DAX-SCHLUSSBERICHT

DAX schließt im Plus - und was Anleger außerdem wissen sollten

DAX schließt im Plus - und was Anleger außerdem wissen sollten

WKN: 514000 ISIN: DE0005140008 Deutsche Bank AG

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16.10.2019 - 08:13
12.09.2019 17:40:00

Nach einem spannenden Börsentag schloss der DAX am Donnerstag mit 0,4 Prozent Plus bei 12.410,25 Punkten. Was die Anleger außer der EZB-Sitzung beschäftigt hat und welche Aktien den deutschen Leitindex anführten.

Am Donnerstag hat der DAX mit dem höchsten Stand seit sechs Wochen eröffnet. Nachdem am Nachmittag mit Spannung das Ergebnis der EZB-Sitzung erwartet wurde, hielten sich die Anleger am Vormittag zurück und so blieb der deutsche Leitindex relativ stabil. Um 13:45 Uhr wurde schließlich die Entscheidung der Währungshüter verkündet: Der sogenannte Einlagensatz sei auf minus 0,5 Prozent von minus 0,4 Prozent gesenkt worden, teilten die Euro-Wächter am Donnerstag in Frankfurt mit. Ein Minuszeichen beim Einlagenzins bedeutet, dass die Institute Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Sie kündigte zudem an, die im Dezember 2018 beendeten Anleihenkäufe erneut aufzunehmen. "Das war ein anständiges Signal der EZB", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Entscheidend sei, dass sie beim Zinsausblick und bei den Anleihekäufen kein Enddatum genannt habe. Da die Notenbank den Geldhahn relativ gering aufgedreht habe, erhalte sie sich Spielraum. "Spannend wird daher, wie stark Notenbankchef Mario Draghi die Notwendigkeit weiterer Schritte betont." Der Zinsentscheid sorgte für große Freude auf dem Parkett und ließ den DAX auf Spitzenwerte klettern.

Der Euro fiel nach der Entscheidung auf 1,0925 Dollar und näherte sich damit dem 28-Monats-Tief, das er Anfang des Monats erreicht hatte. Auch die Renditen der Staatsanleihen gaben nach. Die Verzinsung der 30-jährigen deutschen Bundesanleihe rutschte wieder deutlich ins Minus, die Rendite der zehnjährigen italienischen Papiere sank auf ein Rekordtief von 0,758 Prozent. "Damit dürfte Draghi der Dank der Italiener gewiss sein", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. "Gleichzeitig werden die Anfeindungen aus Deutschland weitergehen. Mit dem heutigen Tag ist eine Zinswende nach oben in noch weitere Ferne gerückt. Die Zinsen bleiben abgeschafft."

Nur kurze Zeit später schien der "Draghi-Effekt" jedoch schon wieder verpufft: Der Dax gab seine anfänglichen Gewinne ab und drehte ins Minus. Anleger nähmen Gewinne mit, da die Lockerung der Geldpolitik durch die EZB im Rahmen der Erwartungen ausgefallen sei, sagt ein Börsianer.

Der Ölpreis gab zum Treffen des Ölkartells nach. Saudi Arabien und Russland riefen die Mitglieder des Kartells und ihre Verbündeten dazu auf, sich an die vereinbarten Förderkürzungen zu halten und bezogen sich dabei insbesondere auf Nigeria und den Irak.

Auf Unternehmensseite machte am Donnerstag unfreiwillig Aurora Cannabis auf sich aufmerksam. Die Aktien des kanadischen Marihuana-Produzenten sind nach schwachen Geschäftszahlen eingebrochen. Für das abgelaufene Quartal lag das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei minus 11,7 Millionen kanadischen Dollar, im Vorfeld hatten Experten nur mit einem Verlust von 5,6 Millionen Dollar gerechnet. Anleger verkauften die Aktien, in Toronto brach der Kurs nachbörslich zweistellig ein.

Zum Handelsschluss wurde der DAX von Merck, Linde und Adidas angeführt. Die Schlusslichter bildeten die Deutsche Bank und Bayer.

Merkel wird zur E-Kanzlerin - Schulterschluss mit Industrie
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) der deutschen Autoindustrie eine enge Zusammenarbeit versprochen. Gemeinsam müsse man die "Herkulesaufgabe" bewältigen, den Verkehrssektor schnell klimafreundlicher zu machen, sagte sie zur offiziellen Eröffnung am Donnerstag in Frankfurt. Am Ende ihres 90-minütigen Rundgangs mit Besichtigung etlicher Elektroautos, autonom fahrender Shuttle-Busse sowie mit etwas Klimaprotest zieht die E-Kanzlerin ein zufriedenes Zwischenfazit: "Ich konnte mich überzeugen, dass wir nicht vor einem Umbruch stehen, sondern dass dieser Umbruch bereits Realität ist."

