zu einem nachvollziehbaren Preis ge- und verkauft werden.

Marian Klemm: Kehren wir zu unserem Beispiel zurück. Richtig ist, dass auf Daimler gegenwärtig Anleihen mit einem Gegenwert von knapp EUR 80 Mrd. im Umlauf sind, was eine hohe Liquidität vermuten lässt. Allerdings verteilt sich diese Summe auf knapp 220 unterschiedliche Anleihen, während es eben nur einen CDS gibt, auf dem sich die gesamte Marktliquidität konzentriert. Die geringe Geld-Brief-Spanne von 4 Basispunkten (48/52) ist ein weiteres Indiz für die hohe Liquidität des CDS. In gängigen Namen, die zudem Bestandteil der Vielzahl von gehandelten CDS-Indizes sind, ist der CDS unter Liquiditätsgesichtspunkten sicherlich das überlegene Instrument.

Aber wie verhält es sich, wenn es tatsächlich zu einem Kreditereignis kommt und der CDS ausgelöst wird? Folgt hierauf nicht ein sehr komplexer Abwicklungsprozess?

Marian Klemm: Mitnichten. Wie der CDS an sich ist auch dieser Prozess durch die ISDA hoch standardisiert und wird innerhalb weniger Wochen durchlaufen. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem Anleiheinvestment, bei dem mitunter ein mehrjähriges Insolvenzverfahren durchlaufen werden muss, bevor die finale Verwertungsquote feststeht.


Marian, wir danken dir, dass du uns dieses spannende Thema anschaulich näher gebracht hast.

Historischer Spreadverlauf Daimler Benz CDS

Daimler
Daimler
Daimler

Quelle: nordIX AG

Im Chart ist der Spread des 5 Jahres CDS auf Daimler-Benz abgebildet. Die Prämie einer 5-jährigen Versicherung für EUR 1 Mio. beträgt aktuell 0,52% = EUR 5.200.

Der Interviewpartner Marian Klemm ist Portfoliomanager und Partner der nordIX AG, einem Fixed Income und Derivate Spezialisten aus Hamburg. Weitere Informationen zum Asset Manager und zu den Fonds nordIX Treasury plus (WKN A2DKRH) und nordIX Basis UI (WKN A2AJHF) finden Sie unter www.nord-ix.com

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