Auf den ersten Blick ist ein Vergleich zwischen Apple und Samsung Electronics ein wenig schief. Denn anders als Apple stellt Samsung auch Produkte außerhalb der Unterhaltungselektronik her, zum Beispiel Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspüler.

Grundsätzlich macht ein Vergleich aber Sinn, denn Apple und Samsung konkurrieren auf zahlreichen anderen Gebieten miteinander, vor allem auf dem Markt für Smartphones. Während Samsung am meisten Geräte absetzt, hat Apple mit dem iPhone immer noch das populärste Internethandy im Angebot. Letzteres verkauft sich nach wie vor glänzend und spült dem US-Konzern jährlich Milliarden in die Kasse.



Vergleicht man die Kursperformance von Apple und Samsung (ISIN: US7960508882) seit dem Beginn der Finanzkrise im September 2008, schneiden die Titel der Amerikaner deutlich besser ab als die Papiere der Südkoreaner. Während Apple auf einen gewaltigen Zuwachs von 564 Prozent kommt, verbucht Samsung "nur" 179 Prozent (Stand 05.12.2014).

Im kurzfristigen Vergleich ergibt sich ein noch unterschiedlicheres Bild. Misst man die bisherige Entwicklung im Jahr 2014, liegt Apple mit einem Plus von 63 Prozent vorne. Samsung dagegen fällt mit einem Mini-Zuwachs von 0,6 Prozent deutlich ab.

Vergleicht man die geschäftliche Entwicklung der beiden Konzerne seit dem Jahr 2008, legt Apple deutlich stärkere Wachstumswerte als Samsung vor. Das ist vor allem der Einführung gleich zweier revolutionärer Produkte geschuldet. 2007 kam das Apple iPhone auf den Markt, 2010 folgte das iPad.



Nun stellt sich die Frage, wie es für die Aktien weitergehen wird.

Um diese Frage zu beantworten, hat BÖRSE ONLINE die Papiere miteinander verglichen. Zu diesem Zweck haben wir uns ausführlich mit den Einschätzungen der Analysten befasst. Über diese kann man sich zwar streiten, doch ignorieren sollte man sie nicht. Die Einschätzungen der Experten können bei der Anlageentscheidung helfen. Am Ende sollte sich aber jeder Anleger seine eigene Meinung bilden.

Auf Seite 2: Wie schätzen Analysten die Aktien ein?



Wie schätzen Analysten die Aktien ein?

Vorbemerkung: Im Gegensatz zu Apple gibt es von Samsung mehrere Versionen der Aktie. Der Chart auf der ersten Seite zeigt den Kurs des Global Depository Receipt (GDR) der Stammaktie mit der ISIN US7960508882. In der Datenbank von BÖRSE ONLINE wird das GDR der Vorzugsaktie mit der ISIN US7960502018 geführt. Für diese Analyse haben wir uns allerdings für das Papier mit der ISIN KR7005930003 entschieden, da es nur für diese Version umfangreiche Analysten-Daten beim Finanzdienstleister Bloomberg gibt.

Betrachtet man bei Bloomberg das aktuell durchschnittliche Rating aller Analysten, die ihre Einschätzungen während der letzten 12 Monate aktualisiert haben, fallen die Urteile zu beiden Aktien recht ähnlich aus.

Mit einem 4er-Konsensrating werden beide Papiere als "schwacher Buy" eingestuft. Dabei liegen die Titel von Samsung leicht vorne - ein Umstand, der sich durch die prozentual höhere Anzahl der Kaufempfehlungen erklären lässt. Mit einer Bewertung von rund 4,6 sind sie nur noch 0,4 Prozentpunkte von einer Einstufung als "Buy" entfernt. Aktuell würden mindestens acht von zehn Branchenkennern die Anteilsscheine ins Depot aufnehmen. Im Falle von Apple würden knapp Dreiviertel der Analysten die Aktien ordern. Die Zahl der negativen Urteile ist bei beiden Papieren verschwindend gering.



Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass beide Aktien von Analysten ähnlich eingeschätzt werden. Sowohl Apple als auch Samsung gelten als schwacher Kauf.

