BO-EXPERTEN-UMFRAGE

Goldpreis-Entwicklung: Was die Experten für 2019 erwarten, Teil 2

Goldpreis-Entwicklung: Was die Experten für 2019 erwarten, Teil 2

WKN: A2JGMN ISIN: CA3609291032 GAR Ltd (A)

09.01.2019 04:10:00

Gold hat ein schwaches Jahr hinter sich und notiert Ende 2018 rund fünf Prozent niedriger als zum Jahresbeginn. Nun fragen sich viele Anleger: Wie geht es mit Gold 2019 weiter? Im zweiten Teil der großen BO-Experten-Umfrage erklären Robert Halver (Baader Bank), Alexander Zumpfe (Heraeus) und Roland-Peter Stöferle (Incrementum), wie viel Gold ins Depot gehört, wo sie die größten Risiken sehen und was sie dem Edelmetall im nächsten Jahr zutrauen. Von Thomas Schmidtutz



Robert Halver, Leiter Kapitalmarkt-Analyse: Die Notenbanken bleiben ein Risiko für Gold




Robert Halver


BÖRSE ONLINE: Das Jahr 2018 stand im Zeichen des Brexit, wachsender Spannungen zwischen der EU und Italien, sowie dem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Zuletzt ist zudem die Ukraine-Krise wieder aufgeflammt. Trotzdem hat die Krisenwährung Gold im abgelaufenen Jahr rund fünf Prozent verloren. Wie erklären Sie sich diese Schwäche?

Robert Halver: Insbesondere die Fed sorgte mit ihrem Zinserhöhungsprogramm und einem damit festeren US-Dollar für Gegenwind. Grundsätzlich bewegt sich der Goldpreis gegensätzlich zur US-Währung. Und ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube: Die Notenbanken haben kein Interesse an einem nachhaltig steigenden Goldpreis, der die Dominanz ihrer Währung "Geld" konterkarieren würde. Denn nur mit dieser beliebig vermehrbaren Droge ist die anhaltend überbordende weltweite Verschuldung noch zu finanzieren.


Der Gegenwind für den Goldpreis hatte zwischenzeitlich selbst physische Investoren bewogen, sich teilweise von ihren Positionen zu trennen. Damit sicherten sie sich die zwischen Anfang 2017 und April 2018 angefallenen deutlichen Buchgewinne, um sich an zwischenzeitlich attraktiveren Zinsen zu laben.

Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass der Verkaufsdruck nach dem reinigenden Gewitter nachlässt.

Die US-Notenbank hat zuletzt mehrfach angedeutet, ihren geldpolitischen Kurs auch 2019 fortzusetzen und die Zins-Zügel weiter anzuziehen. Was bedeutet ein solcher Kurs für den US-Dollar und was für den Goldpreis?

Waren die amerikanischen Leitzinsen gemäß Fed noch Anfang Oktober weit entfernt von jeglicher Neutralität und sollte insofern der Zinserhöhungskurs bis 2020 fortgesetzt werden, so spricht US-Notenbankchef Powell jetzt davon, dass der US-Leitzins nur noch knapp unter dem für die Wirtschaft neutralen Niveau, bei dem sich Risiken der konjunkturellen Überhitzung und des wirtschaftlichen Abschwungs ausgleichen. Solche sanften Zinstöne lassen aufhorchen. Da die USA ihren Konjunkturgipfel hinter sich haben, spricht viel dafür, dass es 2019 keine weiteren Zinserhöhungen mehr gibt. Ein insofern geschwächter Dollar stützt den Goldpreis.

Wo sehen Sie 2019 die größten Risiken für den Goldpreis, wo mögliche Treiber?

Das größte Risiko ist, dass die Notenbanken den Goldpreis weiter unter Druck halten.

Treiber für den Goldpreis bleiben die zahlreichen Krisen, die mit Blick auf den Handelskonflikt oder die erneut aufflammende Ukraine-Krise auch 2019 nicht ausgestorben sind. Auch die weitere Brexit-Frage ist offen. Und am Beispiel Italien sieht man, dass von der Europäischen Stabilitätsunion nur Scherben übriggeblieben sind. Es lebe die Schuldenunion! Nicht zuletzt besteht Unsicherheit vor dem Ausgang der Europa-Wahl im Mai 2019, bei der Euro-skeptische Abgeordnete die Mehrheit erringen könnten.

