Im Zeitalter der Digitalisierung gibt trotzdem noch jeder Fünfte seine Steuererklärung in Papierform ab. Warum Bürger an alten Gewohnheiten festhalten. Von Stefan Rullkötter

Für viele Steuerzahler ist es der Lohn harter Arbeit. Mit dem Einkommensteuerbescheid für 2016, der in diesen Tagen im Postkasten liegt oder bereits vor einigen Wochen zugestellt wurde, gibt es im Durchschnitt 900 Euro vom Fiskus zurück.

Eine ganze Reihe von Bürgern bleiben beim Kampf durch den Formulardschungel einer lieb gewonnenen Gewohnheit treu: Jeder fünfte Steuerpflichtige reicht die Formulare nach wie vor auf Papier ein, obwohl mittlerweile in 88,6 Prozent der deutschen Privathaushalte ein Computer verfügbar ist - und die Finanzverwaltung Bürgern bereits seit dem Jahr 1999 den Service anbietet, ihre Steuerklärungen bequemer in rein elektronischer Form ("Elster") abzugeben.

Das ist das Gesamtergebnis einer Umfrage von Kantar TNS unter 1033 Personen, von denen rund 75 Prozent vergangenes Jahr eine Einkommensteuererklärung abgegeben haben.

Für dieses Beharren gibt es plausible Gründe: "Mantelbogen und Anlagen werden oft doppelt ausgefüllt - eine Ausfertigung wird für die Steuererklärung im Folgejahr aufbewahrt, um unveränderte Daten übertragen zu können", erklärt Peter Schmitz, Geschäftsführer von Buhl Tax Service, der die Umfrage in Auftrag gegeben hat. Zudem haben Papierformulare weitere unschlagbare Vorteile: Ein Kugelschreiber reicht für die Bearbeitung. Dazu komme das beruhigende Gefühl, den Arbeitsablauf selbst zu bestimmen und auf einen Blick zu sehen, welche Daten in die Steuererklärung eingetragen werden.

Vor allem erfahrene Steuerzahler bleiben tendenziell beim Papierformular. In der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den über 60-Jährigen 38 Prozent.

Maschinelle Datenerfassung



Die Finanzverwaltung hat auf die Treue der Bundesbürger zum Papier reagiert und bundesweit mehrere sogenannte Scan--Zentren zur Erfassung handschriftlich ausgefüllter Formulare eingerichtet. So bleibt den Sachbearbeitern in den Finanzämtern zumindest erspart, Angaben auf Papier mühsam in die behördlichen EDV-Systeme zu übertragen. Damit steigt aber - bei unleserlicher Handschrift - auch das Datenfehler-Risiko für Papier-Erklärer.

Bei den jüngeren Steuerpflichtigen zeichnet sich dagegen der digitale Wandel ab: In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen füllen lediglich noch sieben Prozent der Steuerpflichtigen die Erklärung handschriftlich aus. Und auch der Fiskus will den Bürger vom Papier wegbringen - digital übermittelte Daten lassen sich auch von Amts wegen leichter verarbeiten.

Der Anteil der kommerziellen Steuerprogramme, bei denen die Nutzer im Gegensatz zur amtlichen Elster auch Spartipps erhalten, ist dennoch mit 9,1 Prozent relativ gering. "Bürger wechseln nur dann die Erklärungsart, wenn sie davon auch einen großen Nutzen haben", erklärt Steuersoftware-Experte Schmitz. Attraktiv werde eine digitale Lösung dann, wenn Medienbrüche entfallen und Angaben automatisch in die Erklärung eingetragen werden - etwa via Datenabruf vom Finanzamt für Lohnsteuerbescheinigungen, Versicherungen und Renten.

Der Idealfall: Die Steuersoftware greift auch auf die Daten des Girokontos zu, erkennt steuerlich relevante Buchungen automatisch und ordnet die Daten direkt den relevanten Feldern der Erklärung zu - ganz ohne Abtippen der Kontoauszüge.

Marktführer Buhl Data bietet solch eine "automatische Steuererklärung" mit www.steuer-web.de bereits an, die Wettbewerber Akademische AG ("Steuer easy") und Haufe-Lexware ("Smartsteuer") arbeiten noch an vergleichbaren Produkten.

Weitere Erkenntnis aus der Umfrage: Für viele ist die jährliche Steuererklärungspflicht ein "Reizthema". So ist es auch nicht verwunderlich, dass 38,6 Prozent der Befragten die Pflichtaufgabe des Fiskus an einen Steuerberater delegieren.