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Goldpreis-Entwicklung - Was die Experten für 2018 erwarten, Teil 1

Goldpreis-Entwicklung - Was die Experten für 2018 erwarten, Teil 1

WKN: ISIN: JP3161270008 EXTREME CO.LTD.

01.02.2018 14:00:00

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Dr. Thorsten Polleit, Chef-Volkswirt Degussa Goldhandel: Das größte Risiko ist die Fed





Der Goldpreis hat 2017 auf Dollar-Basis rund zehn Prozent gewonnen. Damit hat sich das Edelmetall im abgelaufenen Jahr einigermaßen ordentlich geschlagen. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Thorsten Polleit: Bekanntlich ist es mit erheblichen Unsicherheiten verbunden, den "richtigen" Goldpreis zu bestimmen. Aber mit Blick auf die weltweite Zins- und Geldmengenentwicklung gibt es Indizien, die andeuten, dass der Goldpreis nach wie vor relativ günstig ist. An dieser Einschätzung hat der Preisanstieg in diesem Jahr nichts geändert.

Die US-Notenbank steht vor einem Führungswechsel. Voraussichtlich im Februar wird Jerome Powell an die Fed-Spitze rücken. Powell hat bei einer Anhörung vor dem Banken-Ausschuss des Senats Ende November bereits durchblicken lassen, dass er den bisherigen Kurs fortsetzen und die Zinszügel 2018 weiter anziehen will. Wie könnte sich eine solche geldpolitische Normalisierung in den USA auf den Goldpreis auswirken?

Steigende US-Zinsen belasten den Goldpreis. Die Goldhaltung verteuert sich: Wer Gold hält, dem entgehen Zinserträge. Das dämpft die Geldnachfrage und den Preis des gelben Metalls. Doch es wird vermutlich keine echte "Normalisierung" der Zinsen geben. Dazu ist die USA, ist die Weltwirtschaft zu bereits zu hoch verschuldet. Die US-Zinskurve flacht sich bereits ab - ein Anzeichen, dass das Konjunktur- und Finanzmarktfeuerwerk bald verpufft sein könnte.

Wo sehen Sie 2018 die größten Risiken für den Goldpreis, wo mögliche Treiber?

Da größte Risiko: Die Fed könnte die Zinsschraube zu stark anziehen. Kurzfristig wäre das negativ für den Goldpreis. Mittel- bis langfristig vermutlich nicht. Denn bei zu hohen Zinsen stünde die nächste Wirtschafts- und Finanzkrise ins Haus, und Gold wäre wieder verstärkt als "sicherer Hafen" gefragt. Der größte Treiber für den Goldpreis: Es setzt sich die Einsicht auf den Märkten durch, dass es keine Zinsnormalisierung geben wird, weder dies- noch jenseits des Atlantiks, und dass die Monetisierung der Schulden weitergeht.

Welche Anlageklasse sollten Goldanleger bevorzugen: Goldminenaktien, Fonds, ETFs, Derivate oder physisches Gold?

Das kommt darauf an, welche Ziele verfolgt werden. Wer kurzfristig Gold handelt, für den können Gold-ETFs und Gold-Zertifikate durchaus attraktive Formate sein. Bei Goldminenaktien sollte der Anleger sich bewusst machen, dass er ein unternehmerisches Risiko eingeht. Der Erfolg eines Minenunternehmens und damit sein Aktienkurs hängen nicht allein am Goldpreis! Wer wie ich Gold als eine Währung - als das ultimative Zahlungsmittel und Versicherung für das Vermögensportfolio - ansieht, der ist gut beraten, wenn der physisches Gold kauft. Das ist für jeden einfach und kostengünstig darstellbar.

Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Jeder Anleger muss entscheiden, welchen Anteil seines Portfolios er investiert - beispielsweise in Aktien - und welchen Anteil seines Portfolios er in Form liquider Mittel zu halten wünscht. Mit Aktien von "großartigen Unternehmen" wird der Anleger langfristig gut fahren. Da bin ich überzeugt. Gold sehe ich, wie gesagt, als Währung. Gold steht im Wettbewerb mit US-Dollar, Euro, japanischem Yen und Schweizer Franken. Gold ist zudem eine Versicherung: Es kann nicht durch das Geldmengenvermehren der Zentralbanken - also durch Inflation - oder Zahlungsausfälle entwertet werden. Um konkreter zu werden: Ich denke, Gold ist längst der natürliche Ersatz geworden für Termin- und Spareinlagen, die dem Anleger bereits Verluste bescheren.

Wo steht der Goldpreis Ende 2018?

Das weiß ich leider nicht. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es keine verlässlichen Preisprognosen gibt, schon gar nicht, wenn sie mit einem Zeitpunkt versehen werden. Lassen Sie mir an dieser Stelle das Folgende sagen: Das weltweite ungedeckte Papiergeldsystem hat bereits schwere Schlagseite. Diese Wahrheit wird durch die extreme Niedrigzinspolitik und den Konjunkturaufschwung überdeckt. Gold ist eine Möglichkeit, dem absehbaren Kaufkraftverlust der großen Währungen die Stirn zu bieten. Mittel- bis langfristig steigt der Preis des Goldes in allen großen Währungen weiter an. Das ungedeckte Papiergeld ist ein Auslaufmodell.

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Bildquelle: Arnd Wiegmann/Reuters, Flossbach von Storch AG, Deka Bank, Polleit & Riechert

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