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Goldpreis-Entwicklung: Was die Experten für 2019 erwarten, Teil 1

Goldpreis-Entwicklung: Was die Experten für 2019 erwarten, Teil 1

WKN: A2JGMN ISIN: CA3609291032 GAR Ltd (A)

21.04.2019 03:00:00

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Dr. Dora Borbély, Rohstoffexpertin bei der Dekabank: Goldpreis dürfte im Jahresverlauf 2019 noch etwas nachgeben


Frau Dr. Dora Borbely, Deka Bank


BÖRSE ONLINE: Das Jahr 2018 stand im Zeichen des Brexit, wachsender Spannungen zwischen der EU und Italien, sowie dem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Zuletzt ist zudem die Ukraine-Krise wieder aufgeflammt. Trotzdem hat die Krisenwährung Gold im abgelaufenen Jahr rund fünf Prozent verloren. Wie erklären Sie sich diese Schwäche?

Dora Borbély: All diese Krisenthemen von 2018 haben zu Verunsicherung bei Unternehmen, Konsumenten und Finanzmarktteilnehmern geführt, sich aber bislang noch nicht nennenswert negativ in der realwirtschaftlichen Entwicklung widerspiegelt. Auch beim Goldpreis haben die Krisenthemen keinen sichtbaren Niederschlag gefunden. Vielmehr haben die spekulativ orientieren Goldmarktteilnehmer in der zweiten Jahreshälfte sogar mehrheitlich auf fallende Goldpreise gewettet, was bislang eher selten vorkam. So hat das für die Weltwirtschaft gute Jahr 2018 verdeutlicht, dass in Zeiten ohne akute Krisen der Goldpreis vor allem vom Zinsniveau in den USA maßgeblich beeinflusst wird.

Die US-Notenbank hat zuletzt mehrfach angedeutet, ihren geldpolitischen Kurs auch 2019 fortzusetzen und die Zins-Zügel weiter anzuziehen. Was bedeutet ein solcher Kurs für den US-Dollar und was für den Goldpreis?

Die von den USA ausgehende Straffung der Geldpolitik spielt für den Goldmarkt eine große Rolle. Denn auch im Rest der Welt beginnen die Zinsen allmählich wieder zu steigen. Die Renditen gehen zwar nur langsam nach oben, denn das Tempo der Leitzinsanhebungen in den USA ist moderat. Doch auch mit leicht steigenden Zinsen wird die Goldhaltung in Relation zu festverzinslichen Anlagen unattraktiver, die Opportunitätskosten der Goldhaltung steigen.

Wo sehen Sie 2019 die größten Risiken für den Goldpreis, wo mögliche Treiber?

Solange die Zinsen nur langsam ansteigen, sollte die geldpolitische Normalisierung nur begrenzte Auswirkungen auf den Goldpreis haben. So dürfte der Goldpreis im Jahresverlauf 2019 in der Tendenz noch etwas nachgeben, weil das Zinsniveau insbesondere in den USA leicht ansteigen wird. Für das Jahr 2020 erwarten wir allerdings, dass die US-Notenbank erste Leitzinssenkungen ins Visier nimmt, was am Goldmarkt mit einem zeitlichen Vorlauf zu leicht steigenden Goldpreisen beitragen dürfte. Zugleich bleibt die politische Unsicherheit weiterhin recht hoch, was jederzeit für stärkere Preisschwankungen sorgen kann.

Welche Anlageklasse sollten Goldanleger bevorzugen: Goldminenaktien, Fonds, ETFs, Derivate oder physisches Gold?

Deckt man Gold über Aktien von Goldminenunternehmen ab, muss man bedenken, dass diese zum Teil stärker durch unternehmensspezifische als durch rohstoffmarktspezifische Faktoren beeinflusst werden. Physisches Gold zu halten bietet zwar den Vorteil des "Anfassen-Könnens", es ist allerdings in der Regel mit Lagerkosten verbunden. Physisch hinterlegte ETCs haben den Vorteil, dass das Emittentenrisiko minimiert wird.

Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Der Goldpreis hat unter Schwankungen über eine lange Zeitspanne gerechnet die Inflation ausgeglichen - mehr aber auch nicht. Denn laufende Erträge gibt es nicht (keine Zinsen, keine Dividenden). Für den sicherheitsorientierten Anleger ist nichts gegen die Beimischung von Gold in einem ausgewogenen Portfolio einzuwenden. Es ist aber aus unserer Sicht wenig sinnvoll, größere Vermögensbestandteile in Gold anzulegen. Der empfehlenswerte Anteil hängt in besonderem Maße vom individuellen Sicherheitsbedürfnis ab. Unter rationalen Gesichtspunkten wie dem Diversifikationseffekt sollte Gold aber nur einen einstelligen Prozentsatz als Anteil im Portfolio ausmachen.

Wo erwarten Sie den Goldpreis Ende 2019?

Sollen sich die Rahmenbedingungen unserer Konjunktur- und Finanzmarktprognosen als richtig erweisen, dürfte sich der Goldpreis am Jahresende 2019 in Richtung 1150 bis 1200 US-Dollar je Feinunze bewegt haben. Hierfür unterstellen wir, dass der globale Aufschwung sich zwar abschwächt, aber weitergeht, und die Notenbanken den langsamen Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik behutsam vorantreiben, somit also weder die Inflationsraten noch die Anleiherenditen stark ansteigen.

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Bildquelle: Yuriko Nakao/Reuters, Flossbach von Storch AG, Deka Bank

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