DAX-SCHLUSSBERICHT

DAX schwächer - und was Anleger sonst noch wissen müssen

DAX schwächer - und was Anleger sonst noch wissen müssen

WKN: 515870 ISIN: DE0005158703 Bechtle AG

87,50 EUR
1,05 EUR 1,21 %
19.08.2019 - 17:17
09.08.2019 17:30:00

Der DAX hat sich am Freitag von seiner schwächeren Seite gezeigt. Der Leitindex schloss 1,3 Prozent im Minus bei 11.693,80 Punkten. Was Anleger vom Handel sonst noch wissen müssen, die wichtigsten Themen vom Parkett.

Die wachsenden Krisenherde rund um den Globus haben die Anleger am Freitag verunsichert. So verlor der DAX deutlich. Die Erholung vom Vortag konnte damit nicht fortgesetzt werden. Unsere aktuelle DAX-Chartanalyse finden Sie hier.

Die Regierungskrise in Italien drückte ganz besonders auf die Stimmung der Anleger. Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini hatte die Koalition seiner rechtspopulistischen Lega mit der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung für gescheitert erklärt. Nun drohen Neuwahlen, bei denen Salvini als neuer Ministerpräsident herausgehen könnte. "Die Regierungskrise in Italien und die Brexit-Sorgen halten den deutschen Aktienmarkt unter Druck. Selbst für den Fall, dass der Handelsstreit kurzfristig in den Hintergrund treten sollte, sehen sich die Anleger in Europa politischen Risiken auf dem eigenen Kontinent gegenüber", erklärte Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader.

Kurz vor Handelsschluss dann die nächste Hiobsbotschaft: US-Präsident Donald Trump erwägt offenbar, die nächste Verhandlungsrunde mit China abzusagen. Bislang sei keine Einigung auf ein Handelsabkommen absehbar, sagte Trump am Freitag im Weißen Haus. Die nächste Verhandlungsrunde der beiden Länder ist bislang für Anfang September in Washington geplant. "Wir werden sehen, ob wir das Treffen beibehalten oder nicht", sagte Trump. Die USA hätten alle Karten in der Hand, während Chinas Wirtschaft nicht gut dastehe. Die offiziellen Zahlen zu Chinas Wirtschaftswachstum seien "gefälscht", fügte er hinzu.

So stieg die "Antikrisen-Währung" Gold über die psychologisch wichtigen Marke von 1500 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe notierte mit minus 0,598 Prozent nur knapp über ihrem Rekordtief.

An den US-Börsen nutzten einige Anleger nach der jüngsten Kursrally die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen. Angesichts des schwelenden Zollstreits mit China wollten sie vor dem Wochenende auf Nummer sicher gehen, sagten Börsianer. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 verloren zur Eröffnung am Freitag bis zu 0,5 Prozent. Unsere aktuelle Dow Jones-Chartanalyse finden Sie hier.

Bayer-Aktie im Fokus der Anleger


Am deutschen Aktienmarkt stand zudem stand Bayer im Rampenlicht. Ein Medienbericht, Bayer wolle einen milliardenschweren Glyphosat-Vergleich vorschlagen, beförderte die Aktie um zeitweise elf Prozent nach oben. Ein Mediator wies den Bericht jedoch zurück. "Eine solche Erklärung ist reine Fiktion", so Ken Feinberg, der im Glyphosat-Streit als Vermittler eingesetzt ist. "Kompensationen sind in den bisherigen globalen Mediationsgesprächen noch nicht einmal angesprochen worden." Ein Sprecher des Leverkusener Konzerns wollte sich unter Verweis auf die Prozessstrategie zu den Berichten nicht äußern. Am Nachmittag fiel der Kurs dann deutlich zurück.

Für Spekulationen über fortschreitende Vergleichsverhandlungen hatte in den vergangenen Tagen bereits die Vertagung eines für August angesetzten Glyphosat-Prozesses gesorgt. So war der Druck auf Konzernchef Werner Baumann in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, weil Bayer bereits drei Verfahren um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter mit Schadensersatzforderungen im jeweils mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich verloren hatte.

Bayer fährt bisher offiziell zwar eine harte Linie, verweist unter Berufung auf zahlreiche wissenschaftliche Studien weiter auf die Sicherheit von Glyphosat bei richtiger Anwendung und will vor Berufungsgerichte ziehen. Konzernchef Baumann hatte zuletzt jedoch auch gesagt, dass ein Vergleich durchaus in Frage käme, wenn er wirtschaftlich sinnvoll wäre. So dürften allein die Kosten für Anwälte und Imagekampagnen Hunderte Millionen Euro verschlingen.