Erläuterungen:

Quelle: Bloomberg, Stand 05.12.2014, 12 Uhr

Konsensrating: Aktuell durchschnittliches Rating aller Analysten, die während der letzten 12 Monate aktualisiert haben. (5= Buy, 4= schwacher Buy, 3= Hold, 2= schwacher Sell, 1= Sell).

Buys: Die Zahl der Analysten, die den Kauf des Wertpapiers empfehlen, und der Prozentsatz aller Analysten, die diese Empfehlung abgeben.

Holds: Die Zahl der Analysten, die empfehlen, das Wertpapier zu halten, und der Prozentsatz aller Analysten, die diese Empfehlung abgeben.

Sells: Die Zahl der Analysten, die den Verkauf des Wertpapiers empfehlen, und der Prozentsatz aller Analysten, die diese Empfehlung abgeben.

Um sich ein Gesamtbild von der Meinung der Analysten zu machen, reicht es allerdings nicht aus, sich auf den Status Quo zu konzentrieren. Man muss auch einen Blick darauf werfen, wie sich die Einschätzungen der Experten über einen längeren Zeitraum entwickelt haben. Daraus lassen sich am Ende eventuell Trends ableiten.

Auf Seite 3: Wie haben sich die Einschätzungen der Analysten entwickelt?



Wie haben sich die Einschätzungen der Analysten entwickelt?

Anleger können einen Kauf von Apple und Samsung , lautet das allgemeine Urteil der Analysten zu beiden Aktien.

Doch wurden die Titel auch vorher so betrachtet wie momentan? Wirft man einen Blick auf die Einschätzungen von vor einem Jahr, lautet die Antwort ja.

Sowohl beim Konsensrating als auch bei den prozentualen Anteilen der Kauf-, Halte- und Verkaufsempfehlungen hat sich kaum etwas getan. Die Veränderungen bei Samsung sind marginal höher als bei Apple, aber nicht der Rede Wert. Grundsätzlich kann man festhalten: Beide Papiere werden wie bereits vor 12 Monaten als "schwacher Buy" eingestuft.



Lassen sich aus den vorliegenden Daten Trends ableiten? Schwer zu sagen, denn: In der zweiten Jahreshälfte tendierten die Meinung der Analysten bei Apple immer stärker zu "Buy", bei Samsung dagegen immer stärker zu "Hold". Während die Kursziele bei Ersteren angehoben wurden, wurden sie bei Letzteren gesenkt - wenn auch nur leicht.

Auf den folgenden beiden Seiten haben wir Chancen und Risiken gegenübergestellt, die Analysten bei beiden Firmen sehen.

Auf Seite 4: Wo sehen die Analysten Chancen und Risiken von Apple?



Wo sehen die Analysten Chancen und Risiken von Apple?



Auf Seite 5: Wo sehen die Analysten Chancen und Risiken von Samsung ?



Wo sehen die Analysten Chancen und Risiken von Samsung?



Auf Seite 6: Wie viel Kurspotenzial trauen Analysten den Aktien zu?



Wie viel Kurspotenzial trauen Analysten den Aktien zu?

Analysten kommen bei Apple und Samsung zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Das Kurspotenzial ist nahezu ausgereizt. Das mag auf den ersten Blick überraschend wirken, auf den zweiten Blick macht es aber Sinn, werden beide Aktien doch nur als "schwacher Buy" eingestuft. Samsung-Anleger können nach Einschätzung der Experten immerhin noch eine niedrige zweistellige Rendite einfahren.



12 M. Zielkurs: Konsens-Zielkurs (Währung)

Letzter Kurs: Stand 05.12.2014, 12 Uhr

Ertragspotential: Das zukünftige Renditepotential des Best-Konsens-Zielkurses und des letzten Kurses der Aktie.

LTM Rendite: 1-Jahresertrag des Wertpapiers

Das bedeutet allerdings nicht, dass es unter den Analysten keine deutlicheren Ausschläge nach oben gibt.

Bei Apple zeigt sich vor allem Alex Gauna von JPM Securities optimistisch. Er sieht das Ende der Fahnenstange bei 121,90 Euro. Damit würde sich - auf Basis des aktuellen Kurses - eine Zuwachsquote von rund 30 Prozent ergeben.

