Bei der Vorstellung der Quartalszahlen im vergangenen November stellte Allianz-Finanzchef Dieter Wemmer den Kauf eigener Aktien in Höhe von 2,5 Milliarden Euro in Aussicht. Dieses Budget war ursprünglich für Zukäufe vorgesehen. Bislang fand der Versicherer aber kein Übernahmeziel. "Der M&A-Markt ist nicht besonders aktiv," erklärte Wemmer schon bei diesem Termin. Bankhaus Lampe-Analyst Andreas Schäfer sagte zu BÖRSE ONLINE, er gehe davon aus, dass der Versicherer kein Unternehmen mehr zukaufe. "Aber man kann es nicht komplett ausschließen," betonte er. Die Wahrscheinlichkeit für den Rückkauf von Aktien sei relativ hoch, sagte der Analyst. Spätestens bei der Bekanntgabe der Jahresbilanz im kommenden Februar werde die Allianz dieses Programm wohl bekanntgeben.

Ein Kauf eigener Papiere beeinflusst den Gewinn je Aktie. Bei Europas größtem Versicherer liegt dieser Kennwert derzeit bei 4,08 Euro. "Das Ziel der Allianz ist, den Gewinn je Aktie in den nächsten drei Jahren durchschnittlich um fünf Prozent pro Jahr zu steigern," sagte Schäfer. Wenn der Versicherer den Rückkauf durchführt, verringert sich der Streubesitz um rund vier Prozent. Dadurch nehme der Gewinn je Aktie zu und die Allianz habe die angestrebten Zunahmen bereits teilweise erreicht, erklärte der Analyst.

Gute Stimmung bei der Allianz



Die Allianz ist im laufenden Jahr gut unterwegs. Der Überschuss stieg im vergangenen Quartal um rund ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz verbesserte sich um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 27,7 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um knapp 20 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Erstmals seit dem zweiten Quartal 2013 flossen auch der US-Fondstocher Pimco netto Mittel in Höhe von 4,7 Milliarden Euro zu.

Schäfer geht davon aus, dass der Versicherer seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr - einen operativen Gewinn von 10,5 Milliarden Euro - erfülle. "Das ist für die Allianz dieses Jahr sehr gut zu erreichen," sagte der Analyst. Für 2017 schätzt er, dass der operative Gewinn stabil bleibe oder sich leicht steigere.

Auf Seite 2: Empfehlung zur Aktie





Empfehlung zur Aktie



"Die Aktie ist in den vergangenen Wochen relativ gut gelaufen," sagte Schäfer. Seit dem 6.November stieg das Papier um rund zehn Prozent auf 149,10 Euro. Dabei habe vor allem der leichte Anstieg des Zinsniveaus geholfen, betonte der Analyst. Davon sei die Allianz-Aktie auch in Zukunft stark abhängig.

Nach unten sei das Papier des Versicherers derzeit gut abgesichert. "Ich sehe die Allianz derzeit als eine der defensiveren Aktien im Versicherungssektor an, vor allem aufgrund der guten Diversifizierung und Stellung in Kernmärkten wie Europa, und der relativ guten Solvabilitätsquote." Diese blieb zum Ende des vergangenen Quartals mit 186 Prozent stabil.

Schäfer sieht das Kursziel bei 170,00 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie damit noch rund zwölf Prozent Potenzial. Durch das wohl auch weiter bestehende Niedrigzinsumfeld und das schwierige Geschäft mit der Lebensversicherung bleibt das Aufwärtspotenzial aber weiterhin begrenzt. Die Allianz ist ein zuverlässiger Dividendenzahler. Die Rendite liegt derzeit bei 4,46 Prozent.

Empfehlung: Kaufen
Ziel: 170,00 Euro
Stopp: 120,00 Euro

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 28. November