DAX-SCHLUSSBERICHT

DAX startet stärker in die Woche - und was Anleger außerdem wissen sollten

DAX startet stärker in die Woche - und was Anleger außerdem wissen sollten

WKN: 868727 ISIN: GB0007370074 Ricardo PLCShs

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06.07.2020 - 09:16
29.06.2020 17:38:00

Der deutsche Aktienmarkt war auch zum Wochenauftakt ohne klare Richtung. Dennoch schloss der Deutsche Leitindex 1,18 Prozent stärker bei 12.232,12 Punkten. Was Investoren verunsicherte und was Anleger außerdem wissen sollten.

Anleger sind nach wie vor hin- und hergerissen zwischen den wieder gestiegenen Corona-Sorgen und Konjunkturdaten, die auf eine Erholung der Wirtschaft hindeuten. Sorgenvoll schauen die Marktteilnehmer vor allem in die USA, wo es erneut zu Lockdown-Maßnahmen kam. Aber auch in Deutschland halten die Befürchtungen einer zweiten Infektionswelle an. "Wegen der Gefahr neuer Coronavirus-Ausbrüche durch die Lockerung der Pandemie-Restriktionen versuchen die Märkte auszuloten, wie die neue Normalität aussehen könnte", sagte auch Analyst Joshua Mahony vom Brokerhaus IG. Der DAX startete dennoch stärker in die neue Woche.

Vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheiten hielt sich die "Antikrisen-Währung" Gold in Reichweite ihres Acht-Jahres-Hochs aus der vergangenen Woche. Das Edelmetall kostete 1772,77 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Auch mit Euro deckten sich Investoren ein. Die Währung gewann ebenfalls. "Die Gespräche zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron werden dem Euro weitere Unterstützung liefern, weil beide entschlossen sind, sich für den europäischen Wiederaufbaufonds die Zustimmung der übrigen EU-Staaten zu sichern", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades.

Die Papiere der Lufthansa weiteten ihren jüngsten Kursrutsch aus. In rund drei Wochen verloren sie inzwischen wieder fast 30 Prozent. Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele sagte der Airline nach der staatlichen Rettung einen "schmerzhaften Weg" während einer "fünf bis sechs Jahre" dauernden Sanierung voraus. Ein Börsianer sieht die Lufthansa-Anleger damit noch einmal an die harte Realität erinnert, zumal Thiele auch eher Patriotismus als finanzielle Erwägungen als Grund für sein Engagement angeführt habe.

Die Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard ziehen nun verstärkt Spekulanten an. Nach einem Verlust von knapp 99 Prozent in den vergangenen sieben Handelstagen haben sich die noch im DAX notierten Aktien am Montag auf etwa vier Euro zeitweise mehr als verdoppelt. Damit fürte Wirecard den DAX an. Gefolgt wurde das Unternehmen von der Deutschen Bank und Covestro. Als Schlusslicht ging RWE aus dem Handel.

Was am Montag an der Börse außerdem wichtig war


Nach Rettung gehen harte Personalverhandlungen bei Lufthansa weiter
Nach der Rettung durch den deutschen Staat gehen bei der Lufthansa die harten Verhandlungen über Einsparungen beim Personal weiter. Die Gewerkschaft Verdi verlangte am Montag für die rund 35 000 von ihr vertretenen Beschäftigten einen besseren Schutz vor Jobverlusten und warnte vor einer Zerschlagung des Konzerns.

Bund will nach Wirecard-Skandal Kontrolle verbessern
Die Bundesregierung will nach dem Bilanzskandal beim Dax-Konzern Wirecard die Kontrolle der Unternehmensbilanzen nachbessern. Ein Sprecher des Justizministeriums sagte am Montag, ein "sachkundiges, wirkungsvolles und effizientes Bilanzkontrollverfahren" sei wichtig, um einen funktionsfähigen und transparenten Kapitalmarkt zu gewährleisten. Zusammen mit dem Finanzministerium werde das Ausmaß des Reformbedarfs analysiert.

Deutsche Börse überarbeitet nach Wirecard-Bilanzskandal Dax-Regelwerk
Nach Kritik am Umgang mit dem in einem Bilanzskandal verstrickten Dax-Konzern Wirecard überarbeitet die Deutsche Börse ihr Regelwerk für die erste deutsche Börsenliga. "Das Vertrauen in den Kapitalmarkt hat offensichtlich in den letzten Tagen gelitten. Als Marktplatzbetreiber ist es auch unsere Aufgabe, das Vertrauen in den Kapitalmarkt zu stärken", teilte der Frankfurter Marktbetreiber am Montag mit.

