WisdomTree: Commodity Monthly Monitor - Rohstoffe fest im Griff von COVID-19

 WisdomTree: Commodity Monthly Monitor - Rohstoffe fest im Griff von COVID-19
02.04.2020 10:08:38

Wir erleben derzeit einen globalen wirtschaftlichen Systemschock, der zumindest auf Augenhöhe mit der großen Finanzkrise von 2008 zu verorten ist. In vielerlei Hinsicht könnte es jedoch schlimmer sein. Während die Welt die notwendigen Schritte zur Eindämmung von COVID-19 unternimmt, wird gleichzeitig die globale Wirtschaft heruntergefahren. Die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft und der Vermögensmärkte wird auf die Probe gestellt. Offensichtlich gibt es Probleme mit den unterschiedlichen Vermögenswerten, insbesondere der Liquidität. Der Durst nach Cash und bargeldähnlichen Assets wie Gold und Staatsanleihen stieg stark. Aber selbst diese Vermögenswerte sind gegen die Herausforderungen in diesem Umfeld nicht immun.

Erfreulicherweise stellen sich Zentralbanken und Finanzbehörden der Herausforderung, vor der wir stehen. Obwohl sich die Märkte zunächst unbeeindruckt von deren Bemühungen zeigten, haben alle großen Zentralbanken nach der raschen Ankündigung weitere Maßnahmen angekündigt. Nach dem Vorbild des ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi "What ever it takes". Die Finanzbehörden, die normalerweise durch parteipolitische Maßnahmen behindert werden, haben die Dringlichkeit der Situation weitgehend gespürt. Deutschland scheint sich von der „Schwarzen Null“ des Haushalts verabschiedet zu haben. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes haben die USA anscheinend ein Konjunkturpaket in Höhe von 2 Mrd. US-Dollar genehmigt. Und die meisten Länder haben ähnlich mutige Pläne angekündigt.

Trotz aller Stimuli bleibt die Länge und Amplitude des aktuellen COVID-19-Schocks jedoch weitgehend unbekannt. Zu den Problemen auf der Nachfrageseite kommt noch hinzu, dass das Ölangebot steigen wird, da sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) und ihre Partnerländer in einem Zustand der Verwirrung befinden. Dieser doppelte Schock auf dem Ölmarkt löste eine beispiellose Volatilität auf dem Ölmarkt aus.

Bei ausreichender Nachfragebelebung sollte sich eine Untergrenze für zyklische Rohstoffe abzeichnen. Öl könnte aufgrund des gleichzeitig stattfindenden Angebotsschocks leider einen längeren Weg vor sich haben, um dorthin zu gelangen. Nach einer anfänglichen rückläufigen Phase, in der das Metall verkauft wurde, um Liquidität zu schaffen, wird Gold voraussichtlich höher notieren. Die Kombination aus geld- und fiskalpolitischen Anreizen, niedrigen Anleiherenditen und einer längeren Phase der Marktunsicherheit deutet auf einen starken Goldpreis im kommenden Jahr hin. Auch Silber wird wahrscheinlich dem Gold auf dem Weg nach oben folgen.

Akuter Verkaufsdruck führt zu einem herausfordernden Monat für Edelmetalle. Die Verluste bei Gold konnten im vergangenen Monat im Vergleich zu den meisten anderen Rohstoffen eingedämmt werden, aber ein negativer Monat war nicht vermeidbar, da sich die Anleger inmitten starker Rückgänge an den Aktienmärkten dem historischen Safe-Hafen-Metall zur Liquiditätsbeschaffung zuwandten. Der verbleibende Edelmetallkorb überstand einen schwierigen Monat, Anzeichen einer Erholung könnten in Sicht sein.

Die Industriemetalle mussten im Zuge der Nachfragabschwächung aufgrund der Covid-19-Pandemie im vergangenen Monat einen starken Rückgang hinnehmen. Die spekulative Nettopositionierung ist im historischen Vergleich bereits sehr niedrig, was die rückläufigen Aussichten der Anleger gegenüber Industriemetallen unterstreicht. Der Nachfrageschock infolge des COVID-19-Ausbruchs dürfte bei den meisten Industriemetallen die Angebotsunterbrechungen in der ersten Hälfte des Jahres 2020 übersteigen.

Der März 2020 wird wohl als der herausforderndste Monat für die Energiemärkte in die Geschichte eingehen. Ein Angebotsschock war mit einem Nachfrageschock gekoppelt, der eine noch nie dagewesene Volatilität auf den Ölmärkten erzeugte.

Agrarrohstoffe brachen gegenüber dem Vormonat um 6,8 Prozent ein. Die meisten dieser Verluste sind auf die Rohstoffe Zucker, Baumwolle und Kakao zurückzuführen. Bemerkenswerte Ausnahme war Kaffee, der als einziger Rohstoff Gewinne verzeichnete. Wir erwarten weitere Einbußen bei den Agrarrohstoffen aufgrund der Auswirkungen eines niedrigeren Ölpreisregimes in Verbindung mit der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Coronavirus.


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