Kraftwerksbau, Windradturbinen, elektrische Energieübertragung, Gebäudetechnik, Schienenfahrzeugausrüstung, industrielle Automationstechnik, elektrische Antriebe und Medizin-/Diagnostikprodukte - es gibt kaum einen Bereich, in dem Siemens nicht tätig ist. Früher waren solche Konglomerate üblich, inzwischen fordern nicht nur Investoren einen stärkeren Fokus auf Spezialisierung. Konzern-Chef Joe Kaeser hat die Signale früh verstanden und unterzieht Siemens einen tiefgreifenden Transformationsprozess. Ziel: Die einzelnen Sparten sollen eigenständiger werden, an Schlagkraft und Wettbewerbsvorteilen gewinnen und sich so besser gegen die Konkurrenz durchsetzen. Flankierend wird mit gezielten Investitionen das Wachstumsportfolio gestärkt, um so die jährliche Wachstumsrate und Marge voran zu treiben.

Grundlage dafür bildet die vereinfachte und schlankere Konzernstruktur mit drei "Operating Companies" (Energie, Intelligente Infrastruktur und Digitale Industrie) sowie drei "Strategic Companies" mit der Medizintechniktochter Siemens Healthineers, der Windkraft über Siemens Gamesa Renewably Energy und der geplanten Mobilitätssparte Siemens Alstom. Anders formuliert: Unter den drei "Strategic Companies" werden die börsennotierten Töchter zusammengefasst. Der Startschuss für die neue Struktur erfolgte mit dem neuen Geschäftsjahr am 1. Oktober. Bis zum 31. März soll die Umsetzung abgeschlossen sein.

Bewertungsabschlag abbauen



Klingt zunächst gut, der Erfolg muss sich aber erst noch zeigen, es handelt sich schließlich wie der Name schon sagt um eine "Vision". Aus dem Blickwinkel der Bewertung bietet die neue Struktur durchaus Vorteile, an der Börse werden Konglomerate häufig mit einem Abschlag gehandelt. Mit der Aufgliederung entfällt die Bewertungslücke. Zugleich ist Siemens in den Megathemen der Zukunft stark positioniert: Energiebedarf, Klimaschutz, Globalisierung und demographischer Wandel stellen neben der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung zentrale Wachstumstreiber dar. "Bei der Verbindung der realen mit der digitalen Welt sind wir heute die klare Nummer 1", sagte Vorstandschef Joe Kaeser der Euro am Sonntag. "Wir dürfen uns aber darauf nicht ausruhen, sondern müssen weitergehen und künftige Trends antizipieren." Siemens habe 14 Schlüsseltechnologien identifiziert, die das Unternehmen als entscheidend erachte. "Das geht von Blockchain über Robotik bis hin zu Simulationstechnologien."

Durch die neue Struktur können die Beteiligungen künftiger schlagkräftiger agieren und Synergien heben. Die Börse ist allerdings noch skeptisch, ob Kaeser die Herkulesaufgabe meistern wird. Vor allem für die schwächelnde Kraftwerksspare muss eine Lösung gefunden werden. Bei Siemens Healthineers brummt das Geschäft, die Digitale Fabrik bietet ebenfalls reichlich Fantasie.

Übertreibung nach unten



Seit Monatsbeginn hat Siemens rund neun Mrd. Euro an Börsenwert verloren und bringt aktuell 85 Mrd. Euro auf die Waage. Ausgehend vom Hoch im Juli steht ein Abschlag von rund 17 Prozent, der DAX verlor seitdem um etwa zehn Prozent. Gleichzeitig schaut die Bewertung inzwischen attraktiver aus. Analysten rechnen für 2019 mit einem Gewinn je Aktie von 7,9 Euro, was zu einem KGV von 12,7 führt. Im Juli lag der Faktor noch bei 15.

Ebenfalls interessant sind zwei technische Signale. Nach dem kräftigen Absturz in den vergangenen Tagen steht der Kurs gut sieben Prozent unter der 21-Tage-Linie (Indikator unter dem Chart). Siemens ist kräftig überverkauft und reif für eine technische Erholung. Seit 2013 spielt zudem die nun wieder erreichte runde Kursschwelle um 98/100 Euro eine große Rolle. Nach dem im Juli 2016 erfolgen Sprung darüber hat der Bereich bereits mehrfach als Unterstützungszone gehalten. Viele Schnäppchenjäger dürften auf die Gelegenheit gewartet haben, Siemens noch einmal im zweistelligen Bereich kaufen zu können.

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Nur mutige Anleger setzen nach dem Kursrutsch mit Bull-Scheinen auf eine scharfe Erholung. Das Risiko ist sehr hoch, unter der 98/100er-Schwelle könnten viele Stopps liegen und einen Abverkauf beschleunigen. Eine gute Alternative bei hohen Renditechancen bietet der Capped-Call DD57X4. Der Vorteil: Notiert die Siemens-Aktie zum Bewertungstag Mitte März 2019 bei mindestens 95 Euro, werden fünf Euro je Papier ausgezahlt. Anleger erzielen so rund 46 Prozent oder 107 Prozent p.a. Je nach Kursentwicklung bietet sich ein vorzeitiger Verkauf an. Der Abstand von fünf Prozent zum Cap bei 95 Euro lässt zudem noch Puffer. Auf der anderen Seite gilt: Steht Siemens zum Bewertungstag bei 90 Euro oder tiefer, verfällt der Schein wertlos.




  Basiswert
  
  

  Siemens
  

  Kurs Basiswert
  
  

  99,80 EUR
  

  Produkt
  
  

  Capped-Call
  

  WKN
  
  

  DD57X4
  

  Emittent
  
  

  DZ Bank
  

  Bewertungstag
  
  

  15.03.2019
  

  Basispreis
  
  

  90 EUR
  

  Cap
  
  

  95 EUR
  

  Maximalrendite (p.a.)
  
  

  46% (107%)
  

  Kurs Zertifikat
  
  

  3,42 Euro
  

  Zielkurs
  
  

  5 EUR
  
  

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