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Goldpreis-Entwicklung - Was die Experten für 2018 erwarten, Teil 1

Goldpreis-Entwicklung - Was die Experten für 2018 erwarten, Teil 1

WKN: ISIN: JP3161270008 EXTREME CO.LTD.

01.02.2018 14:00:00

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Dr. Dora Borbély, Rohstoffexpertin bei der Dekabank: Goldpreis dürfte 2018 eher stagnieren




Frau Dr. Dora Borbely, Deka Bank


Der Goldpreis hat 2017 auf Dollar-Basis rund zehn Prozent gewonnen. Damit hat sich das Edelmetall im abgelaufenen Jahr einigermaßen ordentlich geschlagen. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Dora Borbély: Das Jahr 2017 hat erneut gezeigt, wie stark sich der Goldpreis an den US-Zinsen orientiert. Wann immer die 10-jährigen Treasury-Renditen gefallen sind, ist der Goldpreis gestiegen und umgekehrt. Es war damit auch kein Zufall, dass der Goldpreis Anfang September seinen Höchststand im vergangenen Jahr erreicht hat und genau zu dieser Zeit die US-Zinsen so niedrig waren wie das ganze Jahr nicht mehr. Aber nicht nur von den zeitweise fallenden Zinsen hat der Goldpreis profitiert. Auch die zwischenzeitlichen krisenbedingten Nachrichten, ob aus Nordkorea, von Seiten der Wahlen in Frankreich oder aus der Brexit-Ecke, haben den Goldpreis beflügelt.

Die US-Notenbank steht vor einem Führungswechsel. Voraussichtlich im Februar wird Jerome Powell an die Fed-Spitze rücken. Powell hat bei einer Anhörung vor dem Banken-Ausschuss des Senats Ende November bereits durchblicken lassen, dass er den bisherigen Kurs fortsetzen und die Zinszügel 2018 weiter anziehen will. Wie könnte sich eine solche geldpolitische Normalisierung in den USA auf den Goldpreis auswirken?



Mit höheren Zinsen steigen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, Gold wird also in Relation zu anderen Anlageklassen unattraktiver. Solange aber die Zinsen nur langsam ansteigen, dürfte die geldpolitische Normalisierung von dieser Seite her nur begrenzte Auswirkungen auf den Goldpreis haben. Insofern gehen wir nur von einem leichten Rückgang des Goldpreises aus.

Wo sehen Sie 2018 die größten Risiken für den Goldpreis, wo mögliche Treiber?

Das Abschmelzen der US-Zentralbankbilanz sowie die Fortsetzung des Leitzinserhöhungszyklus im Zuge der geldpolitischen Normalisierung dürften Auswirkungen nicht nur auf Anleihen, sondern durchaus auch auf andere Anlageklassen wie Aktien oder Gold haben. Sollte es diesbezüglich zu erhöhter Volatilität bzw. Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten kommen, könnte Gold in seiner Eigenschaft als "sicherer Hafen" vorübergehend hiervon profitieren. Für die zweite Jahreshälfte rechnen wir allerdings in der Tendenz wieder mit steigenden Renditen, was mit leicht fallendem Goldpreis einhergehen müsste. Daneben werden auch im kommenden Jahr politische Themen oder der Außenwert des US-Dollar den Goldpreis immer wieder beeinflussen können.

Welche Anlageklasse sollten Goldanleger bevorzugen: Goldminenaktien, Fonds, ETFs, Derivate oder physisches Gold?

Deckt man Gold über Aktien von Goldminenunternehmen ab, muss man bedenken, dass diese zum Teil stärker durch unternehmensspezifische als durch rohstoffmarktspezifische Faktoren beeinflusst werden. Physisches Gold zu halten bietet zwar den Vorteil des "Anfassen-Könnens", es ist allerdings in der Regel mit Lagerkosten verbunden. Physisch hinterlegte ETCs haben den Vorteil, dass das Emittentenrisiko minimiert wird.

Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Der Goldpreis hat unter Schwankungen über eine lange Zeitspanne gerechnet die Inflation ausgeglichen - mehr aber auch nicht. Denn laufende Erträge gibt es nicht, also keine Zinsen oder Dividenden. Für den sicherheitsorientieren Anleger ist nichts gegen die Beimischung von Gold in einem ausgewogenen Portfolio einzuwenden. Es ist aber aus unserer Sicht wenig sinnvoll, größere Vermögensbestandteile in Gold anzulegen. Der empfehlenswerte Anteil hängt in besonderem Maße vom individuellen Sicherheitsbedürfnis ab. Unter rationalen Gesichtspunkten wie dem Diversifikationseffekt sollte Gold aber nur einen einstelligen Prozentsatz als Anteil im Portfolio ausmachen.

Wo steht der Goldpreis Ende 2018?

Auf Basis unserer Konjunktur- und Finanzmarktprognose dürfte sich der Goldpreis am Jahresende 2018 in Richtung 1220 US-Dollar bewegt haben. Hierfür unterstellen wir, dass der globale Aufschwung robust weitergeht, die Notenbanken den langsamen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik behutsam vorantreiben, somit also weder die Inflation noch die Anleiherenditen stark ansteigen.

Auf Seite 3: Dr. Thorsten Polleit, Chef-Volkswirt Degussa Goldhandel



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Bildquelle: Arnd Wiegmann/Reuters, Flossbach von Storch AG, Deka Bank, Polleit & Riechert

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