Für Samsung legt besonders Keon Hans von Credit Suisse eine Hand ins Feuer. Er beziffert er den Höchstwert auf 1680000 Won. Das entspräche einer Zuwachsquote von rund 29 Prozent.

Auf Seite 7: Fazit



Fazit:

Sowohl Apple als auch Samsung werden von Analysten als "schwacher Buy" eingestuft.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben sich die Einschätzungen zu beiden Aktien kaum verändert. In den vergangenen Monaten haben sich die Meinungen über Apple aber leicht aufgehellt und über Samsung leicht eingetrübt

Was die Chancen und Risiken betrifft, führen Analysten auf beiden Seiten Pro- und Contra-Punkte auf. Welche Punkte man schwerer gewichtet, bleibt wohl eine individuelle Sache.

Kurspotenzial sehen die Experten bei beiden Titeln kaum. Einzelne Analysten trauen den Papieren aber Zuwachsraten von rund 30 Prozent zu.

Auf Seite 8: Was empfiehlt BÖRSE ONLINE für Apple?



Was empfiehlt BÖRSE ONLINE für Apple?

Apple:

Als Tim Cook im Sommer 2011 auch offiziell die Nachfolge des legendären Apple-Gründers Steve Jobs antrat, war die Zurückhaltung bei vielen Investoren groß. Könnte der im öffentlichen Auftritt stets zurückhaltende Asket das Unternehmen zusammenhalten und - noch wichtiger - auch dauerhaft in der Erfolgsspur halten, fragten viele Beobachter und es schwang mehr als bloße Skepsis in der Fragestellung mit.

Doch gut drei Jahre später sind selbst die größten Zweifler verstummt. Denn Apple steht so gut da wie wohl noch nie in seiner Geschichte. Der Absatz der MacBooks boomt, der iMac läuft und der Absatz des iPhone 6 lässt die Konkurrenz bei Samsung, LG und Co. vor Neid erblassen. Dazu schraubt Cook bereits am nächsten Umsatztreiber. Das selbst entwickelte Bezahlsystem Apple Pay ist Ende Oktober in den USA an den Start gegangen und sorgt seither für wachsende Nervosität bei etablierten Kreditkartenfirmen. Anfang 2015 soll zudem die Apple Watch auf den Markt kommen. Der neuen Produktkategorie, von der bislang nur ein paar halb-funktionsfähige Dummys gezeigt wurden, trauen viele Analysten einiges zu, wir auch.

Aber selbst, wenn die Apple-Watch nicht zünden sollte, müssen sich Anleger um Apple keine Sorgen machen. Denn entscheidend für den Konzernerfolg ist ohnehin das iPhone. Und mit der aktuellen Gerätegeneration - dem iPhone 6 - dürfte Apple alle bisherigen Absatzrekorde brechen. Zwar befürchtet etwa Citi-Analyst Jim Suva mit Blick auf das größere Display des iPhone 6 und seines noch größeren Bruders iPhone 6 Plus eine teilweise Kannibalisierung des iPad Mini. Zudem verkauft sich das iPad Air nicht mehr ganz so dolle wie früher. Aber Suva rechnet dennoch mit einem stärkeren Gewinnanstieg bei Apple als bislang. Grund: Statt der bislang angenommen 193 Millionen iPhones dürfte Apple im laufenden Jahr 200 Millionen Geräte verkaufen - und das auch noch zu einem höhere Durchschnittspreis. Konzernweit geht die Citi daher für das laufende Jahr von einem Umsatzplus von 19 Prozent auf 217,8 Milliarden Dollar aus, der Gewinn je Aktie dürfte um 31 Prozent auf 8,44 Dollar liegen. Bislang hatte die Citi 217 Milliarden Dollar Umsatz bei 8,02 Dollar Gewinn je Aktie prognostiziert.

Charttechnisch ist die Lage bei Apple derzeit etwas eingetrübt. Erst am Dienstag ist die Aktie durch die 55-Tage-Linie gefallen. Weitere Rückschläge bis in die Zone um 100 Dollar sind nun möglich. Der langfristige Aufwärtstrend ist aber voll intakt.