Airbus drosselt Produktion um 40 Prozent - Entlassungen drohen
Dem Flugzeugbauer Airbus droht ein drastischer Stellenabbau. Als Reaktion auf die Luftfahrt-Krise will der Konzern für zwei Jahre seine Produktion und seine Auslieferungen um 40 Prozent kürzen, wie Airbus-Chef Guillaume Faury der "Welt" (Montag) sagte. "Wir können uns von der Entwicklung bei den Airlines nicht abkoppeln", sagte Faury. Die IG Metall warnt vor einem Kahlschlag und schlägt vor, die wenige Arbeit auf mehrere Köpfe zu verteilen.

Heiße Testphase: Boeing kommt 737-Max-Wiederzulassung näher
Boeings Hoffnung auf eine Wiederzulassung des nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten Krisenfliegers 737 Max steigt. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA und der Flugzeugbauer wollen bereits an diesem Montag mit einer Reihe entscheidender Testflüge beginnen, hieß es aus Kreisen der Behörde. Die FAA habe bereits grünes Licht gegeben. Nach mehr als einjähriger Zwangspause würde Boeing damit einen wichtigen Meilenstein erreichen, was an der Börse bereits zu kräftigen Kursgewinnen führte. Allerdings sind für eine erneute Zertifizierung noch einige weitere Hürden zu nehmen.

Kreise: Commerzbank vor weiteren Einsparungen
Der Aufsichtsrat der Commerzbank wird sich an diesem Mittwoch (1. Juli) nach dpa-Informationen in einer außerordentlichen Sitzung mit neuen Sparplänen des Managements befassen. Die Sitzung sei auf den Vormittag terminiert, hieß es am Montag. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet einen weiteren massiven Personal- und Filialabbau bei dem seit der Finanzkrise 2008/2009 teilverstaatlichten Frankfurter Institut.

250 Millionen für Biontech - Daten zu Covid-Impfstoff bald erwartet
Das Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech bekommt unter anderem durch eine Investition von Singapurs Staatsfonds Temasek frisches Geld. Insgesamt bringe eine Privatplatzierung von Aktien bei Temasek und anderen Investoren 250 Millionen US-Dollar (222 Mio Euro), teilte Biontech am Montag in Mainz mit. Die Summe teile sich auf in rund 139 Millionen Dollar an Stammaktien sowie 112 Millionen Euro an vierjährigen Pflichtwandelanleihen. Der Abschluss der Investition sei für Anfang bis Mitte August geplant.

Borussia Dortmund erwartet zweistelligen Millionenverlust
Der Fußballverein Borussia Dortmund erwartet wegen der Corona-Krise für das laufende Geschäftsjahr 2019/2020 einen Millionenverlust. Trotz eines erwarteten operativen Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von rund 62 Millionen Euro geht der Verein unter dem Strich von einem Verlust von rund 45 Millionen Euro aus, teilte die Gesellschaft am Montag in Dortmund mit. Aufgrund der Größe des eigenen Stadions und der eingeschlossenen VIP-Bereiche seien die Ausfälle durch den Sonderspielbetrieb "ohne Zuschauer" im Vergleich zum Normalbetrieb besonders groß, hieß es weiter. Im Vorjahr blieben noch rund 17,4 Millionen Euro an Nettogewinn hängen.

Aroundtown-Tochter TLG trennt sich von Einzelhandelsimmobilien
Der vor Kurzem von Aroundtown übernommene Immobilienkonzern TLG hat sich von Einzelhandelsimmobilien im Wert von knapp einer halben Milliarde Euro getrennt. Die Objekte befinden sich in ganz Deutschland und wurden über dem letzten Buchwert verkauft, wie TLG Immobilien am Montagmorgen in Berlin mitteilte. Käufer ist der Immobilieninvestor x+Bricks. Dessen Portfoliowert steigt durch den Kauf eigenen Angaben zufolge auf rund eine Milliarde Euro.

Conti-Personalchefin will über Arbeitszeitverkürzung verhandeln
Als Reaktion auf die Corona-Krise steht beim Autozulieferer Continental eine Reduzierung der Arbeitszeiten im Raum. Die Gespräche zur Prüfung würden jetzt beginnen, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Zum zeitlichen Aspekt wollte er sich dabei nicht äußern. Zuvor hatte Personalchefin Ariane Reinhart dem "Handelsblatt" gesagt: "Wir werden die Arbeitszeitverkürzung mit unseren Sozialpartnern besprechen." Sie schlägt die Absenkung demnach statt Kurzarbeit in Bereichen des Zulieferers vor, in denen wegen der Pandemie dauerhaft mit weniger Arbeit zu rechnen ist.

