DAX-Ausblick: Anleger zwischen Konjunkturhoffnung und Inflationsangst - 28.02.21 - BÖRSE ONLINE
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DAX-Ausblick: Anleger zwischen Konjunkturhoffnung und Inflationsangst

DAX-Ausblick: Anleger zwischen Konjunkturhoffnung und Inflationsangst
28.02.2021 07:30:29

Die Aussicht auf eine Abschwächung der Coronavirus-Pandemie ist für Investoren ein zweischneidiges Schwert: Während sich die Optimisten auf eine kräftige Erholung der Wirtschaft konzentrieren, warnen die Pessimisten vor einer steigenden Inflation, die die Konjunktur abwürgen könnte. Als Vorboten dieser Entwicklung werten sie den Anstieg der Anleihe-Renditen, der die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen erhöht.

In der ablaufenden Woche kletterten die Renditen der zehnjährigen Bonds aus Deutschland und den USA jeweils auf den höchsten Stand seit etwa einem Jahr. "Die Aufwärtsbewegung sollte nicht überraschen", sagt Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Sie sei in wirtschaftlichen Aufschwungphasen üblich.

Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets warnt dagegen, dass die Inflationsangst inzwischen eine Eigendynamik entwickele und das Bekenntnis des US-Notenbankchefs Jerome Powell zu einer ultra-lockeren Geldpolitik daher auf taube Ohren stoße. "Das ist deshalb besorgniserregend, da die Sektoren, die den Aktienmarkt nach oben trieben, ausgerechnet diejenigen sind, die in einem wieder inflationären Umfeld gerade nicht attraktiv für Anleger sind", führt Stanzl aus.

AUSVERKAUF BEI TECHNOLOGIEWERTEN - CORONA-GIPFEL IM BLICK


Vor diesem Hintergrund rutschten der US-Technologieindex Nasdaq und der deutsche TecDax in der ablaufenden Woche um jeweils rund fünf Prozent ab. Der Dax kam mit einem Minus von etwa einem Prozent glimpflicher davon. Da die Realzinsen - also Nominalzinsen abzüglich der Inflation - weiterhin recht niedrig seien, blieben risikoträchtige Anlageklassen wie Aktien aber attraktiv, betont Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen.

Wichtig für die Börsen sei auch der den Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Mittwoch, sagt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. Er rechne ähnlich wie in Großbritannien mit einem Fahrplan zur Lockerung der Pandemie-Beschränkungen. "Davon und von der weiteren Entwicklung in Sachen Virus und Vakzine wird entscheidend abhängen, wie sich Aktien und Anleihen weiter entwickeln."

BESCHLEUNIGUNG DES US-STELLENAUFBAUS ERWARTET


Was die Konjunkturdaten angeht, wartet der Höhepunkt am Freitag auf die Börsianer: der US-Arbeitsmarktbericht. Experten erwarten für Februar den Aufbau von 110.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Das wäre etwas mehr als doppelt so viel wie im Vormonat. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten liefern die Zahlen der privaten US-Arbeitsagentur am Mittwoch. Am selben Tag legt auch die Notenbank (Fed) ihren Konjunkturbericht vor. Investoren versprechen sich vom sogenannten Beige Book ein erneutes Bekenntnis zur aktuellen ultra-lockeren Geldpolitik.

Diesseits des Atlantiks stehen im Verlauf der neuen Woche die Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus Industrie und Dienstleistungssektor in Deutschland und der Euro-Zone auf dem Terminplan. Vor dem Hintergrund der zuletzt wieder aufgeflammten Inflationsängste werden Anleger außerdem ein Auge auf die deutschen (Montag) und europäischen (Dienstag) Preisdaten werfen.

INDEX-REFORM WIRFT SCHATTEN VORAUS


Daneben rollt eine neue Welle von Firmenbilanzen auf Anleger zu. Aus dem Dax legen unter anderem der Immobilienkonzern Vonovia und der "Persil"-Anbieter Henkel Geschäftszahlen vor. Im Ausland öffnen unter anderem der Schokoladen-Hersteller Lindt & Sprüngli und der aus der Fusion von Peugeot und Fiat Chrysler hervorgegangene Autobauer Stellantis ihre Bücher.

Unabhängig davon überprüft die Deutsche Börse am Mittwoch die Zusammensetzung ihrer großen Indizes. Wegen geänderter Regeln und als Vorspiel der geplanten Vergrößerung des Dax von 30 auf 40 Werte rechnen Experten mit einigen Änderungen. Demnach haben Siemens Energy, der Kochbox-Anbieter Hellofresh und der Online-Modehändler Zalando Chancen auf einen Aufstieg in die erste deutsche Börsenliga. Im Gegenzug drohe dem "Niveau"-Hersteller Beiersdorf und Heidelbergcement der Abstieg in den Nebenwerte-Index MDax.

rtr

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