WOCHENAUSBLICK

Handelsstreit und Flüchtlingsfrage halten Anleger in Atem

Handelsstreit und Flüchtlingsfrage halten Anleger in Atem

WKN: 514000 ISIN: DE0005140008 Deutsche Bank AG

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20.07.2018 - 17:35
24.06.2018 15:00:00

Zum Start der Ferienzeit in Deutschland sorgt die Politik für hitzige Diskussionen auf dem Börsenparkett. Vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China treibt den Blutdruck der Anleger in die Höhe. Die Androhung zusätzlicher Zölle auf chinesische Waren durch US-Präsident Donald Trump komme überraschend, sagt Chris Payne, Geschäftsführer des Vermögensverwalters GWM. "Ein ausgewachsener Handelskrieg ist dennoch unwahrscheinlich, weil er niemandem nutzen würde."



Dennoch vergiftet der Konflikt das Börsenklima. In den vergangenen Tagen verlor der Dax etwa 3,5 Prozent auf knapp 12.600 Punkte. Das ist der größte Wochenverlust seit drei Monaten.



FLÜCHTLINGSPOLITIK ENTSCHEIDET ÜBER MERKELS ZUKUNFT

Darüber hinaus fiebern Anleger dem EU-Gipfel am Donnerstag entgegen. Sollte Kanzlerin Angela Merkel dabei keine gemeinsame Lösung für den Umgang mit Flüchtlingen erreichen können, droht der Bundesregierung eine Zerreißprobe. Die CSU gab Bundesinnenminister Horst Seehofer das Mandat, in anderen EU-Staaten registrierte Flüchtlinge zurückzuweisen. Dies soll ab dem 1. Juli umgesetzt werden. Merkel ist gegen einseitige Maßnahmen. In Vorbereitung des Gipfels wollen Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich am Wochenende zu einem Sondertreffen zusammenkommen.


Daneben steht die Reform der Währungsunion auf der Agenda. Deutschland und Frankreich wollen dem Rettungsfonds ESM neue Aufgaben zuweisen und ein eigenes Budget für den Euroraum einführen. Schon diese abgespeckten gemeinsamen Maßnahmen seien aber schwer durchzusetzen, da eine Gruppe von Ländern um die Niederlande bereits Widerstand angekündigt habe, fasst Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen zusammen. "Ein Grund für diese Blockade sind die unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Länder." So habe Italien wegen des hohen Anteils an faulen Krediten in den Bilanzen seiner Banken ein wesentlich größeres Interesse an einer gemeinschaftlichen Einlagensicherung als Länder Finnland, die Niederlande oder Deutschland.

KONJUNKTURDATEN SPIELEN NUR DIE ZWEITE GEIGE

Die politischen Konflikte drängen die Konjunkturdaten in den Hintergrund. In den USA stehen die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher am Freitag auf dem Terminplan. Von diesen Zahlen erhoffen sich Anleger Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Diesseits des Atlantik werden die deutschen und europäischen Inflationszahlen am Donnerstag beziehungsweise Freitag veröffentlicht. Außerdem gibt der GfK-Index am Donnerstag Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Wenige Stunden später folgt das Barometer für die Stimmung in den europäischen Chef-Etagen.

Mit Spannung warten Anleger zudem auf die zweite Runde der Stresstests der US-Notenbank für die Geldhäuser in den Vereinigten Staaten. Den ersten, als leichter geltenden Teil der Simulation von Auswirkungen eines extremen Wirtschaftsabschwungs bestand die US-Tochter der Deutschen Bank glatt. Einem Zeitungsbericht zufolge hatte die Fed das US-Geschäft des deutschen Branchenprimus zuvor als "in schwierigem Zustand" bezeichnet.

TÜRKEI-WAHL IM BLICK

Mit einem Auge blicken Börsianer zudem auf die Parlaments- und Präsidentschaftswahl in der Türkei. Umfragen zufolge droht der Partei AKP des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan der Verlust ihrer Mehrheit. Erdogan selbst werde sich voraussichtlich einer Stichwahl stellen müssen. Unabhängig vom Ausgang der Wahl stehe das Land vor einer Herkules-Aufgabe, sagt Markus Schneider, Volkswirt beim Vermögensverwalter AllianceBernstein. "Die Regierung muss sich von dem schier unmöglichen Ziel verabschieden, zugleich hohes Wachstum, niedrige Zinsen und geringe Inflation zu erreichen."

rtr

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Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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