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Goldpreis: Wie lange die Schwäche noch dauert, wo sie Münzen und Barren am besten kaufen

Goldpreis: Wie lange die Schwäche noch dauert, wo sie Münzen und Barren am besten kaufen
08.01.2016 07:14:00

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Ausdruck von Wohlstand



Die Goldverliebtheit liegt wohl in der deutschen Geschichte begründet. So stammen die Goldreserven der Bundesbank aus den Jahren des Wirtschaftswunders. Länder wie die USA überschrieben der jungen Exportnation bis Ende der 60er-Jahre Edelmetallbestände, um ihre durch den Kauf deutscher Waren entstandenen Bilanzdefizite auszugleichen. Das hat dem Metall einen guten Ruf beschert: Goldreserven waren Ausdruck von Wohlstand, wirtschaftlicher Stärke und wiedergewonnenem Selbstbewusstsein. Zudem erlebte Deutschland in den vergangenen 100 Jahren eine Hyperinflation und hatte sieben verschiedene Währungen. In diesen turbulenten Zeiten vertrauten viele auf Gold als Wertspeicher. Ganz schief liegen sie damit nicht.

Die Welt schwimme nicht, wie von Politikern und Notenbankern behauptet, in Liquidität, sondern in einem "Meer von Schulden", gibt der Münchner Vermögensverwalter Eckart Langen von der Goltz zu bedenken. Sollte es daher zum Zusammenbruch des Währungssystems kommen, dürfte Gold neben anderen Tauschgütern wie Lebensmittel oder Zigaretten immer noch einen gewissen Wert behalten. Zwar ist ein solches Worst-Case-Szenario aus heutiger Sicht undenkbar‚ doch auch andere Anlageexperten wie der Kölner Wirtschaftsprofessor Max Otte empfehlen, Münzen und Barren in möglichst kleinen Stückelungen vorzuhalten - frei nach dem Motto: "Man weiß ja nie".

Aus Sicht der Deutschen braucht es aber gar kein Horrorszenario wie den weltweiten Kollaps des Wirtschaftssystems oder den Zerfall der Eurozone, um Schlagzeilen über neue Mehrjahrestiefs gelassen hinzunehmen. Denn diese Meldungen beziehen sich stets auf den Goldpreis in Dollar, deutsche Käufer zahlen aber in Euro. Die Wertentwicklung kann in verschiedenen Währungen erheblich variieren - zuletzt zum Vorteil europäischer Anleger. Seit Jahresanfang liegt der Goldkurs in Dollar deutlich im Minus, in Euro gerechnet hat der Kurs hingegen leicht zugelegt.

Um Staatspleiten in Griechenland und anderen Peripheriestaaten zu verhindern, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik weiter lockern, was den Eurokurs drückt und den relativen Wert des Dollar erhöht. Daher wäre der Rutsch des Goldpreises auf 1000 Dollar je Unze unschädlich, wenn zugleich das Umtauschverhältnis von Euro zu Dollar auf eins zu eins ginge. Die sogenannte Parität würde die Verluste beim Gold exakt ausgleichen.

Einer der günstigsten Wege, Gold zu erwerben, geht über Wertpapiere, die mit physischem Gold hinterlegt sind - sogenannte Exchange Traded Commodities (ETCs). Das von der Deutschen Börse angebotene Xetra-Gold verbrieft wie Euwax-Gold (von der Börse Stuttgart emittiert) einen Lieferanspruch auf physisches Gold. Wie beim Erwerb von Münzen und Barren sind Gewinne laut neuer Grundsatzurteile nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Doch lohnt sich die Auslieferung erst ab gewissen Mindestgrenzen, und es sind nur Barren erhältlich, keine Münzen. Zudem besteht ein - wenn auch geringes - Emittentenrisiko: Falls Deutsche Börse oder Euwax pleitegingen, wären Geld und Gold weg. Wer Angst vor solchen Extremszenarien hat, kann Gold zu etwas höheren Kosten auch gleich in physischer Form kaufen.

In der Tat fühlen sich viele Anleger erst sicher, wenn sie Greifbares besitzen. Bei Händlern gibt es für rund 40 Euro ein Gramm Gold, für gut 1000 Euro eine Feinunze oder für über 30 000 Euro ein Kilo. Dabei gilt: Barren hortet man, mit Münzen zahlt man. Von Barren lässt sich schließlich nur schwer eine Scheibe abschneiden (abgesehen von sogenannten Schokoladenbarren oder Combi-Bars, aus denen sich Eingrammstücke herausbrechen lassen).

Mehrwertsteuer sparen



Nach einem Jahr Haltedauer sind alle Goldmünzen und -barren von der Abgeltungsteuer befreit, doch bei der Mehrwertsteuer gibt es Unterschiede: Nicht belastet werden Münzen, die nach 1800 geprägt wurden, in ihrem Ursprungsland gesetzliche Zahlungsmittel sind oder waren und einen Feingehalt von über 900 Tausendstel aufweisen. Bei historischen Sammlerstücken regelt die Robinson-Liste der EU die Abgabepflicht - das ist teilweise schwer zu durchschauen. An historische Goldmünzen sollten sich ohnehin nur Kenner wagen, für die Vermögenssicherung sind gängige Münzen wie der südafrikanische Krügerrand oder das kanadische Maple Leaf geeigneter. Auch auf andere Edelmetalle wie Silber, Platin oder Palladium wird meist Mehrwertsteuer erhoben, daher ist Gold diesen Anlageformen vorzuziehen.



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Bildquelle: Shareholder Value Management AG

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