DAX-SCHLUSSBERICHT

Anleger zum Handelsende vor G20 entspannt

 Anleger zum Handelsende vor G20 entspannt
27.06.2019 18:19:41

FRANKFURT (dpa-AFX) - Neue Entwicklungen bei Bayer und eine mögliche Pause im US-chinesischen Zollstreit haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag milde gestimmt. Nach einer bisher verhaltenen Börsenwoche stiegen die Gewinne im Dax (DAX 30) zum Handelsende um 0,21 Prozent auf 12 271,03 Punkte - zwischenzeitlich hatte sich der Leitindex sogar deutlich über 12 300 Punkten bewegt. Der MDAX, in dem die Aktien mittelgroßer Unternehmen vertreten sind, stieg um 0,18 Prozent auf 25 341,18 Punkte.

In Europa war von der G20-Hoffnung nicht so viel zu spüren: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) blieb mit minus 0,02 Prozent eher unbewegt. In Paris ging es für den Leitindex CAC 40 um 0,13 Prozent auf 5493,61 Punkte nach unten. In London gab der FTSE 100 um 0,19 Prozent nach.

Experten sehen in den geplanten Gesprächen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Amtskollegen Xi Jinping auf dem kommenden G20-Gipfel einen möglichen Befreiungsschlag für die Börsen - sollten sie denn positiv ausgehen. Einem Pressebericht zufolge hatte Trump zuletzt zugesagt, die angedrohte Ausweitung der Strafzölle auf alle Importe aus China erst einmal zu verschieben. Das sei Bedingung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping für das geplante Treffen am Samstag in Osaka in Japan gewesen. Details sollten noch vor den Gesprächen bekannt gemacht werden.

"Der Rückstau an Investitionen in den Unternehmen, der aufgrund der latenten Unsicherheit entstanden ist, könnte sich auf einmal auflösen", schrieb etwa Marktexperte Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. "Ist die Unterschrift unter einem Handelsabkommen zwischen den USA und China erst einmal trocken, könnte sich der Deutsche Aktienindex in den kommenden Monaten über ein neues Allzeithoch gar in Richtung 14 000 Punkte aufmachen."

Doch auch wenn die Gespräche scheitern, dürften die Märkte nach Ansicht einiger Experten nicht notwendigerweise sofort in sich zusammenbrechen. Zwar könnte es sicherlich zu kurzfristiger Schwäche kommen, wie Craig Erlam vom Broker Oanda schrieb. Doch mit den Zentralbanken im Rücken, die bereit seien, die Zinsen zu senken, gäbe es durchaus gute Unterstützung.

Auf dem Gipfel soll auch die drohende Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran zur Sprache kommen. Im Streit um Atomwaffen und Raketen hatte Trump den iranischen Öl- und Bankensektor mit neuen Sanktionen belegt. Die iranische Führung hatte Verhandlungen und jegliche Kompromisse entschieden abgelehnt, aber gleichzeitig zuletzt auf eine Verletzung des Atomabkommens - zumindest vorläufig - verzichtet. An den Börsen haben die Spannungen zwischen den beiden Ländern seit einiger Zeit für Unsicherheit gesorgt.

Auf Unternehmensseite schnellten Bayer-Aktien um fast neun Prozent nach oben und waren damit unangefochtener Favorit im Dax. Der für seine aggressive Einmischung ins Management bekannte Hedgefonds-Investor Elliott, der zum Imperium des Milliardärs Paul Singer gehört, hatte zuvor seinen Einstieg beim Pharma- und Agrarchemiekonzern öffentlich gemacht und beflügelte damit die Kursfantasien der Börsianer. "Das Unternehmen bewegt sich", lobte ein Händler zudem das vom Aufsichtsrat beschlossene Maßnahmenpaket zum Umgang mit der Causa Glyphosat.

Chipwerte wie Infineon und Siltronic bauten ihre Gewinne aus. Am Vortag hatte die Branche von positiven Nachrichten des US-Halbleiterherstellers Micron profitiert. Dazu trieb auch hier die Hoffnung auf eine Einigung im Zollstreit. Die kurzzeitige Rally des Lichtkonzerns OSRAM auf ein knappes Zweimonatshoch ist dagegen schon wieder beendet. Zuletzt bewegten sich die Papiere so gut wie nicht vom Fleck.

Um mehr als sechs Prozent kletterten die Aktien des Autozulieferers Norma (NORMA Group SE) nach oben. Hier erfreute ein Auftrag eines Batterieherstellers die Anleger und beförderte die Papiere auf den ersten Platz im MDax. In der Bekleidungsbranche profitierten zudem Zalando- und Hugo-Boss-Aktien (HUGO BOSS) gleichermaßen von einem positiven Ausblick des schwedischen Konkurrenten Hennes & Mauritz (H&M) (HennesMauritz AB (HM, H&M)).

Dagegen standen TLG IMMOBILIEN nach einer Kapitalerhöhung unter Druck. Sie rutschten mit fast sieben Prozent Verlust an das SDAX-Ende.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,35 Prozent auf minus 0,33 Prozent. Der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) sank um 0,12 Prozent auf 144,58 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,18 Prozent auf 172,63 Punkte.

Der Euro bewegte sich kaum und kostete zuletzt 1,1368 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1370 Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8795 (0,8801) Euro gekostet./kro/mis/he

--- Von Karolin Rothbart, dpa-AFX ---

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