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Goldpreis: Wie lange die Schwäche noch dauert, wo sie Münzen und Barren am besten kaufen

Goldpreis: Wie lange die Schwäche noch dauert, wo sie Münzen und Barren am besten kaufen
08.01.2016 07:14:00

Terror, Flüchtlingswelle, Schuldenkrise, Zinstief - jedes einzelne dieser Schlagwörter klingt wie ein Kaufargument für Gold. Doch der Preis des Edelmetalls fällt und fällt. Obwohl das gegen den Nimbus des sicheren Hafens spricht, kaufen die Deutschen wie die Weltmeister Münzen und Barren. Sind wir von allen guten Geistern verlassen? Oder besonders umsichtig? Von Jens Castner, Andreas Höß und Alexander Sturm

Gold auf Mehr-Jahres-Tief - die Aussicht auf eine Anhebung der US-Leitzinsen drückt den Preis. Meldungen wie diese verschrecken Profi-Investoren. Wie die US-Aufsichtsbehörde für den Future-Handel vor Kurzem mitteilte, ist die Stimmung an den Terminbörsen in Chicago und New York komplett gekippt. Seit Ende Oktober hat sich die Anzahl der Optimisten, die auf steigende Goldpreise spekulieren, gefünftelt.

Das kommt einem Erdrutsch gleich. Die Mehrheit setzt inzwischen auf fallende Notierungen. Weder die Terroranschläge von Paris noch der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär, der einen neuen Ost-West-Konflikt heraufbeschwören könnte, vermochten die Abwärtsdynamik zu stoppen. Immer häufiger ist zu hören, Gold habe seine Funktion als sicherer Hafen verloren. Hat die Krisenwährung ausgedient? In Deutschland nicht.

Deutschland, einig Goldnation



Während institutionelle Anleger Reißaus nehmen, halten Privatanleger hierzulande dem Edelmetall weiterhin die Treue. Nur etwa ein Prozent der Weltbevölkerung lebt in Deutschland. Doch fast 13 Prozent des in Privatbesitz befindlichen Goldes lagert in Form von Münzen und Barren in hiesigen Tresoren. Das entspricht etwa 4400 Tonnen.



Selbst die Reserven der Bundesbank - die weltweit zweitgrößten nach denen der USA - reichen mit 3400 Tonnen nicht ans Gold deutscher Sparer heran. Und das wird immer mehr: Seit dem Hoch bei 1900 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) im Jahr 2011 fiel der Goldpreis nahezu um die Hälfte auf aktuell nur noch 1067 Dollar. Seither steigt ein Großspekulant nach dem anderen aus, während deutsche Sparer ihre Goldbestände von 2010 bis 2014 um 400 Tonnen ausbauten - aus Angst vor Altersarmut, Inflation und Währungskrisen, wie sie in Umfragen regelmäßig angeben.

Vor allem von 2008 bis 2012 war die Panik vor Banken- und Staatspleiten ebenso groß wie die Inflationsangst. Seither gehen die Bedenken zurück - und als Konsequenz auch der Preis. Liegen die Deutschen also schief, wenn sie gegen den Trend ihre Bestände an Münzen und Barren aufstocken? Nicht ganz. "Gold macht für Privatanleger zur Diversifizierung des Portfolios Sinn", so Eugen Weinberg, Chefanalyst der Commerzbank für Rohstoffe, der langfristig trotz des vorherrschenden Abwärtstrends eine Kaufgelegenheit sieht: "Viele Goldanleger betrachten sich gern als Contrarians, die nicht mit der Masse schwimmen. Im Grunde haben sie jetzt eine Chance: Gold hat an Beliebtheit eingebüßt, dafür ist aber auch der Preis niedriger."

Kurzfristig ist jedoch unklar, ob und wann die Trendwende kommt. Selbst der ehemalige Börsenhändler und jetzige Fondsberater Dirk Müller alias "Mr. DAX", eigentlich ein Befürworter von Goldinvestments, will den Rutsch unter die Marke von 1000 Dollar je Feinunze nicht ausschließen. Erst die "komplette Kapitulation" werde die Wende markieren. Die Bodenbildungsphase wird wohl noch mehrere Quartale in Anspruch nehmen.

Trotz zunehmender geopolitischer Krisen und Spannungen hat sich die Lage an den Börsen seit Ende September spürbar beruhigt. Im Zusammenspiel mit einem bevorstehenden Zyklus von Zinserhöhungen in den USA drückt das den Goldpreis. "Gold zahlt keine Zinsen oder Dividenden und ist aufgrund der starken Kursschwankungen sehr riskant", erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie empfiehlt Anlegern, maximal fünf bis zehn Prozent des Vermögens in Gold zu investieren. Den meisten Deutschen reicht das nicht. Während die breite Masse Aktien meidet,sehen 71 Prozent der Bundesbürger laut einer Forsa-Umfrage Gold als sichere Geldanlage an.

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Bildquelle: Shareholder Value Management AG

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