DAX-SCHLUSSBERICHT

DAX stark zur Wochenmitte - und was Anleger außerdem wissen sollten

DAX stark zur Wochenmitte - und was Anleger außerdem wissen sollten
05.02.2020 17:38:00

Nach einem schwächeren Morgen schloss der DAX zur Wochenmitte 1,48 Prozent stärker bei 13.478,33 Punkten. Was den Anlegern Hoffnung machte und was außerdem wichtig war.

Am deutschen Aktienmarkt waren die Anleger am Mittwoch optimistischer. Neue Hoffnung rund um das Coronavirus lockte die Investoren aus der Deckung. Anleger wurden davon ermutigt, dass chinesische Universitäten Medienberichten zufolge auf ein Heilmittel gestoßen sein könnten. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) dementierte dies jedoch: "Es gibt keine, bekannte wirksame Therapie gegen das Virus", sagte Sprecher Tarik Jasarevic am Mittwoch.

So behielt das Virus auch weiterhin die Oberhand über den Rohstoffmarkt. Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 3,5 Prozent auf 55,85 Dollar je Barrel (159 Liter). Kupfer verteuerte sich um 2,1 Prozent auf 5735 Dollar je Tonne. China ist der weltgrößte Abnehmer dieser beiden Rohstoffe. Am Devisenmarkt deckten sich Investoren mit australischen Dollar ein, der ebenfalls aufwertete. Australien ist stark vom Export seiner Rohstoffe nach China abhängig.

Neben dem Coronavirus galt die Aufmerksamkeit der Anleger der Bilanzsaison. Bei Siemens lastete eine anhaltende Schwäche im Auto- und Maschinenbausektor im ersten Geschäftsquartal zwar auf dem operativen Ergebnis. Die Aktien drehten dann aber mit dem positiver werdenden Marktumfeld ins Plus. Am Markt wurden in überraschend hohen Auftragseingängen auch positive Aspekte gesehen.

Infineon setzten sich nach ihrem Quartalsbericht an die DAX-Spitze und wurden so zu einer großen Stütze für den Leitindex. Um bis zu zwölf Prozent kletterte die Aktie nach oben. Analyst Alexander Duval von Goldman Sachs lobte das operative Ergebnis wegen einer guten Kostenkontrolle und auch die bestätigen Jahresziele fanden bei Experten Zuspruch. Gefolgt wurde der Chiphersteller von Continental und Lufthansa. Als schwächster Wert im DAX ging der Indexneulig MTU aus dem Handel. Grund für den Kursrutsch war eine Abstufung auf "Neutral" durch die US-Bank JPMorgan.

Was am Mittwoch an der Börse außerdem wichtig war



Chiphersteller Infineon mit schwachem Quartal - Aktie an Dax-Spitze
Der Chiphersteller Infineon hat die weiter angespannte Marktlage zum Start in das neue Geschäftsjahr zu spüren bekommen. Umsatz und operatives Ergebnis waren im ersten Quartal (per Ende Dezember) im Vergleich zum Vorquartal wie erwartet deutlich rückläufig, wie der Dax-Konzern am Mittwoch in Neubiberg bei München mitteilte. Mit einer operativen Marge von 15,5 Prozent übertraf der Halbleiterspezialist zwar sowohl die eigenen Erwartungen als auch jene der Analysten. Die Marge profitierte aber von einem Einmaleffekt. Ohne diesen hätte sie nur 13,6 Prozent betragen.

Siemens mit schwachem Start - Hauptversammlung im Zeichen des Klimas
Der Technologiekonzern Siemens ist mit einem Dämpfer in das neue Geschäftsjahr gestartet. Die anhaltende Schwäche bei den Auto- und Maschinenbauern belastet das Geschäft weiterhin. Die Töchter Healthineers und Gamesa schwächelten. Operativ verdiente Siemens daher im Ende Dezember ausgelaufenen ersten Geschäftsquartal deutlich weniger als von Analysten erwartet.

Compugroup will Wachstum mit Übernahme zusätzlich antreiben
Der auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierte Softwareanbieter Compugroup hält seine Aktionäre mit seinen Wachstumsplänen bei Laune. Für 225 Millionen Euro soll einen Teil des IT Healthcare Portfolios von Cerner in Deutschland und Spanien übernommen werden, wie der MDax-Konzern am Mittwoch in Koblenz mitteilte. Zudem will die Compugroup 2020 auch ohne den geplanten Zukauf schneller wachsen als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. Die Aktien schossen daraufhin um mehr als elf Prozent nach oben.

