SPIRITUOSENKONZERN

Berentzen-Aktie: Knackiger Spaß im Depot

Berentzen-Aktie: Knackiger Spaß im Depot
30.01.2016 11:55:00

Der Spirituosenkonzern aus dem Emsland setzt stärker auf nichtalkoholische Getränke und vitaminreiche Gesundheitsdrinks. Das Konzept geht auf. Die jüngsten Zahlen schmecken Anlegern. Von Peter Schweizer

Knackigen Spaß im Glas bezogen Anleger und Konsumenten von Berentzen bislang eher auf die alkoholischen Produkte des Spirituosenfabrikanten. Bis heute verbinden die meisten Menschen mit dem Getränkeunternehmen aus Haselünne im Emsland ganz zwangsläufig einen bekannten Apfelkorn. Doch dieser Obstbrand trägt mittlerweile nur noch drei Prozent zum Umsatz bei. Die Berentzen-Gruppe ist heute ein internationaler Spirituosenkonzern und inzwischen viel breiter aufgestellt. Der Weg dorthin war indessen steinig. Stagnierender Alkoholkonsum und ein harter Verdrängungswettbewerb in diesem Metier führten 2008 beinahe zur Pleite und ließen das Traditionsunternehmen nach einer schmerzhaften Rosskur und dem Einstieg der Beteiligungsgesellschaft Aurelius schließlich neue Wege gehen. Zur Produktpalette gehören neben alkoholischen Getränken auch Soft- und Energydrinks, Limonaden, Mineralwasser und Fruchtpressen.

Zwei Drittel der Erlöse werden zwar weiterhin mit Hochprozentigem erzielt, doch heute machen vor allem knackige Orangen dem bekannten Werbeslogan wieder alle Ehre. 2014 übernahm Berentzen das Linzer Familienunternehmen TMP. Das Kerngeschäft des Systemanbieters ist der Vertrieb von hochwertigen Orangenpressen an die Gastronomie und den Lebensmitteleinzelhandel. Der große Hoffnungsträger heißt Citrocasa. Unter diesem Namen bietet Berentzen die Maschinen zum Stückpreis von rund 6000 Euro an, mit denen Gastronomiebetriebe vor den Augen des Kunden Orangen zu Saft pressen.

Das Geschäft brummt. Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 stieg der Absatz der Maschinen um fast 40 Prozent. Mit knapp 1400 Pressen hatte -Berentzen in diesem Zeitraum schon in etwa die Verkaufszahlen des kompletten Vorjahres erreicht. Analysten von Hauck & Aufhäuser sehen einen anhaltenden Aufwärtstrend bei den Verkaufszahlen und gehen für die kommenden Jahre von jährlichen Wachstumsraten von 25 Prozent aus. 2017 könnten die Emsländer demnach schon mehr als 2700 Saftpressen verkaufen, zumal demnächst eine kleinere Maschine die Angebotspalette noch erweitern soll. Auch die Umsatzsteigerungen bei Saftorangen in Höhe von 20 Prozent und Einwegflaschen mit 36 Prozent, die das Citrocasa-Programm komplettieren, können sich durchaus sehen lassen. Die steigende Nachfrage nach Frischeprodukten liegt voll im Trend und entspricht dem Drang von Handelsriesen wie Edeka und Rewe, sich mit genau diesen Lifestyleprodukten von Discountern abzusetzen.

Mit Citrocasa erlöst Berentzen inzwischen 12,3 Millionen Euro bei deutlich zweistelliger Umsatzrendite. Eine vergleichsweise geringe Preissensibilität bei frisch gepresstem Orangensaft, die auch Verbraucherstudien bestätigen, spielt -Berentzen dabei in die Karten. Begünstigt wurde der jüngste Erfolg dadurch, dass Berentzens Hoffnungsträger auch der Durchbruch im österreichischen Markt -gelang. Neue Länder und Regionen wie Frankreich und die USA sollen bald schon folgen. Problematischere Zielmärkte wie die Türkei und Osteuropa stehen ebenfalls auf der Agenda, die nachhaltige Produkteinführung von Citrocasa dürfte dort aber langatmiger verlaufen.

In den ersten drei Quartalen stieg der Umsatz insgesamt von 109,6 Millionen Euro auf 115,6 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich von 7,8 Millionen Euro auf 10,7 Millionen Euro, die Marge wuchs von sieben auf über neun Prozent. Das Unternehmen verzeichnete nach eigenen Aussagen auch ein starkes Jahresendgeschäft, vor allem in den Segmenten Spirituosen und Frischsaftsysteme. Konkrete Zahlen nannte Berentzen jüngst aber noch nicht. Hauck & Aufhäuser erwartet, dass das Ebitda bis Jahresende auf 15,6 Millionen Euro wächst und im kommenden Jahr bei zweistelligen Margen schon über 19 Millionen Euro erreicht.

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Bildquelle: Berentzen-Gruppe

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