ROBERT HALVER

Trotz Macron muss man Wasser in den süßen französischen Wein gießen

Trotz Macron muss man Wasser in den süßen französischen Wein gießen

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15.11.2019 - 09:15
28.04.2017 07:50:00

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Hängt Macrons Reformfahne nur auf Halbmast?



Ohnedies sind Zweifel an Macron als Fahnenträger der französischen Reformbewegung angebracht. Klare Arbeitsmarktreformen will er nicht angehen, weil er weiß, dass dann die politische Stimmung in Frankreich kippt. So soll an der sozialromantischen 35-Stundenwoche nicht gerüttelt werden. So wird aus dem französischen Reformzug nie ein Schnellzug à la TGV.

Ebenso wird es im Verhältnis Frankreichs zu Deutschland sicherlich nicht nur eitel Sonnenschein geben. Ja, Macron will die Europäische Integration vertiefen. Aber es geht um die geschmackliche Ausrichtung. Macron ist ein Anhänger der Vergemeinschaftung von Schulden der Euro-Länder. Er findet Eurobonds so lecker wie französische Karamell-Bonbons. Kein Wunder, denn dann bekommen bonitätsschwächere Euro-Länder wie Frankreich bessere Zinskonditionen, für die der linksrheinische Nachbar im Sinne höherer eigener Schuldzinsen den Kopf hinhalten darf. Das stärkt nicht unbedingt den Anreiz für eigene Reform- und Stabilitätsbemühungen. Mit einem Präsidenten Macron kommt es zu einem harten deutsch-französischen Richtungsstreit zwischen Europäischer Stabilitäts- und Romanischer Schuldenunion.

Auch stimmt Macron gerne in den Chor der Kritiker des deutschen Handelsüberschusses ein. Zunächst einmal habe ich die Erfahrung gemacht, dass niemand - auch nicht in Frankreich - gezwungen wird, ein deutsches Auto oder eine deutsche Maschine zu kaufen. Die Käufer tun das freiwillig, weil sie von der Qualität überzeugt sind. Warum macht Frankreich es nicht genauso? Denn nicht derjenige Schüler, der seine Hausaufgaben erfolgreich macht, hat ein Problem, sondern diejenigen, die den Müßiggang pflegen. Man kann sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass die "4" die "1" des kleinen Mannes ist. Kurzfristig mögen tendenziöse Spenden an den Förderverein seitens der EZB Leistungslücken künstlich und kreativ füllen. Doch spätestens wenn man mit Pudding-Abitur auf eine brutal wettbewerbsstarke Weltwirtschaft trifft, fällt auch Frankreich in ein tiefes Wirtschaftsloch. Monsieur Macron, Klassenkeile gegen den Streber ist kein Ersatz für das Leistungsprinzip. Jeder ist auch seines eigenen Wirtschafts-Glückes Schmied.

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Bildquelle: Finanzen Verlag