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gonetto: Warum uns Geld verlieren so schmerzt

gonetto: Warum uns Geld verlieren so schmerzt

WKN: 823212 ISIN: DE0008232125 Lufthansa AG

26,69 EUR
-0,14 EUR -0,52 %
19.04.2018 - 19:53
05.12.2017 20:00:00

Menschen hassen Verluste mehr als sie Gewinne gleicher Größe lieben. Macht ein Anleger mit einem Aktienpaket 10.000 Euro Gewinn und mit einem anderen Paket im selben Zeitraum 8.000 Euro Verlust, sollte er eigentlich zufrieden sein, verbleiben doch unterm Strich erfreuliche 2.000 Euro Gewinn. Ist er aber nicht. Erst bei einem Verlust von nur noch etwa 4.000 Euro, also einem Gesamtgewinn von 6.000 Euro stellt sich ein Wohlgefühl ein - irrational und hinderlich.

Der Grund ist wieder mal in unserem Ego zu suchen, denn ein Verlust ist die Bestätigung eines Fehlers. Und wer gesteht sich den schon gerne ein? Wie hatte ich schon in meiner Kolumne vom 27. Oktober 2017 geschrieben: "‘Selbstwertdienliche Verzerrung der Realität‘ nennt man das in der Fachsprache." Wir basteln uns die Realitäten so, dass es unserem Ego maximal schmeichelt.



Der unglückliche Leser

Leider schlägt die Keule auch in der anderen Richtung zu, was uns Menschen geradewegs zum Unglücklichsein verdammt. Wenn Sie auch schon einmal Ihr Smartphone verloren oder irgendwo liegen lassen haben, werden Sie ahnen, was ich meine. Falls Ihnen dieses Schicksal bisher erspart blieb, dann ging Ihnen vielleicht etwas Vergleichbares verloren, auch wenn man sich Ende 2017 nichts von entsprechender Bedeutung vorstellen kann. Vielleicht haben Sie einen Rucksack mit ein paar Habseligkeiten irgendwo stehen lassen. Oder Geld verloren. Nehmen wir aber jetzt einmal das Handy und sagen wir: Auf einmal ist dieses geliebte kleine Kerlchen weg. Und nehmen wir einmal an, dass sich auf dem Handy nicht all zu viel vertrauliche Daten befanden und dass sich Ihre Adressdaten nicht nur auf dem Handy, sondern auch noch auf anderen Speichermedien befanden. Kurz: Sie hatten Ihre Daten gesichert.


So erging es mir vor einigen Jahren: Ich hatte das Handy in einem Zug der Deutschen Bahn liegen lassen - und bekam es nicht wieder. Und, ja, ich war frustriert. Selbst am nächsten Tag spürte ich in meinem Inneren noch den Nachhall des Verlustes. Und das, obwohl mein Handy nun seine besten Tage oder eher sogar seine besten Jahre hinter sich hatte. Zwei Tage später und immer noch leicht bekümmert verließ ich das Haus und begegnete meinem Nachbarn, einem Diplom-Psychologen. Ich ergriff die Gelegenheit beim Schopf, mir eine kostenlose Beratung angedeihen zu lassen und sprach ich ihn direkt an: "Sag mal, warum bin ich jetzt immer noch so, na ja, getroffen?

Das Handy hatte maximal noch einen Wert von 50 Euro, mit viel Glück vielleicht 70 Euro. An sich wäre das also gut für höchstens eine ein- oder zweistündige Katerstimmung. Wie kommt es, dass ich heute, zwei Tage nach dem Verlust, in mir immer noch so ein Verlustgefühl verspüre?" Meines Nachbars Versuch endete kläglich: "Na ja, da sind ja viele private Dinge drauf, die sind jetzt weg. Das tut natürlich weh." "Wenn es so wäre", entgegnete ich. "Nein, täglicher Outlook-Abgleich, es ist nichts verloren gegangen. Absolut nichts. Und besonders private Dinge sind da auch nicht drauf. Nein, es muss etwas anderes sein. Aber was?" Mein Nachbar entschuldigte sich mit den Worten, er müsse jetzt in seine Praxis, werde aber mal über das Phänomen nachdenken.

Mein Nachbar dachte lange darüber nach; ich habe nie eine Antwort von ihm erhalten. Allerdings später von anderer Stelle: Der wesentliche Grund, warum uns Verluste so weh tun, und zwar mehr als uns Gewinne gleicher Höhe Freude bereiten, liegt im besagten Ego-Phänomen. Der verlorene Gegenstand ist eine Sache, das Eingestehen eines Fehlers eine andere. Letzteres tut uns weh, nicht so viel der Gegenstand selber (der natürlich auch). Es geht weniger um den Wert des Gegenstands, es geht um die Erniedrigung. Der verlorene Gegenstand verabschiedet sich mit dem Ruf in alle Welt: "Seht her, dieser Versager! Er vergaß mich im Zug. Seiner Frau sagt er immer, sie solle besser auf ihre Sachen aufpassen. Aber jetzt -ha!- hat es ihn selber erwischt!"

Hätte ich in derselben Zeit einen 50 Euro Schein gefunden - die Freude wäre nicht halb so groß gewesen wie der Schmerz über den Verlust des Handys.

Auf Seite 2: Deutschland einig Jammerland?



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Bildquelle: Privat

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