DAX-SCHLUSSBERICHT

DAX geht leicht stärker ins Wochenende - und was Anleger außerdem wissen sollten

DAX geht leicht stärker ins Wochenende - und was Anleger außerdem wissen sollten

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03.08.2020 - 19:58
17.07.2020 17:38:00

Der letzte Handelstag der Woche verlief ohne größere Impulse und so ging der DAX bei 12.919,61 Punkten 0,35 Prozent fester ins Wochenende. Was außerdem wichtig war.

Anleger schauten am Freitag gespannt nach Brüssel, wo der EU-Sondergipfel startete. Dort geht es unter anderem um das Milliarden-Programm zur Bewältigung der Corona-Wirtschaftskrise. Anleger blieben deshalb zum Wochenausklang in Deckung. "Zwischen den Südstaaten und den sparsamen Vier gehen die Meinungen weiterhin stark auseinander", schrieb Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Die Gruppe der sogenannte sparsamen Vier besteht aus Österreich, Schweden, Dänemark und den Niederlanden. Für die Börsen wäre ein Scheitern des Gipfels ein "verheerendes Signal", so Altmann. Denn der Wiederaufbaufonds sei längst in die Kurse eingepreist, jede Verzögerung könne daher zu unmittelbaren Kursverlusten führen.

Sorgen bereiteten den Anlegern auch die weiter zunehmenden Coronavirus-Infektionen in den USA. Die regional wieder verschärften Pandemie-Beschränkungen drohten den Einzelhandel in den betroffenen US-Regionen zu lähmen, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Vor diesem Hintergrund verteidigte Gold die wichtige Marke von 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und blieb auf Tuchfühlung mit ihrem jüngsten Neun-Jahres-Hoch.

Etwas Rückenwind erhielt der DAX am Freitag durch die überraschend robuste Geschäftsentwicklung von Daimler. Zwar musste der Automobilkonzern einen operativen Verlust von 1,7 Milliarden Euro verbuchen, Analysten hatten jedoch mit einem noch höheren Minus gerechnet. Experten wisen außerdem darauf hin, dass Daimler im zweiten Quartal bei den Barmitteln sehr stark abgeschnitten hätten. Diese Nachrichten wirkten sich positiv für die gesamte Automobilbranche aus und so wurde der DAX zum Handelsschluss von Daimler gefolgt von Volkswagen angeführt.

Unbeliebt waren dagegen einzelne Aktien, die als besonders konjunkturabhängig gelten. So verloren MTU Aero Engines, HeidelbergCement, Thyssenkrupp und Lufthansa. Als Schlusslicht ging erneut Wirecard ins Wochenende. Der Kurs wurde durch die Nachricht belastet, dass die Tage des insolventen Zahlungsabwicklers im DAX nun doch schon in der zweiten August-Hälfte gezählt sein könnten. Wie die Deutsche Börse mitteilte, sollen die Index-Regeln in den kommenden vier Wochen geändert werden. Nach der bisherigen Regelwerk würde Wirecard erst zum 21. September aus der ersten Börsenliga herausfallen.

Was am Freitag an der Börse außerdem wichtig war


Daimler kämpft mit noch mehr Personaleinsparung gegen Krise
Die Neuordnung der Autobranche hin zur Elektromobilität hatte dem Autobauer Daimler bereits schwer zu schaffen gemacht - dann kam das Coronavirus. Immer neue und vor allem höhere Zahlen zum geplanten Stellenabbau sind seitdem im Umlauf. Die gegenwärtige Zahl: Der Auto-Konzern will seine Belegschaft von weltweit rund 300 000 Beschäftigten nach dpa-Informationen um bis zu 20 000 Arbeitsplätze reduzieren. Zudem soll die Produktion weiter gestrafft werden. Daran ändert auch nichts, dass sich das Unternehmen im zweiten Quartal überraschend gut vom Corona-Lockdown erholt hat.

Netflix-Boom lässt nach - Aktie stürzt trotz Abo-Rekord ab
Der Online-Videodienst Netflix profitiert weiter davon, dass viele Menschen in der Corona-Krise zuhause bleiben und fernsehen. Allerdings hat der pandemiebedingte Kundenansturm inzwischen schon wieder deutlich nachgelassen. Nach dem Abo-Boom zu Jahresbeginn kamen im zweiten Quartal unterm Strich 10,1 Millionen Bezahlabonnements dazu, wie der Streaming-Marktführer am Donnerstag nach US-Börsenschluss im kalifornischen Los Gatos mitteilte. Im vorherigen Vierteljahr waren es noch 15,8 Millionen gewesen. Ende Juni brachte Netflix es weltweit insgesamt auf knapp 193 Millionen Bezahlabos.