Überhaupt spricht für Gold, dass Zinssparen so attraktiv wie Fußpilz ist. Es ist die todsichere Vermögensvernichtung. So liegt z.B. die durchschnittliche Rendite deutscher Staatsanleihen nach Inflation bei minus zwei Prozent. Wer spart, wird entspart. Finanzpolitiker beobachten diese Entwicklung durchaus freudig erregt. Weltweit galoppierende Staatsschulden werden von negativen Realzinsen aufgefressen wie grüne Wiesen von Heuschrecken. Übrigens, die tatsächliche Inflation ist höher als die geschönte offizielle. Realer Vermögenserhalt über Edelmetalle ist in unserer Finanzwelt von entscheidender Bedeutung.

Welche Anlageklasse sollten Goldanleger bevorzugen: Goldminenaktien, Fonds, ETFs, Derivate oder physisches Gold?

Bei Goldminenaktien und Fonds kommen die typischen Risiken einer Aktie hinzu: Arbeitet das Unternehmensmanagement effizient? Betreibt es eine vernünftige Förderpolitik? Zu welchen Goldpreisen hat es sich abgesichert? Gibt es standortpolitische Handicaps wie z.B. Streiks oder soziale Unruhen? Eine kostengünstige Alternative zu physischem Gold sind Gold-ETFs, die wegen ihrer Marktliquidität auch einen problemlosen Verkauf sicherstellen. Als solide Vermögensversicherung gegen finanz- und geopolitische Risiken, die gerade im systemischen Schadensfall nicht ausfällt, ist physisches Gold aber unschlagbar. Mit Derivaten können die Anleger auf kurzfristige Bewegungen beim Goldpreis handeln. Mit diesen Instrumenten lassen sich im Übrigen physische Bestände gegen Preisrückgänge absichern.

Wie hoch sollte der Anteil von Gold im Depot sein?

Das sollten die Anleger für sich individuell entscheiden. Als solide Vermögensversicherung gegen finanz- und geopolitische Risiken sollten es aber etwa 10 Prozent schon sein. Denn für das süße Gift der reformverweigernden Schuldenfrönerei mit geldpolitischem Segen werden wir irgendwann die Rechnung präsentiert bekommen. Müßiggang hatte in der Finanzwelt noch nie langfristigen Erfolg: Noch nie wurden die großen Staatsschulden der Vergangenheit zurückgezahlt. Staatspapiere hatten am Ende immer wieder nur einen Wert: Brennwert. Diese Regel wird auch in unserer heutigen Finanzwelt nicht gebrochen, schon gar nicht angesichts der unglaublich hohen weiter galoppierenden Verschuldung. Gold dagegen hat alle Krisen überlebt und ist unschätzbar wertvoll in puncto Werterhaltungsfunktion.

Wo erwarten Sie den Goldpreis Ende 2019?

Der Goldpreis notiert Ende 2019 bei 1.300 US-Dollar je Unze. Abseits eskalierender Konflikte kommen dem Edelmetall insgesamt zwar nicht die fundamental völlig gerechtfertigten Kurssteigerungen zugute. Doch bleibt Gold garantiert die sicherste aller Vermögensformen. Selbst bei Erscheinen eines besonders großen schwarzen Schwans fällt es nicht aus und gewährt Lebenssicherheit. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Notenbanken: Sie drücken zwar den Goldpreis, kaufen aber zu den von ihnen subventionierten Preisen Gold weiter auf. Und wenn sie als Geld-Gläubige mit Gold fremdgehen, werden sie wissen warum. Bleiben sie Gold bitte treu. Bei Gold zählt der langfristige Besitz, nicht die kurzfristige Rendite.

Auf Seite 2: Alexander Zumpfe, Heraeus



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Bildquelle: Eric Chiang/123RF, Finanzen Verlag, Wolfgang Hartmann/Heraeus, Incrementum

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