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Crowdinvesting: 27 Plattformen im großen Test

Crowdinvesting: 27 Plattformen im großen Test

WKN: A14QMG ISIN: JP3832900009 PLATZ Co.,Ltd.

04.02.2019 05:20:00

Fast 300 Millionen Euro flossen 2018 über Plattformen für Schwarmfinanzierung in Immobilien, Start-ups und Energieträger. Das war Rekord. Unser Test zeigt, was die Anbieter können. Von Bernhard Bomke, Euro am Sonntag.



Als im Dezember bekannt wurde, dass der Onlinehändler Von Floerke offenbar mit überhöhten Umsatzzahlen um Kleinanleger geworben hatte, die nun schlimmstenfalls mit dem Totalverlust rechnen müssen, war das für die Zeichner eine alarmierende Nachricht. Sie hatten im Sommer 2017 über die Crowd­investing-Plattform Kapilendo gut 1,2 Millionen Euro bereitgestellt.



Die siebenstellige Summe hat die Funktion eines Nachrangdarlehens und soll fünf Jahre lang mit jährlich neun Prozent verzinst werden. Eine solch hohe Ver­zinsung ist selbst in der noch vergleichsweise jungen Anlagewelt des Crowd­investings ein hoher Wert - so hoch, dass Anleger wissen sollten, dass sie ein deutlich erhöhtes Risiko eingehen. Die Frage ist nur: Wissen sie das?


In diesem Fall hatte das vom Anlegerschützer Stefan Loipfinger betriebene Portal Investmentcheck geringe Transparenz moniert. Doch die Anleger, die mindestens 100 Euro mitbringen mussten, stellten die 1,2 Millionen Euro binnen weniger Wochen zur Verfügung. Das ist durchaus typisch. Der Schwarm (Crowd) findet sich schnell zusammen und zieht rasch weiter zum nächsten ­Investment, bei dem die Anleger mit 50, 100 oder 250 Euro mit dabei sind.

650 Millionen Euro von der Crowd

2018 war das mit Abstand stärkste Crowdinvesting-Jahr in Deutschland. Nach Zahlen von Crowdfunding.de flossen fast 300 Millionen Euro von Privatanlegern in Immobilien, Unternehmen und in den Bereich Energie und Umwelt, also vor allem in erneuerbare Energien. Größter Anbieter war Exporo mit 129 Millionen Euro. Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011 kamen über 650 Millionen Euro an Schwarmfinanzierungen zusammen. In die Crowd-­Statistik wird aufgenommen, was eine Mindestbeteiligung von höchstens 1000 Euro hat, erklärt Michel Harms, Herausgeber von Crowdfunding.de.

Fälle wie der des Accessoires-Händlers Von Floerke, gegen deren Gründer mittlerweile die Bonner Staatsanwalt wegen Insolvenzverschleppung ermittelt, ließen sich "letztlich nicht ausschließen", erklärt Johannes Ranscht. Er ist Geschäftsführer von gleich drei Plattformen für Crowdinvesting: Seedmatch (Unternehmen), Mezzany (Immobilien) und Econeers (Energie). Ranscht beschreibt, wie der Prozess läuft, ehe zum Beispiel die Plattform Seedmatch, über die bereits mehr als 42 Millionen Euro eingesammelt wurden, die Finanzierung eines Unternehmens über die Crowd anbietet.

Und der geht so: Die Firma bewirbt sich bei der Plattform, stellt - sofern es keine Neugründung ist - einen Jahresabschluss zur Verfügung, und Seedmatch prüft die Unterlagen. Zudem wird externe Expertise, unter anderem die eines Steuerberaters, hinzugezogen. "Wir treffen die Auswahl sehr sorgfältig", betont Ranscht, "aber wenn jemand ein Dokument fälscht, sind uns die Hände gebunden."

Doch auch ohne kriminelle Energie gehört das Risiko zum Geschäft, wenn Anleger beim Crowdinvesting dabei sind. Ranscht hat 70 der von Seedmatch finanzierten Investments analysiert und kommt zum Schluss: "Wir haben 20 Prozent Top-Performer, die durch die Decke gehen." Das heißt, die Unternehmen werfen mitunter deutlich höhere Renditen ab als erwartet. 40 Prozent ordnet er als solide Performer ein. Sie bringen überschaubare Renditen. Der große Rest macht eher schlechte Laune. Ranscht formuliert es so: "Bei weiteren 40 Prozent ist gehörig was schiefgelaufen." Damit machen die Investoren also ein Minus.

Der Seedmatch-Chef hat einen Tipp für Anleger, die beim Crowdinvesting mitmischen wollen: "Wir raten jedem, der 1000 Euro anlegen will, das Geld auf vier Projekte zu verteilen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, einen Top-Performer zu erwischen." Dieser ziehe dann die Gesamtperformance entscheidend nach oben.

Unternehmen kommen für Seedmatch unter anderem dann in Betracht, wenn die benötigte Summe zwischen 100 000 Euro und 2,5 Millionen Euro liegt. Die Obergrenze hat damit zu tun, dass laut Anlegerschutzgesetz erst ab 2,5 Millionen Euro Fundingsumme ein umfassender Prospekt erstellt werden muss. Unternehmen, die unter dieser Grenze bleiben, müssen nur ein paar ­Informationen im Umfang eines Zweiseiters zur Verfügung zu stellen.

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