Börse kann so grausam sein. Zum Beispiel dann, wenn die Aktienkurse Tag für Tag steigen - und man kein Kapital flüssig hat, um bei der Hausse mit dabei zu sein. Manch einer kommt da auf den Gedanken, die Wertpapiere, die bereits im Depot liegen, zu beleihen. Und dann auf Kredit zu spekulieren. Ein riskantes Spiel. Sollten sich die Kurse anders entwickeln als gedacht, steht das eigene Depot im Feuer, im schlimmsten Fall kann es sogar sein, dass man Geld nachschießen muss.

Auch aus diesem Grund bieten längst nicht alle von BÖRSE ONLINE befragten 14 Onlinebroker Wertpapierkredite an. Lediglich acht Broker offerieren Effektenkredite, bei sechs der Befragten sucht man vergeblich danach. Wer auf Risiko steht und auf Kredit spekulieren will, sollte bei der Auswahl seines Brokers also darauf achten, dass sein Favorit auch tatsächlich Wertpapierkredite vergibt.

Zudem sollte er prüfen, welche Wertpapiere bei dem jeweiligen Broker überhaupt beleihbar sind - und zu welchen Konditionen. Denn längst nicht bei jedem Onlinebroker sind alle Wertpapiere beleihbar. Andererseits gibt es auch Wertpapierklassen, auf die man bei allen acht hier aktiven Anbietern Kredit bekommt: Aktien aus DAX und MDAX sind bei allen acht kreditfähig, ebenso europäische und außereuropäische Standardwerte.

Bei jeder anderen Wertpapierklasse gibt es hingegen Anbieter, die diese nicht als Sicherheit akzeptieren. Recht restriktiv ist hier Degiro. Sieben von uns abgefragte Wertpapierklassen sind bei diesem Broker überhaupt nicht beleihbar, weitere vier nur teilweise. Recht großzügig zeigen sich dagegen Comdirect Bank, Consorsbank, Flatex und Deutsche-Bank-Ableger Max­blue. Hier sind lediglich ein oder zwei Wertpapierklassen nicht beleihbar. Meist High-Yield-Anleihen und Zertifikate.

Wer daher überlegt, auch ­Zertifikate zu beleihen, sollte sein Depot bei der Consors­bank oder bei Maxblue haben. Das sind die beiden einzigen Online­broker, die diese Papiere als Pfand akzeptieren. Hochzinsanleihen, also Ramschanleihen, sind nur für Comdirect und Flatex kreditwürdig. Doch während Flatex hier maximal einen Kredit in Höhe von 20 Prozent des aktuellen Werts dieser Junk-Bonds vergibt, liegt die Beleihungsgrenze bei Comdirect immerhin bei bis zu 50 Prozent.

Beleihungsgrenzen schwanken stark


Apropos Beleihungsgrenze: Ist ein Wert­papier grundsätzlich beleihbar, dann schwanken die maximalen Beleihungsgrenzen bei den meisten Brokern je nach Risikoprofil des beliehenen Wertpapiers zwischen 20 und 90 Prozent des aktuellen Kurswerts. Einzige Ausnahme ist die Merkur Bank. Diese beleiht Wertpapiere grundsätzlich nur bis zu maximal 40 Prozent ihres aktuellen Werts - ganz egal, ob es sich dabei um risikoarme Geldmarktfonds oder um volatile Small Caps aus aller Welt handelt. Die großzügigsten Beleihungsgrenzen offeriert laut unserer Umfrage grundsätzlich die Consorsbank, gefolgt von Comdirect, Maxblue und Onvista Bank.

Allerdings sollten Anleger, die auf Kredit spekulieren, die Beleihungsgrenzen nicht komplett ausreizen. Sinken dann nämlich die Kurse der beliehenen Wertpapiere auch nur ein kleines bisschen, muss der Anleger Geld nachschießen oder weitere Wertpapiere verpfänden - ansonsten sind die beliehenen Wertpapiere perdu.

Sechs der acht Onlinebroker, die Wertpapierkredite vergeben, tun dies übrigens ohne jede Verwendungsbeschränkung. Man kann damit also grundsätzlich auch eine Reise oder ein neues Auto finanzieren. Lediglich die Consorsbank achtet strikt darauf, dass diese Kredite auch tatsächlich für den Kauf neuer Wertpapiere eingesetzt werden. Und bei Maxblue sollen die Kredite zwar in weitere Wertpapiere investiert werden, ein Muss ist das jedoch nicht. Allerdings ist bei diesem Anbieter eine Verwendung zu wohnwirtschaftlichen Zwecken - also Immobilienkauf, Renovierung oder Instandhaltung - ausgeschlossen.

Apropos "Muss": Einzig die Merkur Bank verlangt ein Depotvolumen von mindestens 75 000 Euro, sonst gibt es keinen Wertpapierkredit. Bei allen anderen hier aktiven Anbietern sind die Bedingungen dagegen recht leicht einzuhalten - Comdirect verlangt zum Beispiel lediglich, dass das Depot mindestens 3000 Euro schwer sein muss.

