Wissmann kündigte gemeinsamen "massiven Widerstand" an gegen "jeden, der mit der Dachlatte des Verbots operieren will".

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich bei der gemeinsamen Konferenz des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und der IG Metall am Rande der Automesse IAA gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren und gegen Diesel-Fahrverbote auch.

Mit den Mahnungen und Kampfansagen wappnet sich die Branche für die Verschärfung der Klimaschutzregeln für die Autoindustrie in der EU. Der Entwurf der EU-Kommission dazu, wie es nach Erreichen des Grenzwertes von durchschnittlich 95 Gramm je Kilometer Kohlendioxid (CO2) 2021 bis 2030 weitergehen soll, wird im November erwartet. IG Metall und VDA befürchten harte Vorgaben, etwa mit einem weiteren Reduktionsziel um fast 50 Prozent auf weniger als 50 Gramm. Auch die Idee einer Quote für emissionsarme Autos, welche die von der Industrie angepriesenen Hybrid-Motoren mit kombiniertem Kraftstoff- und Stromantrieb ausschließen würde, stößt auf ihren Widerstand. Ein Schreckensszenario ist auch das Verbot von Verbrennungsmotoren, das die Grünen fordern und Großbritannien oder Frankreich 2030 oder 2040 einführen wollen.

INDUSTRIE WILL VERBRENNER VERBESSERN

Der europäische Autoverband ACEA ist unter der Bedingung ausreichender Nachfrage nach Elektroautos nur zu einer weiteren CO2-Reduktion um 20 Prozent bis 2030 bereit. VDA und IG Metall erklärten, das neue Klimaschutzziel müsse zwar anspruchsvoll, zugleich aber auch machbar sein. Die Industrie brauche "Technologieoffenheit" - also freie Auswahl bei den Mitteln, um den Schadstoffausstoß weiter zu drosseln. "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den Verbrenner noch weiter in der Performance, was CO2 angeht, verbessern können", sagte Audi-Chef Rupert Stadler. Auch Erdgasmotoren seien eine Alternative.

Die Autoindustrie plant zwar eine Modelloffensive mit neuen Elektroautos mit höheren Reichweiten und setzte sich ehrgeizige Absatzziele von 25 Prozent Elektroanteil bis 2025. Aber die Nachfrage der Kundschaft nach den Stromern ist bisher sehr gering und für die Zukunft schwer abschätzbar. Auch könnten sich neben Batterien auch Erdgas, synthetische Kraftstoffe oder Wasserstoff als Antriebstechnologie durchsetzen. Ein schneller Schwenk von der arbeitsintensiven Verbrenner-Produktion zu den viel simpleren Elektromotoren wird auch gefürchtet, weil massenhaft Arbeitsplätze ersatzlos wegfallen könnten.

VDA und IG Metall ziehen deshalb auch an einem Strang bei der Verteidigung des Diesel gegen dessen schlechtes Image als Luftverpester, der seit dem VW-Abgasskandal und der Diskussion über Fahrverbote in Großstädten in Verruf kam. Auch in der Belegschaft der Autobauer selbst wachse schon die Skepsis. "Kollegen werden beschimpft, dass sie in einer Schmuddelbranche arbeiten", sagte Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht. Es sei deshalb nicht nur ein Kampf um die Köpfe mit nüchternen Fakten, sondern auch um die Herzen nötig. Und IG-Metall-Chef Hofmann forderte noch mehr Vorschläge der Politik, wie Fahrverbote in Städten vermieden werden könnten, "nach der Wahl, wenn das Pulver verschossen ist".