Was am Freitag an der Börse sonst noch wichtig war


Bechtle wächst überraschend stark im zweiten Quartal
Der IT-Dienstleister Bechtle hat im zweiten Quartal an seinen starken Jahresstart angeknüpft. Wegen des sich verschlechternden gesamtwirtschaftlichen Klimas hatte das Unternehmen zwar erst im Juni die Erwartungen an das Umsatzwachstum gedämpft, Vorstandschef Thomas Olemotz zeigte sich bei der Vorlage der Quartalszahlen nun aber deutlich optimistisch.

Carl Zeiss Meditec bei Umsatzprognose noch etwas optimistischer
Der Jenaer Medizintechnik-Konzern Carl Zeiss Meditec ist mit Blick auf seine Umsatzentwicklung noch ein bisschen optimistischer als zuletzt. Der Konzern hält nun auch einen Jahresumsatz leicht oberhalb der angepeilten Spanne von 1,35 bis 1,42 Milliarden Euro für möglich, wie er bei der Vorlage endgültiger Neunmonats-Zahlen am Freitag in Jena mitteilte. Mitte Juli bei den vorläufigen Zahlen hieß es noch, ein Erreichen des oberen Endes sei möglich.

Mitarbeiter-Aktien brocken Uber Verlust von 5,2 Milliarden Dollar ein
Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat sein erstes Quartal an der Börse mit einem riesigen Verlust von 5,2 Milliarden Dollar abgeschlossen. Den Löwenanteil dazu trug die in Start-ups übliche Praxis bei, Mitarbeiter mit Aktien zu bezahlen. Allein auf diese mit dem Börsengang verbuchte Aktienvergütung entfielen 3,9 Milliarden Dollar der roten Zahlen.

LEG Immobilien verdient dank steigender Mieten mehr
Steigende Mieten und die jüngsten Wohnungszukäufe haben dem Immobilienkonzern LEG im zweiten Quartal 2019 zu mehr Gewinn verholfen. "Wir sehen uns auf einem guten Weg, unsere gesteckten Ziele unter Berücksichtigung unserer Kauf- und Verkaufsaktivitäten zu erreichen", erklärte der seit Juni amtierende Unternehmenschef Lars von Lackum am Freitag die Quartalszahlen. Die Perspektiven für das Gewinn- und Wertwachstum blieben positiv.

Innogy sieht keine Entspannung auf britischem Markt - Kurs sinkt
Innogy erwartet auch in der zweiten Jahreshälfte keine Entspannung im britischen Vertriebsgeschäft. Der operative Verlust (Ebit) in dieser Sparte könne sich deshalb bis Jahresende mehr als verdoppeln, wie Innogy am Freitag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Essen mitteilte. In den ersten sechs Monaten lag der operative Verlust in diesem Bereich bei 81 Millionen Euro. Am Ende des Jahres könnte er auf 250 Millionen Euro ansteigen, sagte der Finanzchef Bernhard Günther während einer Telefonkonferenz. Die Zahl der Kunden sinkt in Großbritannien, gleichzeitig hat die Regierung dort Preisobergrenzen eingeführt.

Scheinwerferfirma Hella mit Sorgen - Autonomes Fahren großes Thema
Der Autozulieferer Hella blickt pessimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. Die globale Autoproduktion werde nach eigenen Erwartungen um fünf bis sechs Prozent runterfahren, sagte Konzernchef Rolf Breidenbach am Freitag in Düsseldorf. Das werde auch seine Firma zu spüren bekommen. Positiveren Prognosen, wonach der Markt sich bald erhole und es insgesamt nur ein kleines Minus geben werde, schenkt er vorerst keinen Glauben. Es sei möglich, dass der Hella-Jahresumsatz auf gleicher Basis erstmals seit etwa 15 Jahren schrumpfe, so der Manager des MDax-Konzerns. "Das wirtschaftliche Umfeld trübt sich aus unserer Sicht weiter ein." Gründe seien die China-Marktschwäche, Handelskonflikte und politische Unsicherheiten.

rtr/dpa-AFX/fh

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Bildquelle: Kai Pfaffenbach/Reuters

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