LEGENDÄRE INVESTOREN

So skrupellos bereicherte sich Bernie Ecclestone an der Formel 1

So skrupellos bereicherte sich Bernie Ecclestone an der Formel 1

WKN: A2N7F9 ISIN: JP3264860002 GIFT INC. Registered Shs

26.03.2019 03:50:00

Er lebt den Traum vieler Männer: schnelle Autos, Milliardendeals und schöne Frauen. Bernie Ecclestone, der größte und skrupelloseste Zocker des Automobil-Rennsports. Von Peter Balsiger



Bernie Ecclestone hatte einen Nischensport für reiche Enthusiasten in ein Businessimperium verwandelt, das am Schluss rund 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr einnahm. "Niemand vermengte den Sport mit dem Business so wie er", schrieb die "Zeit", die ihm den wenig schmeichelhaften Titel "Oberkapitalist" verlieh. "Stets ging er mit der Maximalforderung in Verhandlungen und kam mit dem Doppelten raus." Was war das Geheimnis seines Erfolgs? Er verstand es, all jene Menschen, von denen er etwas wollte, mit Luxus und Geld zu ködern und ihnen das Gefühl zu geben, zu seiner Glamourwelt zu gehören. Viele erlagen diesem süßen Gift, wenn sie bei Rennen plötzlich in der VIP-Lounge saßen, die Fahrer trafen oder von Ecclestone auf seine Jacht eingeladen wurden.



Es gibt viel Widersprüchliches in seinem Leben. Er ist Milliardär, gönnt sich aber sehr wenig. Zwar besitzt er einen Businessjet, eine 59 Meter lange Motorjacht, ein Hotel sowie zwei Häuser im Schweizer Nobelskiort Gstaad. Aber seine Haare schneidet er sich nicht selten selbst, das gehe schneller und koste nichts. Er ist ein Workaholic, für den Urlaub ein Fremwort ist. Als die Queen ihn zum Ritter schlagen wollte, lehnte er ab. Er habe für das Land nichts geleistet, sagte er. Er sei ein Mensch mit vielen Gesichtern, schrieb die "Welt" und zitiert einen Freund: "Man kann Bernie seit vielen Jahren kennen, ohne zu wissen, was wirklich in ihm vorgeht. Er zeigt keine Gefühle, man spürt sie nicht bei ihm." Er sei ein Kauz, der in seiner eigenen Welt lebe. Wer seinen autokratischen Führungsstil kritisierte, dem entgegnete der überzeugte Nichtwähler Ecclestone auch schon mal: "Demokratie ist Zeitverschwendung."


Bernard Charles Ecclestone, den alle Bernie nannten, wurde 1930 in Ipswich, einer kleinen Hafenstadt an der englischen Ostküste, geboren. Sein Vater war Kapitän eines Fischkutters, die Mutter Hausfrau. Das Leben im Elternhaus war eng und bescheiden. Aber bereits als Neunjähriger zeigte er Geschäftssinn: Um Zeitungen auszutragen, stand er um fünf Uhr morgens auf und kaufte oft bereits am frühen Morgen alle Backwaren in der Nähe der Schule auf, um sie quasi als Monopolist mit Profit an seine Mitschüler weiterzuverkaufen. Er selbst aß nichts von dem Gebäck, denn das hätte ja seinen Gewinn geschmälert. Mit 16 ging er von der Schule ab und jobbte bei den örtlichen Stadtwerken. Aber schon früh begeisterte er sich für den Motorsport: Er restaurierte Fahrzeuge, arbeitete für eine Vertriebsvertretung von Motorrädern und verdiente dabei so viel Geld, dass er sich 1957 den kleinen britischen Rennstall Connaught kaufen konnte. Damals träumte er noch davon, selbst Formel-1-Fahrer zu werden. "Das liegt mir im Blut", sagte er. Er wollte mit einem Connaught bei den Rennen von Monte Carlo und Silverstone an den Start gehen - allerdings reichten seine Rundenzeiten nicht aus, um sich zu qualifizieren. So wurde er schließlich Manager, weil er dort bessere Chancen witterte.

Auf Seite 2: Manager und Rennstallbesitzer



Seite: 1 | 2

Bildquelle: Maxim Shemetov/Reuters
pagehit