Qiagen wächst langsamer und gerät in die roten Zahlen - Aktie legt zu
Das Gendiagnostik- und Biotechnologieunternehmen Qiagen hat im vergangenen Jahr wegen eines schleppenden China-Geschäfts deutlich an Wachstumstempo eingebüßt. 2019 legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 1,53 Milliarden US-Dollar (1,39 Milliarden Euro) zu, wie das MDax-Unternehmen am Dienstagabend im niederländischen Venlo mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte das Wachstum noch bei sechs Prozent gelegen.

Jagd auf Netflix: Disneys neuer Streaming-Service startet fulminant
Disney hat mit seinem neuen Online-Videodienst einen Turbostart hingelegt. Der erst seit kurzem verfügbare Streaming-Service Disney+ hatte zu Wochenbeginn bereits 28,6 Millionen Kunden, wie der Unterhaltungsriese am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Das Wachstum habe "sogar unsere höchsten Erwartungen übertroffen", sagte Konzernchef Bob Iger in einer Konferenzschalte nach der Präsentation der jüngsten Geschäftsbilanz.

Bausoftwarehersteller Nemetschek steigert Gewinn überraschend deutlich
Die Digitalisierung der Bauwirtschaft hat den Softwareanbieter Nemetschek im vergangenen Jahr weiter angetrieben. Bei einem Umsatzwachstum von fast 21 Prozent auf knapp 557 Millionen Euro wurde eine Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 29,7 (Vorjahr: 26,3) Prozent erzielt, teilte der Konzern überraschend am Mittwoch in München mit.

Airbus stoppt vorläufig Endmontage in China
Der Flugzeugbauer Airbus hat wegen des Coronavirus den Bau von Passagierflugzeugen in China gestoppt. Die A320-Endmontagelinie im Airbus-Werk Tianjin sei geschlossen, teilte der Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Mittwoch in Toulouse mit. Wo dies machbar sei, ermögliche man den Mitarbeitern, per Computer von zu Hause aus zu arbeiten. Ziel sei, dass die Beschäftigten nicht zu den Airbus-Standorten fahren müssten.

BNP Paribas steigert Gewinn dank Sparprogramm wie erwartet - Erträge legen zu
Die französische Großbank BNP Paribas hat 2019 dank lebhafter Märkte und eines Sparprogramms mehr verdient. Der Überschuss sei um fast neun Prozent auf 8,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte die im EuroStoxx 50 notierte Bank am Mittwoch in Paris. Experten hatten mit einem Ergebnis in dieser Größenordnung gerechnet. Die Erträge legten um fünf Prozent auf 44,6 Milliarden Euro zu.

'WSJ': Börsenbetreiber Intercontinental Exchange will Ebay übernehmen
Der Betreiber der New Yorker Börse bietet dem Vernehmen nach auf Ebay. So habe die Intercontinental Exchange Inc den Gesellschaftern des Online-Marktplatzes ein Angebot gemacht, das die Firma mit mehr als 30 Milliarden US-Dollar bewertet, wie das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Es gebe keine formellen Gespräche und es sei nicht sicher, dass die Gespräche zu einem Ergebnis führen. Der Aktienkurs von Ebay stieg auf die Nachricht hin rasant an und lag zuletzt mit 10,5 Prozent im Plus.

Aktionäre kritisieren Siemens-Führung
Aktionäre haben auf der Hauptversammlung des Technologiekonzerns Siemens die Führung rund um Konzernchef Joe Kaeser kritisiert. Dabei standen am Mittwoch in München zwei Themen im Mittelpunkt: der laufende Konzernumbau sowie der umstrittene Auftrag für Signaltechnik für eine australische Kohlemine. Wegen der hohen Anzahl der angekündigten Beiträge schloss Aufsichtsratsvorsitzender Jim Hageman Snabe die Rednerliste bereits am Mittag.

Hannover Rück gelingt Rekordgewinn - Rückenwind bei Vertragserneuerung
Der Rückversicherer Hannover Rück hat 2019 trotz höherer Schäden so viel verdient wie nie zuvor. Auch dank eines Sondergewinns im Zusammenhang mit der Generali Lebensversicherung stand unter dem Strich ein Überschuss von 1,28 Milliarden Euro, wie der weltweit drittgrößte Rückversicherer am Mittwoch auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die Vertragserneuerung zum Jahreswechsel verschaffte dem Unternehmen zudem Rückenwind für 2020. Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz hätte bei seinen Kunden aber gern noch stärker an der Preisschraube gedreht.

Adidas schließt wegen Coronavirus vorübergehend Shops in China
Der Sportartikelhersteller Adidas schließt in China wegen des Coronavirus vorübergehend eine beträchtliche Anzahl eigener Läden. Das bestätigte der Dax-Konzern auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Darüber hinaus würden ähnliche Entwicklungen innerhalb des Franchise-Geschäfts beobachtet, heißt es. Das belaste das China-Geschäft. Allerdings sei es noch zu früh, um die Auswirkungen zu beurteilen.

rtr/dpa-AFX/iw


Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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