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LEGENDÄRE INVESTOREN

Philip Carret - Der Eine-Million-Prozent-Mann

Philip Carret - Der Eine-Million-Prozent-Mann
18.09.2014 20:00:00

Philip Carret wurde 1896 geboren - in jenem Jahr, in dem der Dow-Jones-Index eingeführt wurde. Als 32-Jähriger gründete er den Pioneer Fund und managte ihn 55 Jahre lang. Er hat an der Börse mehr Haussen und Baissen erlebt als jeder andere Finanzprofi. Und kaum einer war so erfolgreich wie er. Warren Buffett sagte über seinen Mentor Carret: "Er ist mein Held. Er hat die wirklich beste langfristige Investment-Performance von allen, die ich kenne."

Diese Geschichte erzählte Philip Carret besonders gern, um seine Investmentphilosophie zu verdeutlichen: Auf dem Waschbecken in einem Hotelzimmer fand er einmal eine Seife der Marke Neutrogena. Er mochte die Seife auf Anhieb und begann Anteile der Herstellerfirma für einen Dollar pro Aktie zu kaufen. Später, als der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson die Firma übernahm, verkaufte Carret seine Aktien zum Preis von 35 Dollar.

Der gesunde Menschenverstand war für ihn das wichtigste Kriterium bei der Aktienauswahl. Und Carret, ein Value-Investor wie Staranleger Warren Buffett, blieb auch in schwierigen Zeiten bei seiner "Basic Value"-Strategie: Er legte den Schwerpunkt auf Firmen, die Dienste oder Produkte anboten, die die Menschen jeden Tag brauchen. So wie zum Beispiel eine Neutrogena- Seife. Seine Überzeugung: "Diejenigen, die kurzfristig interessante Titel kaufen und dann sofort wieder herausgehen, wenn sich der Wind dreht, die sterben nur selten reich. Im Gegensatz zu vielen geduldigen Investoren."

Nicht von schlechten Großeltern

Carret wuchs in der Stadt Lynn im USBundesstaat Massachusetts als einziges Kind eines Rechtsanwalts und einer Sozialarbeiterin auf. Obwohl sein Vater, der an der Eliteuniversität Harvard studiert hatte, über ein gutes Einkommen verfügte, ging er mit Geld eher sorglos um. Als Philip 16 Jahre alt war, erkannte er: "Wenn ich einmal reich werden sollte, dann nur dank meiner eigenen Anstrengungen."

Vorbild war sein Großvater Joseph, der in New York zu Geld gekommen war und es in eine Zuckerrohrplantage auf Kuba investiert hatte. In guten Jahren warf sie einen Ertrag von 25 000 Dollar ab, für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe. Die Profite erlaubten es Joseph, sein Frührentnerdasein auf der Karibikinsel zu genießen.

Philip glaubte, dass der schnellste Weg zum Reichtum über die Wissenschaft führe. Er bestand das Aufnahmeexamen in Harvard und entschied sich für ein Chemiestudium, das er 1917 mit dem Bachelordiplom abschloss. Es war die Zeit, als in Europa der Erste Weltkrieg tobte. Carret wurde als Jagdflieger ausgebildet. Er flog eine britische Sopwith Camel, einen einmotorigen Doppeldecker, der als eines der erfolgreichsten Jagdflugzeuge des Ersten Weltkriegs gilt. Carrets Einheit wurde nach Frankreich verlegt, er kam aber nicht mehr zum Einsatz, weil Deutschland inzwischen kapituliert hatte. Carret war ein ausgesprochen patriotischer Amerikaner. Während des Zweiten Weltkriegs meldete er sich freiwillig bei der US Air Force. Wegen einer Handverletzung musste er seine Pilotenkarriere allerdings aufgeben.

Journalist auf Abwegen

Nach Kriegsende nahm Carret eine Stelle als Reporter beim amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Barron’s" an. Hier lernte er die Mechanismen der Börse kennen und entwickelte schnell ein Gespür für gute Investments. Das wollte er jetzt auch privat nutzen: Er gründete mit 25 000 Dollar, die er von Freunden und Verwandten erhalten hatte, einen Investmentpool, aus dem 1928 der Pioneer Fund hervorging - der drittälteste Investmentfonds der USA.

Es waren schwierige Zeiten. Der Fonds verlor Geld nach dem Börsencrash von 1929 und der nachfolgenden großen Depression. Aber ab Mitte der 30er-Jahre erzielte Carret bis zu seinem Ausscheiden aus dem operativen Management regelmäßig überdurchschnittliche Erträge. Sein Fonds erreichte den höchsten kumulierten Wert in der gesamten Fondsbranche, nämlich eine Million Prozent, basierend auf den Daten von Lipper und Morningstar. Heute verwaltet Pioneer Investments ein Vermögen von 154 Milliarden Dollar. Das Unternehmen ist in 26 Ländern tätig und beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter.

Für Warren Buffett war Carret ein Held, ein Vorbild. Er verglich ihn gern mit Lou Gehrig, dem legendären Superstar des amerikanischen Baseballs: "Phil ist der Lou Gehrig des Investmentbusiness. Er hat die wirklich beste langfristige Investmentperformance von allen, die ich kenne".

Was war das Geheimnis seines Erfolgs? Sein Anlagestil ist geprägt vom Value Investing. Solche Investoren versuchen, Aktien von soliden Unternehmen zu finden, und sie versprechen langfristig ausgerichteten Anlegern eine stabile Rendite. Von riskanten Wachstumswerten lassen sie die Finger. Sie meiden das Risiko und akzeptieren, dass in Boomphasen die Rendite zeitweise hinter der Marktentwicklung zurückbleibt. Carret warnte auch immer davor, kurzlebigen Trends nachzulaufen. Geduld sei die wichtigste Eigenschaft eines erfolgreichen Investors.

1963 zog sich Carret aus dem Management des Pioneer Fund zurück. Voller Stolz blickte er zurück: "Wer mir damals 10 000 Dollar anvertraut hat, ist heute 35-facher Millionär." Ein Dasein als Rentner kam für ihn trotzdem nicht infrage. Er gründete die Firma Carret & Co., die sich um das Vermögen wohlhabender Amerikaner kümmerte. 25 Jahre später verkaufte er seine Anteile, arbeitete aber selbst als Hundertjähriger noch drei Tage pro Woche unentgeltlich für die Firma.

An seinem 100. Geburtstag, ein Jahr vor seinem Tod, trat er in Amerikas populärer "Today"-Show auf. Auf die Frage nach dem Geheimnis seines hohen Alters antwortete er: "Erstens esse ich mein Fleisch fast roh, zweitens trinke ich meinen Bourbon Whiskey unverdünnt - und drittens: Wenn ich den Wunsch nach Bewegung verspüre, dann lege ich mich sofort hin."

Neben der Börse hatte Carret noch eine andere Leidenschaft: das Beobachten von Sonnenfinsternissen. Zum ersten Mal hatte er dieses Phänomen 1925 verfolgt. Es war, wie er sagte, "eine zutiefst religiöse Erfahrung". Carret liebte es zu reisen, flog anfangs der 90er-Jahre sogar in die Antarktis. "Auf den Eisschollen hat er sich dann lange mit den Pinguinen unterhalten", verriet später sein Sohn Donald.

PEB

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