Digitalwirtschaft sieht 'Silberstreifen am Horizont' in Corona-Krise
Die Digitalbranche in Deutschland sieht Lichtblicke in der Corona-Krise. Das geht aus dem Konjunkturbericht des Digitalverbandes Bitkom hervor, der am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Allerdings musste sich die Digitalwirtschaft auch vom ursprünglich ins Auge gefassten Wachstumsziel von plus 1,6 Prozent für das laufende Jahr verabschieden. Nun rechnet der Verband mit einem Umsatzrückgang von 3,3 Prozent auf 163,5 Milliarden Euro.

US-Kosmetikkonzern Coty geht Partnerschaft mit Kim Kardashian West ein
Der US-Kosmetikkonzern Coty hat eine Partnerschaft mit Kim Kardashian West bekannt gegeben. Demnach erwerbe der Kosmetikkonzern einen Anteil von 20 Prozent an Wests Unternehmen KKW Beauty, teilte das Unternehmen am Montag in New York mit. Die Transaktion hat einen Umfang von 200 Millionen US-Dollar (rund 177 Mio Euro) und soll im dritten Quartal des Finanzjahres 2021 abgeschlossen sein, hieß es weiter. Während sich West nach eigener Aussage auf die kreativen Bereiche konzentrieren will, übernimmt Coty die Verantwortung für das Tagesgeschäft. Coty-Aktien legten vorbörslich um mehr als zehn Prozent zu.

BP verkauft Petrochemiegeschäft für fünf Milliarden Dollar
Der Ölkonzern BP verkauft sein Petrochemiegeschäft für insgesamt 5 Milliarden US-Dollar. Käufer ist das britische Chemieunternehmen Ineos, wie BP am Montag in London mitteilte. Dabei erhält der Ölkonzern eine Vorabzahlung von 400 Millionen Dollar, weitere 3,6 Milliarden fließen bei Abschluss der Transaktion, der zum Jahresende erwartet wird. Eine weitere Milliarde Dollar wird in mehreren Tranchen 2021 gezahlt. Mit dem Verkauf schließe BP sein Programm zur Abgabe von Geschäften mit einem Wert von insgesamt 15 Milliarden Dollar ein Jahr früher ab als geplant, erklärte das Unternehmen.

Bombardier will mit Bund-Länder-Bürgschaft Aufträge absichern
Der Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation möchte mit einer Bund-Länder-Bürgschaft Aufträge und Lieferanten absichern. Das gab der Vorsitzende der deutschen Geschäftsführung von Bombardier, Michael Fohrer, am Montag nach einem Gespräch mit Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bekannt. Zu Details wollte er sich nicht äußern. Nach Ansicht von Kretschmer soll Bombardier mit der Bürgschaft für die kommenden Monate Wind in die Segel bekommen. Sachsen engagiere sich, um die Beschäftigung in den Standorten Bautzen und Görlitz zu sichern.
Porsche-Finanzchef Meschke wird auch Vorstand bei Holding Porsche SE
Porsche-Finanzchef Lutz Meschke verantwortet künftig auch das Beteiligungsgeschäft der VW-Dachgesellschaft Porsche SE. Der 54-Jährige übernehme den Posten im Vorstand der Holding von Philipp von Hagen, der das Unternehmen zum 30. Juni auf eigenen Wunsch verlasse, teilte die Porsche SE (PSE) am Montag mit. Seine Aufgaben als Finanzchef und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Sportwagenbauers Porsche AG werde Meschke auch weiter ausführen.

rtr/dpa-AFX/iw


Bildquelle: Lisi Niesner/Reuters

Aktien in diesem Artikel

Airbus SE (ex EADS) 67,93 3,30% Airbus SE (ex EADS)
BioNTech SE (spons. ADRs) 58,15 0,54% BioNTech SE (spons. ADRs)
Boeing Co. 164,50 3,23% Boeing Co.
BVB (Borussia Dortmund) 5,90 0,00% BVB (Borussia Dortmund)
Commerzbank 4,46 7,39% Commerzbank
Continental AG 88,92 2,58% Continental AG
Coty Inc (A) 4,10 0,24% Coty Inc (A)
Deutsche Bank AG 8,88 4,87% Deutsche Bank AG
Deutsche Börse AG 166,40 0,73% Deutsche Börse AG
Lufthansa AG 9,08 1,73% Lufthansa AG
Porsche SE Vz 53,34 0,87% Porsche SE Vz
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