KONJUNKTUR

Erste Einordnung: Ökonomen zum erneuten Rückgang des Ifo-Index

Erste Einordnung: Ökonomen zum erneuten Rückgang des Ifo-Index
25.01.2019 10:23:04

Die deutsche Wirtschaft startet mit Gegenwind ins neue Jahr. Das Barometer für das Geschäftsklima sank im Januar auf 99,1 Punkte von zuvor 101,0 Zählern, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Das ist bereits der fünfte Rückgang in Folge und der niedrigste Wert seit Februar 2016. Ökonomen hatten lediglich mit einem Absinken auf 100,6 Punkte gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es:



THOMAS GITZEL, VP BANK:


"Es ist vor allem die schleppende Auslandsnachfrage, die derzeit die wirtschaftliche Expansion bremst. In China läuft es nicht rund, was die exportstarke deutsche Wirtschaft besonders deutlich zu spüren bekommt. Die jahrelange Fokussierung der deutschen Industrie auf China rächt sich im Moment. Gut, dass wenigstens die Binnenwirtschaft für positive Impulse sorgt, ansonsten wäre das Bild ein trostloses. Der private Konsum und die Investitionen halten die Wachstumsraten über Wasser. Die deutsche Bundesregierung sollte sich dies zu Herzen nehmen. Wichtiger als Steuersenkungen sind der Bürokratieabbau und Investitionen in das schnelle Internet. Auch die Verkehrsinfrastruktur hätte eine Runderneuerung verdient. Gut ist, dass im ersten Quartal Nachholeffekte zu erwarten sind. Die Automobilproduktion kommt nach dem WLTP-Desaster auf Touren und auch die Lieferketten über die deutschen Flüsse nehmen nach dem trockenen Sommer wieder ihren gewohnten Gang auf. Möglicherweise sorgt der BIP-Zuwachs im ersten Quartal sogar für eine leicht positive Überraschung. Für die deutsche Wirtschaft ist die letzte Messe noch nicht gelesen. Dem Ifo-Geschäftsklimaindex könnten wieder bessere Zeiten entgegen stehen."


UWE BURKERT, LBBW-CHEFÖKONOM:


"Der starke Fall um fast zwei Punkte von 101,0 auf 99,1 ist eine erneute Enttäuschung. Dabei war die Einschätzung der Lage sogar noch erträglich. Aber die Erwartungen: unterirdisch. Die seit Monaten vorhandene Häufung der politischen Risiken (Brexit, Protektionismus etc.) sorgt offenbar bei den Unternehmen für ein Umdenken in Richtung Stagnation. Es wird Zeit, dass auch die Politik ihre Handlungsfähigkeit wieder unter Beweis stellt und sich der Risiken stärker annimmt, sonst werden wir die realwirtschaftlichen Folgen bald deutlicher spüren."


ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:


"Die Nachrichtenlage wird immer frostiger: Der Brexit wirkt immer bedrohlicher, in Frankreich laufen die Gelbwesten Sturm, in China schwächt sich die Konjunktur ab, in den USA herrscht seit einem Monat Stillstand in der Verwaltung und in Deutschland wartet man immer noch vergeblich auf einen Rückprall in der Automobilindustrie. Kein Wunder, dass die Zuversicht schwindet, kein Wunder, dass Konjunkturprognosen nach unten revidiert werden. Doch es gibt auch wärmende Feuer in den arktischen Temperaturen: Unverändert positiv sind die Vorzeichen für den Konsum in diesem Jahr: Beschäftigungsaufbau, kräftige Lohnsteigerungen, Entlastungen bei Steuern und Abgaben und geringere Preissteigerungsraten. Das wärmt das Herz der Konsumenten. In den Unternehmensumfragen kommt dies aber nicht oder zu wenig zum Tragen."

rtr

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Bildquelle: Fabian Bimmer/Reuters
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