DAX-SCHLUSSBERICHT

Brexit-Gesetz toppt maue US-Daten - Dax steigt

 Brexit-Gesetz toppt maue US-Daten - Dax steigt
06.09.2019 18:06:41

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag seinen ruhigen Aufwärtstrend fortgesetzt. Zwar gab der Leitindex Dax (DAX 30) noch am Nachmittag nach eher bescheidenen US-Wirtschaftsdaten einen Teil seiner Gewinne ab. Getrieben von der Aussicht auf einen geregelten Brexit rückte er zum Handelsende aber dennoch um 0,54 Prozent auf 12 191,73 Punkte vor. Auf Wochensicht hat sich das Börsenbarometer damit weiter im Plus gehalten und gut zwei Prozent dazugewonnen. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen legte fast im gleichen Tempo um 0,55 Prozent auf 26 010,47 Punkte zu.

In Europa verabschiedete sich der EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) mit einem Plus von 0,30 Prozent ins Wochenende. Genau so hoch war denn auch das Plus im US-Leitindex Dow Jones (Dow Jones 30 Industrial) zum europäischen Börsenschluss. In Frankreich stieg der CAC 40 um 0,19 Prozent. Der Londoner FTSE 100 kletterte zum Handelsende ebenfalls leicht um 0,15 Prozent nach oben.

Trotz anfänglich heftigen Widerstands der Regierung hat ein Gesetz gegen einen ungeregelten EU-Austritt Großbritanniens die letzte parlamentarische Hürde genommen. Das britische Oberhaus verabschiedete es am Freitag. Nun fehlt nur noch die Unterschrift von Königin Elizabeth II., damit es in Kraft treten kann.

Zudem lehnen die Oppositionsparteien eine von Premierminister Boris Johnson angestrebte Neuwahl Mitte Oktober ab. Darauf einigten sich Labourchef Jeremy Corbyn und weitere führende Politiker in Gesprächen in London. Johnsons Regierung hatte angekündigt, am kommenden Montag einen neuen Anlauf zu nehmen, um eine Neuwahl durchzusetzen. Der Premierminister will am 15. Oktober wählen lassen, um dann zwei Tage später beim EU-Gipfel mit einem Mandat für seinen Brexit-Kurs zu erscheinen.

Die US-Wirtschaft hatte im August weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft entstanden 130 000 Stellen. Analysten hatten im Mittel mit 160 000 neuen Jobs gerechnet. Die Experten der Landesbank Helaba bezeichneten die Arbeitsmarktlage in den USA dennoch als solide. Die Arbeitslosigkeit liege unverändert auf einem sehr niedrigen Niveau.

Damit herrscht an den Börsen weiterhin gute Laune. "Dass der Dax seine Gewinne kurz vor dem Wochenende verteidigen kann, ist ein Zeichen dafür, dass der Optimismus bei den Anlegern in den vergangenen Tagen einen starken Schub erhalten hat", schrieb Marktexperte Jochen Stanzl von der Handelsplattform CMC Markets. Man dürfe bei allem Stimmungshoch und den Kursgewinnen in dieser Woche aber nicht vergessen, dass das nächste Stimmungstief immer noch nur einen Tweet aus Washington entfernt sei.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China stand am Freitag ausnahmsweise einmal nicht ganz so stark im Fokus. Die beiden Länder hatten am Vortag neue direkte Gespräche für Anfang Oktober vereinbart, die laut dem Handelsministerium in Peking ab Mitte September auf Arbeitsebene vorbereitet werden sollen.

An der Dax-Spitze bauten die Aktien von thyssenkrupp ihre deutlichen Kursgewinne vom Vortag aus und zogen um 4,67 Prozent an. Die Papiere profitierten davon, dass der finnische Konzern Kone sein Interesse am Kauf der Aufzugssparte des Industriekonzerns angekündigt hat. Thyssenkrupp braucht Geld für den nach der abgesagten Stahlfusion mit Tata Steel geplanten Konzernumbau.

Einen kurzen Nachmittags-Schreck erlitten daneben Anleger vom BMW und Volkswagen (Volkswagen (VW) vz). Das US-Justizministerium nimmt einem Zeitungsbericht zufolge die beiden Autobauer sowie Honda (Honda Motor) und Ford (Ford Motor) wegen eines Abgas-Deals mit dem Bundesstaat Kalifornien ins Visier. Bei der Prüfung gehe es darum, ob die Hersteller bei der Vereinbarung gegen kartellrechtliche Bundesgesetze verstoßen haben, schrieb das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Die Aktien der beiden deutschen Konzerne sackten kurzzeitig jeweils um rund ein Prozent ab. Zum Börsenschluss gaben die VW-Papiere um 0,29 Prozent nach. Jene von BMW konnten ihre Verluste ganz wettmachen und schlossen auf dem Vortagsniveau.

Zudem griffen die Anleger bei Aktien von Sportartikelherstellern zu. So stiegen adidas und Puma (PUMA SE) jeweils um knapp eineinhalb Prozent. Analyst Andreas Riemann von der Commerzbank bekräftigte seine Kaufempfehlungen für beide Werte. Puma sei die am schnellsten wachsende Marke, dafür mache ein dynamisches viertes Quartal und die niedrigere Bewertung Adidas aber kurzfristig attraktiver.

Im MDax hatten die Anteilsscheine von 1&1 Drillisch mit einem Plus von 11,21 Prozent sehr deutlich die Nase vorn. Mit einem zusätzlichen Ausbau des Mobilfunknetzes sollen ärgerliche Funklöcher für Handynutzer in Deutschland vor allem auf dem Land verringert werden. Der Bund schloss dazu Verträge mit 1&1 Drillisch und den weiteren Branchenunternehmen Deutsche Telekom, Vodafone (Vodafone Group) und Telefónica Deutschland (Telefonica Deutschland).

Im Zuge dessen ermöglicht der Bund den Netzbetreibern jetzt laut Ministerium, ihre Zahlungspflichten aus der 5G-Frequenzauktion 2019 mit jährlichen Raten über einen Zeitraum bis 2030 zu strecken. Die Aktien der 1&1-Drillisch-Mutter United Internet zogen zugleich mit plus 7,44 Prozent an den zweiten Platz.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,64 Prozent am Vortag auf minus 0,60 Prozent. Der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) fiel um 0,21 Prozent auf 146,53 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,41 Prozent auf 175,28 Punkte zu. Der Euro kostete zuletzt 1,1042 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1027 (Donnerstag: 1,1058) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9069 (0,9043) Euro./la/kro/zb

--- Von Lutz Alexander und Karolin Rothbart dpa-AFX ---

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