Fundamental ist ohnehin alles im grünen Bereicht. Die jüngsten Zahlen waren hervorragend. Auch die nächste Zwischenbilanz dürfte Investoren erfreuen. Die iPhone-Absatzzahlen dürften neue Rekordniveaus erreichen. Mittelfristig bleiben die Aussichten für die Apple-Aktie angesichts des eigenen Bezahlsystems, der Apple Watch und des Marken-Nimbus hervorragend. Apple bleibt ein Basisinvestment in jedem Depot. Kaufen.



Stopp: 97 Dollar, Ziel: 135 Dollar.

Kaufen

Thomas Schmidtutz

Auf Seite 9: Was empfiehlt BÖRSE ONLINE für Samsung?



Samsung Electronics:

Samsung steht unter Druck. Im dritten Quartal fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,6 Prozent auf 47,45 Billionen Won und der Überschuss auf 4,2 Billionen Won (ca. 3,2 Milliarden Euro) - den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Das operative Ergebnis schrumpfte um 60 Prozent auf 4,06 Billionen Won - der vierte Quartalsrückgang in Folge.

Samsungs größte Probleme liegen im Smartphonegeschäft. Auf der einen Seite verkaufen sich High-Ende-Geräte immer schlechter, weil sie im Vergleich zu den Vorgängermodellen kaum noch technische Verbesserungen bringen und ebendiese alten Modelle immer günstiger werden. Auf der Seite wächst bei den Kunden das Interesse für Smartphones im unteren und mittleren Preissegment - ein Markt, der momentan von diversen Billigproduzenten aus China aufgerollt wird.

Gegen diese Macht hat Samsung kaum eine Chance. Nach Einschätzungen von IDC lag der Anteil des Konzerns am weltweiten Smartphonemarkt im dritten Quartal bei nur noch 23,8 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 32,5 Prozent. Mit diesem Rückgang geht auch eine Verschiebung beim operativen Gewinn einher: So lag der Anteil der Halbleitersparte (56 Prozent) erstmals seit drei Jahren über dem Anteil der Smartphonesparte (43 Prozent).

Die Verschiebung lässt sich vor allem durch die immer kleineren Margen bei Samsungs Smartphones erklären. Das Unternehmen verkaufte zwar 78,1 Millionen Geräte nach zuvor 85 Millionen und damit nach Schätzungen von IDC immer noch doppelt so viele wie Apple. Der US-Rivale schafft es aber, seine iPhones deutlich profitabler an den Mann zu bringen.

Ist das nun ein Grund, um Samsung abzuschreiben? Nein! Es gibt kurz- und langfristige Anhaltspunkte, die auf eine Erholung des Geschäftes und des Aktienkurses deuten. Kurzfristig ermutigt Samsungs Ausblick auf das wichtige Schlussquartal: Das Unternehmen erwartet eine steigende Nachfrage nach Mobil- und TV-Geräten sowie Wachstumsimpulse im Speichergeschäft - womit sich auch die Erträge verbessern sollen. Langfristig macht der Generationswechsel an der Konzernspitze Hoffnung: Nach der schweren Erkrankung des langjährigen Vorsitzenden Lee Kun Hee soll sein Sohn Lee Jae Yong die Macht übernehmen. Erste Schritte zur Restrukturierung wurden bereits unternommen: Im Oktober verkaufte Samsung sein LED-Geschäft im Ausland, im Dezember kündigte das Unternehmen den Verkauf der Sparte für Glasfaseroptik an.

Die Verjüngungskur dürfte sich langfristig positiv auf die Geschäftszahlen auswirken und Samsung wieder wettbewerbsfähiger machen. Zudem hat der Konzern mit dem laufenden Aktienrückkaufprogramm ein klares Zeichen gesetzt, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Weitere Programme sind ebensowenig ausgeschlossen wie eine Dividendenerhöhung. Allerdings sollten sich Investoren gedulden. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,0 für 2015 ist die Aktie sehr günstig bewertet.

BÖRSE ONLINE empfiehlt das Papier weiterhin zum Kauf. Wir raten Anlegern zur GDR-Vorzugsaktie mit der ISIN US7960502018.

Stopp: 320 Euro, Ziel: 500 Euro.

Nikolaus Hammerschmidt