Corona-Einbruch bei Volkswagen abgemildert - Zuversicht in China
Im VW-Konzern fangen sich die wegen der Corona-Krise abgestürzten Verkäufe wieder. Vor allem im wichtigen China-Geschäft will der weltgrößte Autohersteller aufholen. Im Juni gingen die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahresmonat weltweit um 17,5 Prozent auf etwa 804 000 Fahrzeuge zurück, wie das Unternehmen am Freitag berichtete. Das entspricht einer Stabilisierung gegenüber dem Mai, als das Minus noch rund ein Drittel (33,7 Prozent) betragen hatte. Für das gesamte erste Halbjahr steht eine Abnahme der Verkäufe um 27,4 Prozent auf knapp 3,9 Millionen Wagen in der Absatzstatistik.

Ericsson schneidet besser ab als erwartet - Prognose bestätigt
Der Netzwerkausrüster Ericsson kommt dank der hohen Nachfrage nach Produkten für den Aufbau des 5G-Netzes weiter gut durch die Corona-Krise. Während der Umsatz mit 55,6 Milliarden Kronen (5,4 Mrd Euro) im zweiten Quartal stabil blieb, konnte der operative Gewinn um rund drei Prozent auf 3,9 Milliarden Kronen gesteigert werden, teilte der Nokia-Konkurrent am Freitag in Stockholm mit.

Wirecard-Skandal: Inhaftierter Manager will kooperieren
Im Bilanzskandal um den mutmaßlichen Milliardenbetrug beim Dax-Konzern Wirecard will einer der wichtigsten Beschuldigten mit der Staatsanwaltschaft kooperieren. Das bestätigte der Anwalt des in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Chefs der Wirecard-Tochtergesellschaft Cardsystems Middle East am Freitag: "Mein Mandant hat sich freiwillig dem Verfahren gestellt und steht - im Gegensatz zu anderen - zu seiner individuellen Verantwortung." Darüber berichtete zuerst die Nachrichtenagentur Reuters. Der Strafverteidiger betonte, dass er nicht von einem Geständnis gesprochen habe.

Kreise: Naspers-Tochter Prosus bei Rennen um Ebay Kleinanzeigen vorn
Beim Rennen um die Anzeigen-Sparte der Online-Handelsplattform Ebay könnte Insidern zufolge die Beteiligungsgesellschaft Prosus das Rennen machen. Die Tochter des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers habe das höchste Kaufgebot für den Geschäftsbereich abgegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Zu dem Geschäftsbereich gehören auch die deutschen Angebote Ebay Kleinanzeigen und mobile.de. Der Verkauf könne Ebay mehr als acht Milliarden US-Dollar (7 Mrd Euro) einbringen.

Adva überrascht mit starkem Quartal - Aktienkurs springt nach oben
Der Telekomausrüster Adva Optical Networking hat im zweiten Quartal überraschend gute Geschäfte gemacht. Trotz des laut Analysten starken Quartals traut sich Adva-Chef Brian Protiva angesichts der Corona-Unsicherheiten für das Gesamtjahr weiterhin keine Prognose zu. Die Anleger störte das nicht: Der Aktienkurs schnellte nach oben.

Corona-Krise brockt Cathay Pacific Milliardenverlust ein
Die Corona-Krise hat die asiatische Fluggesellschaft Cathay Pacific im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich rechnet die Airline mit einem Verlust von 9,9 Milliarden Hongkong-Dollar (1,1 Mrd Euro) nach 1,3 Milliarden Gewinn ein Jahr zuvor, wie sie am Freitag in Hongkong mitteilte. Das Geschäft des Unternehmens, das sich auf Langstreckenflüge spezialisiert hat, läuft nur sehr langsam wieder an. Im Juni lag das Passagieraufkommen mit 27 106 Fluggästen nur bei rund einem Prozent des Vorjahreswerts. Im August sollen höchstens zehn Prozent der Flüge wieder stattfinden.

rtr/dpa-AFX/iw


Bildquelle: Lisi Niesner/Reuters

Aktien in diesem Artikel

ADVA SE 7,32 3,83% ADVA SE
Daimler AG 38,77 4,29% Daimler AG
Deutsche Börse AG 158,35 3,53% Deutsche Börse AG
Ericsson (Telefon AB L.M.Ericsson) (B) 9,92 0,41% Ericsson (Telefon AB L.M.Ericsson) (B)
HeidelbergCement AG 48,30 2,94% HeidelbergCement AG
MTU Aero Engines AG 139,25 -5,08% MTU Aero Engines AG
Naspers LtdShs -N- 157,88 0,19% Naspers LtdShs -N-
Netflix Inc. 426,05 2,63% Netflix Inc.
Nokia Oyj (Nokia Corp.) 4,25 7,84% Nokia Oyj (Nokia Corp.)
PayPal Inc 166,74 1,23% PayPal Inc
Prosus N.V. 84,00 2,04% Prosus N.V.
thyssenkrupp AG 6,69 1,06% thyssenkrupp AG
Volkswagen (VW) AG Vz. 131,48 6,03% Volkswagen (VW) AG Vz.
Wirecard AG 1,90 -2,14% Wirecard AG

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