DAX-MARKTBERICHT

DAX im Plus - Anleger setzen auf Lockerung der Corona-Restriktionen

DAX im Plus - Anleger setzen auf Lockerung der Corona-Restriktionen
14.04.2020 15:14:00

In der Hoffnung auf eine baldige Lockerung der Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus kehren weitere Anleger in die Aktienmärkte zurück. Dax und EuroStoxx50 legten am Dienstag jeweils etwa ein Prozent auf 10.669 und 2913 Punkte zu. Dabei hatte eine Technik-Panne im Handelssystem Xetra die Geschäfte mit deutschen Anteilsscheinen für mehrere Stunden behindert.

"In Spanien, Italien und hierzulande ist die Zahl der Neuinfektionen auf dem Rückzug", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Damit sei die Pandemie aber noch nicht überwunden. In Deutschland wollten Bundesregierung und Länder am Mittwoch über erste Lockerungsschritte und das weitere Vorgehen beraten.

Zuversicht schöpften Investoren auch aus ermutigenden chinesischen Konjunkturdaten. "Sollte China mit vergleichsweise geringen wirtschaftlichen Einbußen durch die Pandemie kommen, wäre das positiv für die Weltwirtschaft", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

INFLATIONSSORGEN TREIBEN GOLDPREIS


Die "Krisen-Währung" Gold blieb dennoch gefragt. Für heimische Investoren war das Edelmetall mit 1581,02 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so teuer wie noch nie. Preistreiber seien aktuell aber weniger die drohende weltweite Rezession als die billionenschweren Geldspritzen der Notenbanken und die schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme der Regierungen, sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. Sie schürten Sorgen vor einer anziehenden Inflation. Die Goldbestände des weltweit größten börsennotierten Gold-Fonds SPDR Gold erreichten mit knapp 1010 Tonnen den höchsten Stand seit etwa sieben Jahren.

LANGE GESICHTER WEGEN EU-HILFSPAKET UND "OPEC+"-DEAL


Enttäuscht reagieren Investoren auf das milliardenschwere EU-Hilfspaket für von der Pandemie besonders hart getroffene Staaten wie Italien. Das Volumen der Hilfsmittel, die über den Rettungsfonds ESM abgerufen werden könnten, sei relativ gering, sagte Anlagestratege Antoine Bouvet von der ING Bank. Außerdem werde Italien wohl kaum darauf zurückgreifen. "Seine Inanspruchnahme ist mit einem Stigma belegt." Die Experten der Investmentbank Mizhuo monierten, dass sich die EU nicht auf die Ausgabe gemeinsamer Anleihen einigen konnte. Damit blieben die wirtschaftlichen Aussichten Italiens langfristig trübe.

Anleger warfen daraufhin italienische Staatsanleihen aus ihren Depots. Dies trieb die Rendite der zweijährigen auf ein Vier-Wochen-Hoch von 0,896 Prozent. Gleichzeitig verteuerte sich die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Schuldtitel gegen Zahlungsausfall um 8000 auf 202.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit.

Abwärts ging es auch mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 1,6 Prozent auf 31,23 Dollar je Barrel (159 Liter). Die geplante Drosselung der Fördermenge durch die großen Export-Staaten reiche nicht aus, um den Nachfrage-Rückgang durch die Virus-Krise auszugleichen, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. "Auch fehlt es an Kontroll- und Strafmechanismen."

SAP IM AUFWIND - US-ERMITTLUNGEN DRÜCKEN TABAKFIRMA BAT


Bei den deutschen Unternehmen rückte SAP ins Rampenlicht. Der Konzern will sich der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge von seinem Geschäft mit Software für mobile Netzwerke trennen. SAP wollte sich nicht dazu äußern. Die Aktien von Europas größtem Software-Hersteller bauten ihre Gewinne dennoch aus und stiegen um 3,8 Prozent auf 114,16 Euro.

In London rutschten die Titel von British American Tobacco (BAT) dagegen um bis zu 6,2 Prozent ab. Der "Lucky Strike"-Anbieter ist einem Medienbericht zufolge wegen angeblicher Sanktionsverstöße ins Visier der US-Behörden geraten. Er gehe allerdings davon aus, dass es sich nicht um neue Anschuldigungen, sondern um seit längerem laufende Untersuchungen handele, schrieb Analyst Owen Bennett von der Investmentbank Jefferies.

rtr


Bildquelle: Lisi Niesner/Reuters

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