VW und Ministerium: Keine illegale Abschalteinrichtung in neuen Autos
Neue Dieselwagen des Volkswagen-Konzerns haben nach Angaben des Autobauers und des Bundesverkehrsministeriums keine Software zur Manipulation von Abgaswerten. Ein VW-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, nach derzeitigem Kenntnisstand sei bei jüngeren Motoren der Baureihe EA 288 "nichts Illegales passiert". Es gebe keinen Anlass für entsprechende Zweifel. Aus dem Ressort von Verkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin hieß es: "Unzulässige Abschalteinrichtungen konnten nicht festgestellt werden - auch nicht in Gestalt einer unzulässigen Zykluserkennung."

EuGH kippt deutsches Leistungsschutzrecht für Verlage
Das 2013 eingeführte deutsche Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist vom Europäischen Gerichtshof gekippt worden. Es ist nicht anwendbar, da die Bundesregierung den Entwurf nicht vorab an die EU-Kommission übermittelt hatte, wie die Richter am Donnerstag feststellten. Suchmaschinen wie Google können damit vorerst wieder Fragmente aus Medieninhalten anzeigen, ohne dafür zu bezahlen.

Lufthansa zieht im August mehr Passagiere an - Frachtgeschäft dümpelt dahin
Der Ferienmonat August hat der Lufthansa mehr Passagiere und besser gefüllte Maschinen gebracht. Im abgelaufenen Monat beförderte Europas größte Fluggesellschaft samt ihrer Töchter wie Swiss, Austrian Airlines und Eurowings gut 14,1 Millionen Fluggäste und damit 2,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie sie am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Alle Passagier-Airlines des Dax-Konzerns legten zu. Die Auslastung der Sitzplätze verbesserte sich um 0,8 Prozentpunkte auf 87,2 Prozent.

EU-Urteil: Klage gegen Zulassung von Gen-Sojabohne gescheitert
Produkte mit einer genveränderten Sojabohne der Bayer-Tochter Monsanto dürfen in der Europäischen Union weiter verkauft werden. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg wies am Donnerstag die Klage dreier Nichtregierungsorganisationen gegen die Zulassung zurück (Rechtssache C-82/17 P). Rechtsmittel sind nicht möglich.

Nestlé steckt neue Klimaziele: mehr Pflanzen, Bäume und Ökostrom
Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé will seine Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto null zurückfahren. Netto null bedeutet, dass das Unternehmen seine Emissionen so weit wie möglich reduziert, und den Rest durch Projekte wie Aufforstungen kompensiert. Dazu sollen die bisherigen Anstrengungen für mehr Klimafreundlichkeit forciert werden, kündigte das Unternehmen am Donnerstag in Vevey an. Es will vor dem UN-Klimagipfel in New York ab 21. September ein von den Vereinten Nationen aufgelegtes Manifest unterzeichnen, mit dem Unternehmen versprechen, dazu beizutragen, dass die Erderwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten auf 1,5 Grad begrenzt wird.

Gläubigerversammlung bei Senvion beendet - Insolvenzplan genehmigt
Die Gläubigerversammlung beim insolventen Windanlagenbauer Senvion ist nach zwei Tagen am späten Mittwochabend zu Ende gegangen. Die Gläubiger und das Amtsgericht billigten den Insolvenzplan des Unternehmens und verschafften damit dem Sachwalter zusätzlichen Handlungsspielraum, verlautete am Donnerstag aus Unternehmenskreisen. Noch nicht entschieden sei jedoch über den Einstieg eines Investors. Die Gespräche laufen noch, sollen aber nun recht bald zu einem Abschluss gebracht werden. Ein offizielle Mitteilung von Senvion liegt bislang nicht vor. Wacker Chemie steigt bei britischem Spezialisten für Batteriematerialien ein
Der Chemiekonzern Wacker Chemie will 25 Prozent der Anteile an dem britischen Batteriematerialspezialisten Nexeon kaufen. Die Vereinbarung sei ein wichtiger Schritt, um die Aktivitäten bei siliciumbasierten Anodenmaterialien für Batterien der nächsten Generation zu verbreitern und damit weiter zu stärken, erklärte das für den Bereich Forschung und Entwicklung zuständige Vorstandsmitglied Christian Hartel am Donnerstag laut Mitteilung. Über den Kaufpreis hätten beide Unternehmen, die bereits im Jahr 2013 miteinander kooperiert hatten, Stillschweigen vereinbart.

Knorr-Bremse legt weiter kräftig zu - Schwacher Auftragseingang
Der Bremsenspezialist Knorr-Bremse ist trotz eines schwieriger werdenden Umfelds weiter stark gewachsen. In den ersten sechs Monaten des Jahres zogen Umsatz und der operative Gewinn deutlich an. Bis Ende Juni stieg der Erlös im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro, wie das im MDax notierte Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte. Finanzvorstand Ralph Heuwing sprach vom besten Halbjahr, gemessen am Umsatz, und von einem der besten Halbjahre, gemessen am Gewinn. Die Aktie des Unternehmens legte kurz nach Handelsbeginn leicht um 0,33 Prozent zu.

rtr/dpa-AFX/iw

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Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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