DAX-SCHLUSSBERICHT

'Resthoffnung' zum Ende einer tristen Woche

 'Resthoffnung' zum Ende einer tristen Woche
10.05.2019 18:06:40

FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz neuer Zölle der USA auf Importe aus China haben sich Anleger am Freitag wieder etwas zuversichtlicher gezeigt. Der Dax, der am Vortag noch auf den tiefsten Stand seit Mitte April gefallen war, erholte sich um 0,72 Prozent auf 12 059,83 Punkte. Gleichwohl war es eine maue Börsenwoche für Anleger: Der Dax büßte knapp drei Prozent ein, womit die Rally seit Jahresbeginn einen Dämpfer erhielt. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel stieg am Freitag um 1,05 Prozent auf 25 488,53 Zähler.

US-Präsident Donald Trump verschärfte den Handelskrieg mit China drastisch und stimmte die Welt auf eine langwierige Auseinandersetzung ein. Ungeachtet der laufenden Gespräche mit China erhöhten die USA die Sonderzölle auf Einfuhren aus dem Land um mehr als das Doppelte. Chinas Chefunterhändler Liu He kritisierte dies, gab sich gleichzeitig aber zuversichtlich: "Wir wollen einige der Differenzen ehrlich, zuversichtlich und rational lösen", sagte Liu He. "Ich denke, es gibt Hoffnung."

Von einer "Resthoffnung auf Einigung" im Handelsstreit sprach denn auch Analyst Manuel Andersch von der BayernLB. Trotz der jüngsten Eskalation der Auseinandersetzung gebe es doch immer wieder "Hoffnungsschimmer".

Euphorisch reagierten Investoren auf einen Paukenschlag von Thyssenkrupp: Der Industriekonzern rechnet damit, dass die geplante Zusammenlegung des Stahlgeschäfts mit dem von Tata Steel scheitert. Stattdessen haben die Essener einer Konzernaufspaltung eine Absage erteilt und erwägen nun einen Börsengang der Aufzugssparte. Daraufhin schoss der Kurs um fast 30 Prozent nach oben auf den höchsten Stand seit drei Monaten.

"Den starken Kursanstieg führen wir vor allem darauf zurück, dass Klarheit im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Konzerns geschaffen wurde", sagte Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank. Die Aufzugssparte sei das "Kronjuwel" im Portfolio der Essener und dürfte folglich bei Investoren auf großes Interesse stoßen, argumentierte Alan Spence vom US-Broker Jefferies.

In eine neue Runde ging der Reigen der Quartalsbericht von Unternehmen. Die Deutsche Post ist dank des Verkaufs ihrer Lieferketten-Logistik in China mit einem Gewinnsprung ins Jahr gegangen. Der Kurs schloss nach anfangs starken Schwankungen leicht im Minus.

Bei Bechtle lobte Analyst Knut Woller von der Baader Bank ein starkes Wachstum des IT-Systemhauses trotz eines schwierigen konjunkturellen Umfelds. Die Papiere zogen um fast zehn Prozent an und erreichten ein Rekordhoch jenseits von 100 Euro. Sie hievten auch die Papiere des IT-Dienstleisters Cancom um 3,6 Prozent mit nach oben.

Die Papiere von GEA sprangen um fast zehn Prozent nach oben. Der Anlagenbauer für die Lebensmittelindustrie habe im ersten Quartal gut abgeschnitten, urteilte Analyst Sven Weier von der Bank UBS. Die Aktien von Xing (XING (New Work)) litten mit einem Minus von 5,6 Prozent unter einem negativen Analystenkommentar. Die Privatbank Berenberg hatte die Papiere zum Verkauf empfohlen.

Schließlich wurden vor dem Wochenende einige Aktien mit Dividendenabschlag gehandelt. Dazu zählen die Papiere des Sportartikelherstellers adidas und des Baustoffkonzerns HeidelbergCement.

Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 (EURO STOXX 50) blieb die Erholung am Freitag mit 0,31 Prozent auf 3361,05 Punkte hinter der des Dax zurück, ebenso wie die des Cac 40 an der Pariser Börse. Der Londoner FTSE 100 schloss leicht im Minus. Der Dow Jones Industrial lag zum europäischen Handelsschluss mit 1,2 Prozent deutlich im Minus.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,13 Prozent am Vortag auf minus 0,11 Prozent. Der Rentenindex Rex (REX Gesamt Kursindex) fiel um 0,09 Prozent auf 143,13 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,03 Prozent auf 166,19 Punkte nach.

Der Euro notierte zuletzt bei 1,1242 US-Dollar. Der Dollar kostete damit 0,8896 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1230 (Donnerstag: 1,1193) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8905 (0,8934) gekostet./bek/mis

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

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