DAX-MARKTBERICHT

DAX im Minus - Virus-Sorgen und Enttäuschung über Europa drücken Börsen

DAX im Minus - Virus-Sorgen und Enttäuschung über Europa drücken Börsen
08.04.2020 14:29:47

Die Coronavirus-Krise und das Scheitern bei den Gesprächen der Euro-Finanzministern setzt den Anlegern zu. "Angesichts der wieder steigenden Zahlen von Corona-Todesopfern realisieren Investoren, dass die Pandemie alles andere als unter Kontrolle ist", sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades am Mittwoch.

Dass sich die Finanzminister der Euro-Zone nicht auf ein Corona-Hilfspaket vor allem für Italien haben einigen können, "sorgt ebenfalls für gedrückte Stimmung", ergänzte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Dax und EuroStoxx50 gaben bis zum Nachmittag einen Teil ihrer jüngsten Gewinne ab und verloren jeweils etwa ein halbes Prozent auf 10.308 und 2833 Punkte.

Die Finanzminister der Eurogruppe brachen nach stundenlangen nächtlichen Beratungen die Verhandlungen über Hilfen für die von der Pandemie besonders hart getroffenen Länder ab und vertagten sich auf Donnerstag. "Es hatte die Erwartung gegeben, dass sie sich zumindest auf einen Formelkompromiss einigen", sagte Anlagestratege Jan von Gerich von der Nordea Bank. Die Lage für Italien, das europäische Epizentrum der Virus-Krise, werde daduruch sehr schwierig. Die Europäische Zentralbank (EZB) wolle nicht das gesamte Risiko tragen, indem sie einen Großteil italienischer Bonds aufkaufe.

Vor diesem Hintergrund warfen Anleger Papiere des südeuropäischen Staates aus ihren Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Drei-Wochen-Wochen-Hoch von 1,748 Prozent. Gleichzeitig geriet der Euro unter Druck und verbilligte sich auf 1,0875 Dollar. Nach Einschätzung von Graham Secker, Chef-Anlagestratege für europäische Aktien bei der Bank Morgan Stanley, gibt es immer noch die Chance auf Schritte in Richtung der Aufnahme gemeinsamer Schulden durch die Euro-Staaten. "Selbst bei einem relativ geringen Betrag wäre dies ein starkes Zeichen."

"SICHERE HÄFEN" WIEDER GEFRAGT


Außerdem werde die Weltwirtschaft noch eine ganze Weile mit den Folgen des gesellschaftlichen Stillstands zu kämpfen haben, warnte Volkswirt Joseph Capurso von der National Australia Bank. "Es wird Jahre dauern, bis die Arbeitslosenquoten wieder auf dem Niveau von Ende 2019 sind."

Einige Investoren flüchteten daher in die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,2 Prozent auf 100,086 Punkte. Dies dämpfte die kurzfristige Gold-Nachfrage, weil die Aufwertung des Dollar das Edelmetall für Anleger außerhalb der USA verteuert. "Mittel- und langfristig hat Gold wegen der Notenbank-Geldspritzen aber Luft nach oben", sagte Analystin Margaret Yang Yan vom Brokerhaus CMC Markets. Anleger nutzen das Edelmetall unter anderem als Inflationsschutz.

"OPEC+"-TREFFEN WIRFT SCHATTEN VORAUS


Unterdessen hofften Börsianer weiter, dass sich die "Opec+", zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, bei ihrem Treffen am Donnerstag auf eine deutliche Reduzierung der Fördermengen einigt. Sollten die USA mit der "Opec+" an einem Strang ziehen, könnte selbst eine relativ geringe Drosselung um zehn Millionen Barrel pro Tag dem Ölpreis kräftigen Schub verleihen, prognostiziert Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Ohne die USA an Bord würde selbst eine Reduzierung um 15 Millionen Barrel den Preis wohl nicht über 40 Dollar hieven." Am Mittwoch kostete die Ölsorte Brent aus der Nordsee 31,95 Dollar je Barrel (159 Liter).

Am europäischen Aktienmarkt stach Asos heraus. Die Aktien des Online-Modehändlers steuerten mit einem Plus von zeitweise gut 41 Prozent auf den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte zu. Die vorgelegten Zahlen signalisierten wieder anziehendes Wachstum und steigende Gewinnmargen, schrieb Analyst Ben Hunt vom Vermögensverwalter Investec. Dank der aktuellen Kapitalerhöhung habe die Firma zudem ausreichend Mittel, um einen Abschwung durch die Virus-Krise abzufedern.

rtr


Bildquelle: Lisi Niesner/Reuters

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