Wenn Papiere immer wieder auf bestimmten Kursniveaus gekauft werden, spricht man an der Börse von einer Unterstützung. Die in Zusammenarbeit mit den Börsenstatistik-Experten des Magazins "Index-Radar" erstellte Übersichtsgrafik zeigt, wo diese Kaufzonen bei den DAX-Papieren liegen, und welche der 30 Indexmitglieder unlängst unter solche Areale gefallen sind. Wenn die Nachfrage zu einem bisher bewährten Preis auf einmal aufhört, sollten Anleger aufmerksam werden. Dadurch kündigt sich eine Nachfrageschwäche an, die einen stärkeren Absturz auslösen kann - Beispiel: Der jüngste Durchbruch von Adidas unter die Zone um 54,15 / 56 Euro, der den Weg nach unten nun frei macht (mehr dazu auf der zweiten Seite im Kommentar zum Chart).



Auch wenn bis zur ersten Unterstützung noch viel Platz ist, kann das gefährlich werden. Hier fällt der einstige Börsenliebling Continental auf, der zu schnell gestiegen ist und nun entsprechendes Abwärtspotenzial hat. Oft ist dieser Spielraum nach unten auch durch eine unlängst unterschrittene Kaufzone entstanden - hier durch den Fall unter die 153er-Marke (siehe Seite 3).

Kurzfristig sind viele der genannten Papiere ausverkauft, eine Bärenmarktrally bei einzelnen dieser Aktien ist möglich. Diese kann sogar eindrucksvoll ausfallen, ist aber kaum in ihrem Umfang vorhersagbar. Mittel- bis langfristig allerdings werden Investoren sich mit hoher Wahrscheinlichkeit von Aktien abwenden, an denen sie in schwankungsfreudigen Marktphasen die Finger verbrannt haben und deren Kursbild offensichtlich zeigt, dass bisherige Kaufpreise nun für die Mehrheit nicht mehr interessant sind. Insbesondere wenn der Gesamtmarkt wechselhaft bleibt, ist Aktienselektion nun wichtiger denn je. Wer sein Depot krisenfest aufstellen will, sollte möglichst wenige der im Folgenden genannten Papiere halten.



Adidas



Der Sportartikelhersteller hat die Unterstützung bei 54,15 / 56 Euro unterschritten. Die ausbleibende Nachfrage auf diesem Niveau lässt das Schlimmste befürchten: Erst bei rund 42,40 bis 45 Euro ist wieder ein stärkeres Käuferinteresse im Kursbild ersichtlich. Anleger sollten das Papier meiden.



Beiersdorf



Der Ausbruch unter 63,40 / 64,30 Euro läutete eine Verkaufswelle ein, die voraussichtlich bis 55, im schlimmsten Fall auch bis weit unter die 50er-Marke anhalten kann. Dieses Papier sollte vorsorglich aus dem Depot entfernt werden. Der Chart zeigt, dass die breite Masse sich von Beiersdorf abwendet.



Continental



Nach einer Seitwärtsbewegung seit Jahresanfang nun der Absturz. Und bereits 2007 zeigte das Papier eindrucksvoll, zu welchen Crashs es in der Lage ist. Auch wenn es dieses Mal nicht so dramatisch kommt und nur das damalige Hoch angesteuert wird, beträgt das Abwärtspotenzial bereits 20 bis 30 Prozent. Fazit: Besser meiden.



Deutsche Post



Bis in den Bereich 14 / 14,75 Euro ist der Weg nach unten frei. Erst dort ist wieder ein Areal mit gehäuft auftretenden Wendepunkten im Chart erkennbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktie schon vorher, aus eigener Kraft, eine neue Kaufzone etablieren kann - das kommt durchaus häufiger vor. Ansonsten wäre das Abwärtspotenzial so hoch, dass sofortige Notverkäufe zu jedem Preis mit Sicherheit das kleinere Übel sind.



Lanxess



Erst zwischen 30 und 33,50 Euro wurde das Papier beim letzten Crash wieder gekauft - die Geschichte könnte sich wiederholen. Nach dem Einbruch unter die bisher immer gekaufte Unterstützung bei 42,20 / 44 Euro gibt es keinen Grund mehr, diese Aktie noch länger im Portfolio aufzubewahren.



Lufthansa



Nach dem Einbruch unter die ehemalige Nachfragezone bei 11,40 bis 12 Euro ist der Weg frei bis 7,70 / 8,25 Euro. Anleger sollten nicht daneben stehen und tatenlos zusehen, während die Aktie im Depot immer wertloser wird. Fazit: Besser aussteigen und später billiger wieder zurückkaufen.



SAP



Der Bereich um 52 Euro ist unterschritten, das dürfte Anschlussverkäufe auslösen. Wenn sich die Aktie nicht ganz schnell wieder nachhaltig darüber erholt, droht der Absturz bis mindestens an die 45er-Marke. Hier kam es zuletzt im Sommer 2012 nach einem Ausverkauf zu einer Stabilisierung.





Andreas Büchler ist Herausgeber des "Index-Radar", der größte tägliche Börsenstatistik-Report Deutschlands. Der Experte für Handelssysteme ist zudem Vorstand der Qarat AG, einer auf Quantitative Analyse und Algorithmic Trading spezialisierten Forschungsgesellschaft.

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