MARKTBERICHT

Anleger nehmen nach Aktienrally Gewinne mit

Anleger nehmen nach Aktienrally Gewinne mit
04.01.2017 13:50:17

In Erwartung neuer Hinweise auf das Tempo der US-Zinserhöhungen haben einige Aktien-Investoren am Mittwoch Kasse gemacht. Der Dax verlor 0,3 Prozent auf 11.551 Punkte. Der EuroStoxx50 lag knapp im Minus bei 3314 Zählern. In den vergangenen Wochen hatten beide etwa zehn Prozent zugelegt. "Es sieht so aus, als hätten viele Anleger doch etwas Angst vor der eigenen Courage bekommen", sagte ein Händler.



Außerdem sei der US-Standardwerteindex Dow Jones am Dienstag erneut an der psychologisch wichtigen 20.000er Marke gescheitert, betonte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Daher nutze die anhaltende Schwäche des Euro, die Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger macht, dem deutschen Leitindex kaum. "Der Dax ist halt auf den Motor Wall Street angewiesen." Die Gemeinschaftswährung kostete 1,0431 Dollar und lag damit nur etwa einen US-Cent über ihrem 14-Jahres-Tief vom Vortag.



EUROPÄISCHE INFLATIONSRATE AUF DREI-JAHRES-HOCH



Ein Grund für die Erholung des Euro waren die europäischen Inflationsdaten. Wegen gestiegener Ölpreise stieg die Teuerung überraschend stark auf 1,1 Prozent, den höchsten Stand seit drei Jahren. "Diese Zahlen könnten den Anfang vom Ende der EZB-Wertpapierkäufe und der lockeren Geldpolitik markieren, da sich die Inflationsrate dem Notenbank-Ziel von zwei Prozent annähert", sagte Paul Siran, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses Xtrade. Dank der angekündigten Drosselung der Ölförderung verteuerte sich die Sorte Brent aus der Nordsee um 0,8 Prozent auf 55,90 Dollar je Barrel (159 Liter) und blieb damit in Reichweite ihres Eineinhalb-Jahres-Hochs vom Dienstag.


Rechne man Energie- und Nahrungsmittel-Kosten heraus, bleibe die Teuerung in Europa lethargisch, betonte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Der Geldhahn bleibt deshalb vorerst weit geöffnet." Derzeit pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) 80 Milliarden Euro monatlich in die Finanzmärkte, um die Konjunktur anzukurbeln.

FED-PROTOKOLLE ERWARTET - GOLD GEFRAGT



Die USA sind schon auf dem Weg zu einer Normalisierung der Geldpolitik: Im Dezember hatte die Notenbank Fed den Leitzins angehoben und für 2017 drei weitere Schritte signalisiert. Anleger seien dennoch nicht bereit, den Dollar noch weiter in die Höhe zu treiben, betonte Rabobank-Devisenstrategin Jane Foley. "Sie brauchen wohl weitere Anreize hierfür." Diese könnten von den Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung ausgehen, die am Abend nach Börsenschluss in Europa veröffentlicht werden sollten. Investoren interessierten sich vor allem für mögliche Reaktion der Notenbank auf die geplanten Konjunkturprogramme des künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

Die Spekulationen auf eine anziehende Inflation dies- und jenseits des Atlantiks machte Gold für Anleger attraktiv. Das Edelmetall war mit 1167,56 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie zuletzt vor gut einem Monat. Es profitierte Börsianern zufolge auch von einer hohen Nachfrage aus Asien. In China wird zum dortigen Neujahrsfest traditionell Schmuck verschenkt. In Indien treibt eine Bargeld-Knappheit den Bedarf, nachdem die Regierung in Neu Delhi im Kampf gegen Schwarzgeld die wichtigen 500- und 1000-Rupien-Scheine aus dem Verkehr gezogen hatte.

SCHWACHES WEIHNACHTSGESCHÄFT BELASTET MODEHÄNDLER NEXT



Bei den Aktienwerten sorgte Next mit einem Kurssturz von zeitweise mehr als 14 Prozent für Aufsehen. Der britische Modehändler strich nach einem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft sein Gewinnziel für 2016 zusammen und warnte vor rückläufigen Überschüssen im laufenden und kommenden Jahr. "Next braucht ein Sanierungskonzept", sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. Ansonsten drohe der Firma das gleiche Schicksal wie dem Konkurrenten Marks & Spencer - eine schrumpfende Kundenbasis. Marks & Spencer büßten 4,2 Prozent ein. Hennes & Mauritz (H&M), die "Zara"-Mutter Inditex und die "Primark"-Mutter ABFood gaben bis zu 3,6 Prozent nach.

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