Dies ließ sich unter anderem am nachlassenden Interesse an Gold-Futures ausmachen. Laut aktuellem Commitments-of-Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC hat sich in der Woche zum 23. Februar die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) von 503.000 auf 481.100 Futures (-4,4 Prozent) reduziert. Sowohl Großspekulanten (Non-Commercials) als auch Kleinspekulanten (Non-Reportables) haben ihren Optimismus signifikant zurückgefahren. Innerhalb einer Woche hat sich dadurch die kumulierte Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten von 275.100 auf 251.700 Kontrakte (-8,5 Prozent) ermäßigt. Dies stellte den niedrigsten Wert seit mehr als acht Monaten dar.

Große Terminspekulanten haben zum Beispiel ihre Long-Seite um 19.500 Futures kräftig reduziert, während ihr Short-Exposure nahezu unverändert blieb. Ihre Netto-Long-Position hat sich somit von 235.000 auf 215.700 Futures (-8,2 Prozent) besonders kräftig ermäßigt. Auch Kleinspekulanten sind deutlich skeptischer geworden. Deren Netto-Long-Position musste einen Einbruch von 40.100 auf 36.000 Futures (-10,2 Prozent) hinnehmen.

Steigende Zinsen haben das Interesse an einem Goldinvestment spürbar belastet, weil dies zu steigenden Opportunitätskosten (Zinsverzicht) geführt hat. Massiver Verkaufsdruck kam aber nicht nur von den Terminmärkten, auch ETF-Investoren haben sich im großen Stil von Gold getrennt. Allein beim weltgrößten Gold-ET SPDR Gold Shares ging es im Februar mit der gehaltenen Goldmenge von 1.160,13 auf 1.093,53 Tonnen (minus 66,6 Tonnen) steil bergab.

Rohstoffe hui, Gold pfui


Besonders auffällig: Während Rohstoffe 2021 einen regelrechten Höhenflug erlebt haben, geriet Gold eher ins Abseits. Seit dem Jahreswechsel erzielte zum Beispiel der Bloomberg-Commodity-Index eine um 17 Prozentpunkte bessere Performance als der Goldpreis. Dies dürfte vor allem auf die nachlassende Risikoaversion der Anleger zurückzuführen sein. Offensichtlich sind die Akteure an den Finanzmärkten davon überzeugt, dass die Pandemie besiegt wird und die Weltkonjunktur auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren wird. Dabei dürfte es sich allerdings lediglich um eine Momentaufnahme handeln.

Sobald wieder Sand ins Getriebe geraten sollte, dürften sich verunsicherte Anleger erneut an die wohltuende Wirkung eines Goldinvestments erinnern und zugreifen. Insbesondere seine negative Korrelation zu Aktien und Zinsen verleiht jedem Portfolio Stabilität und Krisenfestigkeit. Für Gold spricht aber auch seine geringe Kursschwankungsintensität. Diverse vom Terminbörsenbetreiber CBOE entwickelte Volatilitätsindizes zeigen auf, welche Investments gegenwärtig als besonders riskant einzustufen sind. So weist zum Beispiel der Goldvolatilitätsindex mit aktuell 21,1 Prozent ein erheblich geringeres Risiko aus als sein Pendant auf den S&P-500-Index (VIX: 28,0 Prozent). Auch Rohöl (OVX: 42,5 Prozent) und Silber (VXSLV: 50,6 Prozent) können mit der "Coolness" von Gold nicht mithalten.

Aus charttechnischer Sicht sieht die Lage allerdings alles andere als rosig aus. Nach dem Ende Januar erfolgten Unterschreiten der 200-Tage-Linie rutschte der Goldpreis in den vergangenen Handelstagen deutlich unter die Unterstützungszone von 1.800 Dollar. Nun droht der nächste Härtetest im Bereich von 1.700 Dollar. Im vergangenen Frühjahr wurde hier zwei Monate lang ein charttechnischer Boden gebildet - danach ging es übrigens steil nach oben in Richtung neues Rekordhoch. Die meisten Timingindikatoren machen derzeit aber eher keinen Mut. Auf der Website Tradingview steht das Pendel der analysierten technischen Indikatoren derzeit sogar auf "Starker Verkauf". Von insgesamt 26 angezeigten Parametern legen nämlich aktuell 17 das "Verkaufen" (Vorwoche: 14) von Gold nahe, neun stehen auf "Neutral" (Vorwoche: 8) und kein einziger auf "Kaufen" (Vorwoche: 4). Unter fundamentalen Aspekten spricht die Lage angesichts steigender Geldmengen, Schuldenberge und Inflationssorgen indes eher gegen den Verkauf von Gold.