KOLUMNE

Prof. Dr. Max Otte: Das Ende meines Facebook-Experiments

Prof. Dr. Max Otte: Das Ende meines Facebook-Experiments

WKN: A1JWVX ISIN: US30303M1027 Facebook Inc.

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16.01.2019 - 08:55
03.03.2017 07:15:00

Sehr geehrte Privatanleger, vor knapp zehn Monaten, Anfang Mai 2016, begann ich mein Facebook- Experiment. Zwar bin ich ein großer Kritiker der Macht dieser Datenkraken, aber solange die europäische Politik sich nicht gegen die nahezu unkontrollierten Machtanballungen der großen IT-Konzerne wehrt, muss man diese Unternehmen verstehen. Im Mai 2016 schrieb ich bereits darüber.



Als ich das Experiment startete, waren sich alle noch absolut sicher, dass Donald Trump niemals Präsident werden könnte. Meine diesbezüglich differenzierte Meinung hatte ich in meinem Börsenbrief Der Privatinvestor dargelegt. Und dann wurde Trump doch rechtmäßig und demokratisch gewählt - anders als George Bush der Jüngere, der nur durch Wahlbetrug in Florida ins Amt kommen konnte (wo sein Bruder Jeb das Governeursamt innehatte). Nun war Jeb selbst republikanischer Präsidentschaftskandidat. Egal, wie man zu Trump steht: wenn es Jeb oder Hillary geworden wären, dann wären vier der fünf letzten Präsidenten aus zwei super-einflussreichen Familien gekommen. So sieht Demokratie nicht aus. Schon einer der Gründerväter, John Adams, hatte große Angst vor einer amerikanischen Oligarchie. Mittlerweile ist die Gefahr real. Mit Trump ist dieses Problem zumindest eine Generation nach hinten verschoben worden.



Zurück zu Facebook. Am Anfang habe ich nicht viel gepostet. Es kamen aber viele Freundschaftsanfragen, so dass es meine Hauptarbeit war, einmal pro Woche diese Anfragen zu sichten und die passenden freizugeben. Es waren auch viele "Freundschaftsanfragen" von Damen mit sehr eindeutigen Absichten dabei. Zum Glück gibt es eine Funktion, mit der ich diese Anfragen als Spam sperren konnte.


Facebook ist ein diabolisch gutes Geschäftsmodell. Es setzt sich in unserem mentalen System fest. Es schlägt mir sogar Photoalben vor, die auf der Historie beruhen, die ich dort gespeichert habe. Viele nutzen den Messenger, um direkt über Facebook zu kommunizieren. Wir werden es (fast) nicht mehr los.

Wettbewerb kann für Facebook nur dadurch entstehen, dass die jüngere Generation keine Facebook-, sondern stattdessen Snapchat- und Instagram-Sklaven werden. Instagram gehört übrigens auch schon längst zu Facebook. Das Netzwerk wurde 2012 für die Rekordsumme von 1 Mrd. USD übernommen, als das Unternehmen nur gerade einmal zwölf Mitarbeiter zählte und noch kein Geschäftsmodell hatte. Die Snapchat-Gründer hingegen weigerten sich, von Facebook aufgekauft zu werden und wollen nun selbst bald an die Börse. Es ist eines der wenigen Male, wo ich mir ernsthaft überlege, bei einem Börsengang dabei zu sein.

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Bildquelle: Finanzen Verlag

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