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Robert Halver: Warum die schlechte Stimmung an den Börsen übertrieben ist

Robert Halver: Warum die schlechte Stimmung an den Börsen übertrieben ist
03.12.2018 03:10:00

Gemäß ifo-Daten trübt sich das Wirtschaftsvertrauen der deutschen Unternehmen weiter ein. Die noch ungelösten Krisen in Europa - Brexit und italienische Schuldenfrage - vor allem aber der schwelende Handelskonflikt wirken als Stimmungsbremse für Aktien. Aber gibt es bei so viel Schatten nicht auch zumindest Lichtblicke? Was könnte die Aktienmärkte erhellen?



Wenn die Weltwirtschaft schwächelt, kann die deutsche nicht stark sein



Nach einer Zwischenerholung im Sommer sind der ifo Geschäftsklimaindex und seine Subindices Geschäftserwartungen und Geschäftslage im November jeweils zum dritten Mal in Folge gefallen und haben Abwärtstrends etabliert.




Neben dem Brexit und der italienischen Schuldenfrage hängt vor allem das Damoklesschwert der US-chinesischen Zolldiskussion über der exportlastigen deutschen Wirtschaft. Da China ein neuralgischer Punkt für die Weltkonjunktur ist, schlägt sich die verhaltene chinesische Industriestimmung naturgemäß in schwächeren deutschen ifo Exporterwartungen nieder.




Die rückläufigen deutschen Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate sind nicht nur auf das Verarbeitende Gewerbe beschränkt. Auch der Handel sieht mit Skepsis in die Zukunft. Insbesondere der Großhandel fürchtet neben der internationalen Zolldiskussion auch Verwerfungen durch einen No Deal-Brexit, der Export- und Importwarenströme zwischen Großbritannien und dem Kontinent behindern würde. Immerhin zeigt sich der Dienstleistungssektor trotz Abschwächung in vergleichsweise robuster Verfassung.



In der gesamten Eurozone hat sich ein Stimmungsabschwung in Industrie und Dienstleistungsgewerbe fest etabliert.



Die ifo Konjunkturmatrix für Deutschland, die Geschäftslage und -erwartungen zueinander in Beziehung setzt, deutet in der Tat auf eine gebremste Wachstumsdynamik hin. Noch jedoch befindet sich die deutsche Wirtschaft in der konjunkturellen Zyklusphase "Boom". Noch ist von Rezession nicht die Rede.



Aktienfundamentalismus mit Schlagseite



Da nach Eintrübung der Konjunkturstimmung mit einer Verzögerung von sechs Monaten typischerweise nachgebende Unternehmensgewinne folgen, gerät der Ertragstrend deutscher Unternehmen zunächst weiter unter Druck.



Auch damit ist Deutschland nicht allein. Das Gewinnwachstum geht auch in der Eurozone und in den Schwellenländern zurück. Vergleichsweise stabil sind die Gewinne in den USA, doch dürften selbst sie ihren Zenit überschritten haben. Aufgrund des Handelsstreits sprechen vereinzelte US-Unternehmen bereits von verhalteneren Geschäftsperspektiven, siehe General Motors.



Der Zinsrealismus ist in der Chefetage der Fed angekommen



Doch wo die konjunkturelle Not am größten, da sind die Notenbank am nächsten. Die selbst in den USA stockenden Konjunkturperspektiven haben jetzt auch den US-Notenbankpräsident Powell und nicht nur seine Beisitzer bewogen, sanftere Zinstöne anzuschlagen. Laut Powell liegt der US-Leitzins nur noch knapp unter dem für die Wirtschaft neutralen Niveau, bei dem sich Risiken der konjunkturellen Überhitzung und des wirtschaftlichen Abschwungs ausgleichen. Solche Aussagen lassen aufhorchen, waren doch die amerikanischen Leitzinsen laut Fed noch Anfang Oktober weit entfernt von jeglicher Neutralität und sollte insofern der Zinserhöhungskurs bis 2020 fortgesetzt werden.

Mit Powells Aussage, dass sich "die Dinge oft anders als die Prognosen entwickeln" könnte die Fed ab 2019 sogar komplett auf Zinserhöhungen verzichten. Die Terminmärkte erwarten bereits nur noch eine Zinserhöhung im kommenden Jahr. Korrespondierend haben sich auch die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit Mitte September zurückgebildet. Zins- und Renditeerhöhungsängste haben als maßgebliche Risikofaktoren für Aktien ausgedient.



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