KONJUNKTUR

Produktion schrumpft wie lange nicht - auch wegen Grippewelle

Produktion schrumpft wie lange nicht - auch wegen Grippewelle

WKN: A1139A ISIN: BMG582491061 Markit Ltd

06.04.2018 10:00:14

Die deutsche Wirtschaft hat schon vor der Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China an Schwung verloren. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Februar so kräftig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, wofür Ökonomen aber eher die Grippewelle als den Zollkonflikt zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften verantwortlich machen. Industrie, Bau und Versorger stellten zusammen 1,6 Prozent weniger her als im Januar, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mit.



Das größte Minus seit August 2015 kommt überraschend: Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Wachstum von 0,3 Prozent vorhergesagt, nachdem es zum Jahresauftakt ein Mini-Plus von 0,1 Prozent gegeben hatte.



"Die Industrieproduktion hat an Schwung verloren", erklärte das Wirtschaftsministerium. "Die gute Auftragslage und die positive Stimmung bei den Unternehmen sprechen aber dafür, dass die Industriekonjunktur weiter aufwärtsgerichtet bleibt." Die Wachstumsdynamik dürfte jedoch schwächer als im zurückliegenden Jahr ausfallen.


HANDELSKONFLIKT ALS RISIKO



Die Delle im Februar führen Experten zum Teil auf krankheitsbedingte Fehlzeiten zurück. "Das könnte etwas mit der Grippewelle zu tun haben, die zu Arbeitsausfällen führte", sagte der Deutschland-Chefvolkswirt von UniCredit, Andreas Rees. Einer Statistik der Betriebskrankenkassen (BKK) zufolge ließ die Grippewelle die Fehlzeiten in den Betrieben auf ein Zehn-Jahres-Hoch steigen: Der Krankenstand - also der Anteil der Krankgemeldeten an allen Beschäftigten - im Februar bei 6,2 Prozent. Auch das Institut IHS Markit, das monatlich Hunderte deutsche Industriebetriebe befragt, sprach von "hohen krankheitsbedingten Arbeitsausfällen" im Winter.

Der derzeit eskalierende Handelskonflikt dürfte sich hingegen noch nicht in den Daten widerspiegeln. "Das Risiko ist aber relativ groß, dass das auf die Stimmung der Unternehmen durchschlägt", sagte Rees. "Eine ruckartige Verschlechterung der Fundamentaldaten wie Produktion und Aufträge ist dagegen nicht zu erwarten." Der Konflikt zwischen den beiden wichtigen Handelspartnern birgt enorme Risiken. "Werden durch die Zölle weltweite Wertschöpfungsketten gekappt oder behindert, könnte sich das mittelfristig auch auf die Absatzmöglichkeiten deutscher Unternehmen auswirken", warnte Sophia Krietenbrink vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Die Industrieproduktion nahm im Februar um 2,0 Prozent ab. Die Baubranche meldete ein Minus von 2,2 Prozent. Die Energieerzeuger kamen auf ein Plus von 4,0 Prozent. "Damit zeichnet sich für das erste Quartal allenfalls ein leichtes Plus bei der Produktion ab, nach mehreren Quartalen mit sehr deutlichen Zuwächsen", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. "Folglich dürfte auch die Gesamtwirtschaft weniger zugelegt haben als im Verlauf von 2017." Das Bruttoinlandsprodukt dürfte allenfalls um 0,5 Prozent zulegen, nach Zuwachsraten zwischen 0,6 und 0,9 Prozent im vergangenen Jahr.

rtr


Bildquelle: Günter Schmied/BMW Group

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