Zinssätze von 1,25 bis 5,51 Prozent


Und was kostet Anleger der Spaß? Die effektiven Zinssätze liegen je nach Anbieter derzeit zwischen 1,25 Prozent bei Degiro und 5,51 Prozent bei der Consorsbank. Bei den meisten Anbietern bewegen sie sich jedoch zwischen 3,5 und 4,9 Prozent im Jahr.

Schön, wenn es auch solche Habenzinsen bei den Onlinebrokern gäbe. Doch da sieht es deutlich mauer aus. Meist gibt es auf dem zum Depot gehörenden Verrechnungskonto überhaupt keine Zinsen mehr. Und selbst die besten Zinsangebote bewegen sich in den meisten Fällen zwischen 0,0 und 0,03 Prozent. Ausreißer nach unten ist hier Flatex: Dieser Onlinebroker erhebt für Guthaben auf dem Verrechnungskonto einen Strafzins von 0,4 Prozent im Jahr. Zwar können Anleger über den Kooperationspartner Zinspilot Tagesgeldangebote anderer in- und ausländischer Banken nutzen. Jedoch ist das aus unserer Sicht für Kapital, das nur ein paar Tage bis zum Kauf eines Wertpapiers auf dem Konto liegt, nicht besonders praktikabel.

Bei den Habenzinsen für Bestandskunden ist auf den ersten Blick die Merkur Bank spitze: Mit 0,65 Prozent im Jahr bietet sie die höchsten Habenzinsen. Der Haken dabei: Für ihr "Tagesgeld Plus" verlangt sie jährlich eine Gebühr von 149 Euro. Heißt: Im Durchschnitt müssen mindestens 22 923,08 Euro auf diesem Konto liegen, sonst wird das Geldparken zum Verlustgeschäft. Wer hier jedoch andererseits das ganze Jahr über die maximal möglichen 100 000 Euro parkt, bekommt nach Abzug der Gebühren 501 Euro Zinsen, was einem Zinssatz von 0,50 Prozent entspräche. Das beste Angebot ganz ohne Gebühren und ohne jede Obergrenze kommt von der NIBC Direct mit 0,25 Prozent im Jahr. Mit 0,20 Prozent macht die DKB - Deutsche Kreditbank derzeit das drittbeste Zinsangebot. Doch hier ist der Zins wiederum auf Einlagen bis maximal 100 000 Euro begrenzt. Allerdings bieten die beiden letztgenannten Broker keine Wertpapierkredite an. Was für alle Anleger kein Pro­blem darstellen sollte, die sich an den alten Börsenspruch halten: "Spekuliere nie auf Kredit."

So funktioniert ein Wertpapierkredit


Ein Wertpapierkredit ist ein pfand­rechtlich besichertes Darlehen, bei dem der Darlehensnehmer Wert­papiere als Sicherheit stellt. Beim Wertpapier- oder Effekten­kredit verpfändet der Inhaber eines Wertpapierdepots seine Wert­papiere ganz oder teilweise an die Bank.

Im Gegenzug erhält er einen Kredit. Dessen Verwendung kann auf den Erwerb weiterer Wertpapiere beschränkt sein. Die Laufzeit ist meist kurz- bis mittelfristig. Die Rückzahlung erfolgt als Einmal­zahlung. Dabei hat der Schuldner die geliehene Summe - inklusive Gebühren und Zinsen - zu einem vorab fest­gelegten Stichtag komplett zurückzuzahlen. Kommt er ­dieser Rückzahlungsverpflichtung nicht nach, gehen die verpfändeten Wertpapiere in den Besitz des Kreditgebers, also der Bank, über. Es sei denn, die Kreditlaufzeit wird verlängert.

Der Wert des Pfands, also der Wertpapiere, hängt dabei von der Bör­sen­entwicklung ab. Steigen die Kurse, ist das für den Kreditnehmer ohne Risiko. Sinken die Kurse aber, muss der Kreditnehmer die Kredit­linie an den gesunkenen Kurs der Wertpapiere anpassen. Sprich, er muss das Darlehen entweder teilweise vorzeitig zurückzahlen oder weitere Wertpapiere verpfänden.

Wegen des Risikos sinkender Kurse ziehen die Kreditinstitute bereits bei der Vergabe von Effektenkre­diten einen Sicherheitspuffer ein: Ähnlich wie bei Immobilienfinanzierungen sind Wertpapiere nicht mit ihrem gesamten aktuellen Wert ­beleihbar. Die Kreditgeber beleihen sie nur bis zu einem maximalen ­Prozentsatz ihres aktuellen Werts. Diese Beleihungsgrenze ist abhängig von der Wertpapiergattung. Je riskanter sie ist, desto niedriger ist die Beleihungsgrenze.