Das schlechteste DAX-Quartal seit vier Jahren liegt hinter uns. Dabei war schon das zweite Quartal mies gelaufen. Während zu Anfang des Jahres noch Euphorie herrschte, senken Börsianer nun gern schnell den Daumen. Doch Geld verdienen lässt sich an der Börse nicht nur mit steigenden Kursen, sondern in allen Situationen. Zumindest wenn man den Mut besitzt, sich in Derivaten zu engagieren. Mut deswegen, weil ein solches Investment oft die Gefahr birgt, als Totalverlust zu enden.

BÖRSE ONLINE hat den DAX einem Chartcheck unterzogen. Die Charttechnik kann wertvolle Hinweise auf den künftigen tendenziellen Kursverlauf liefern, sich dabei aber von fundamentalen Einschätzungen unterscheiden. Dazu haben wir Derivate auf sechs Basiswerte ausgewählt, jeweils zwei für tendenziell steigende, stagnierende und fallende Kurse.

Insgesamt finden sich derzeit sieben DAX-Aktien mit trüben Aussichten. Viele davon sind aber bereits so stark überverkauft, dass das Chance-Risiko-Verhältnis nicht gut genug ist, um gehebelt auf weiter fallende Kurse zu setzen. Deshalb lautet unser Grundprinzip bei der Auswahl eines passenden Derivats: Der Maximalgewinn soll auch dann erzielt werden, wenn der Basiswert per saldo seitwärts läuft.

Zum Beispiel bei Commerzbank und BMW. Bei dem Autobauer muss man zwischen Stamm- und Vorzugsaktie unterscheiden. Während fundamental die Vorzüge aussichtsreich erscheinen, sind die Stämme charttechnisch angeschlagen.

Bei fünf DAX-Aktien zeigt die Charttechnik dagegen eine bullishe Situation. Mit Adidas und Lufthansa wurden jene beiden für eine tendenzielle Long-Position gewählt, bei denen es besonders geeignete Derivate gibt, um davon zu profitieren. Wie auf der Short-Seite greifen wir bei der Produktgattung "Capped Optionsscheine" zu. Diese Derivate zeichnen sich dadurch aus, dass der Maximalertrag schon dann generiert wird, wenn der Basiswert am Bewertungstag bei Calls über und bei Puts unter einer definierten Marke liegt. Die Scheine wurden so ausgewählt, dass ihre Ausstattung zu wichtigen charttechnischen Marken des Basiswerts passt.

Drei Fünftel der DAX-Aktien sind derzeit charttechnisch als neutral anzusehen. Mit Deutsche Bank und Deutsche Telekom haben wir zwei davon als Basis für eine Inliner-Spekulation herausgefiltert. Solche Scheine werden am Ende der Laufzeit zu jeweils zehn Euro liquidiert, wenn der Basiswert während der gesamten Zeit innerhalb einer zuvor festgelegten Bandbreite bleibt.

Bei der Auswahl haben wir darauf geachtet, dass es einen großzügigen Puffer zu den jeweiligen Schwellen gibt und diese zudem durch entscheidende charttechnische Marken geschützt sind. Aber auch hier ist ein Totalverlust möglich, wenn überraschend Notierungslücken entstehen - wie das aktuelle Beispiel K + S zeigt. Der Kapitaleinsatz sollte daher grundsätzlich relativ gering sein.

Außerdem ist stets der Stopp zu beachten. Geht die Spekulation auf, sollte er sukzessive nach oben angepasst werden, um möglichen Zeitwertgewinnen Rechnung zu tragen. Die entsprechende Anpassungsrate findet sich in den Einzelbesprechungen. Zudem bieten sich schnellere Gewinnmitnahmen bereits unter dem Maximalniveau und damit vor Laufzeitende an.

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Der Adidas-Chart weist nicht nur einen intakten, an den Jahrestiefs vom Januar entspringenden Aufwärtstrend auf, sondern wird auch über sämtlichen Gleitenden Durchschnitten der letzten 38, 55  und 200 Börsentage gehandelt. Daraus ergibt sich eine solide Unterstützungszone um 65/69 Euro, die sich mit dem passenden Capped Call gewinnbringend ausnutzen lässt. Der Schein wird um 31 Prozent steigen, wenn Adidas am 17. Juni 2016 bei mindestens 67 Euro notiert. Zu Hilfe kommen könnte notfalls auch der um 60 Euro verlaufende siebenjährige Basis-Aufwärtstrend, der den 67er-Cap Ende Juni 2016 erreichen sollte.

Adidas-Capped-Call



Risiko Hoch

WKN PS6371

Kurs am 06.10.15 3,82 €

Basis/Cap 62,00 €/67,00 €

Bewertungstag 17.06.16

Kursziel/Stoppkurs 4,75 €/2,25 €

Anpassung Stoppkurs +0,20 €/monatlich





Mit frischen bullishen Signalen überzeugt die Lufthansa-Aktie: Der doppelte Ausbruch aus dem 15-monatigen Abwärtstrend und über die 200-Tage--Linie gelang. Zuvor hatte bei der August-Korrektur ein moderater, im Sommer 2012 etablierter Aufwärtstrend gehalten. Mit diesem arbeiten wir bei der Auswahl eines passenden Capped Calls: Der ausgewählte Schein wird um 20 Prozent steigen, sofern der Basiswert am 17. Juni 2016 bei mindestens 11,20 Euro notiert. Die angesprochene Aufwärtstrendlinie verläuft aktuell um 10,40 Euro und sollte die Obergrenze des Derivats kurz vor dem Laufzeitende erreichen.

Lufthansa-Capped-Call



Risiko Hoch

WKN PS8FY6

Kurs am 06.10.15 1,67 €

Basis/Cap 9,20 €/11,20 €

Bewertungstag 17.06.16

Kursziel/Stoppkurs 1,97 €/1,02 €

Anpassung Stoppkurs +0,05 €/monatlich





Die Aktie der Deutschen Bank scheint zum vierten Mal seit Herbst 2011 im Bereich 21/23 Euro nach oben zu drehen. Das festigt den langfristigen Boden auf diesem Niveau. Auf der anderen Seite dürften Erholungsbewegungen maximal bis etwa 28/29 Euro reichen, wo sowohl die 200-Tage-Linie als auch das 61,8-Prozent-Fibonacci-Retracement der August-September-Abwärtswelle als wichtige Widerstände fungieren. In dieses Umfeld passt der Inliner mit Schwellen bei 20 und 30 Euro. Bleiben diese bis zum 16. März 2016 intakt, steigt das Derivat um 120 Prozent. Wir geben uns schon mit etwas weniger zufrieden.

Deutsche-Bank-Inliner



Risiko Sehr hoch

WKN HU1AGW

Kurs am 06.10.15 4,55 €

Schwellen 20,00 €/30,00 €

Letzter Bewertungstag 210,00 €/190,00 €

Kursziel/Stoppkurs 8,00 €/1,00 €

Anpassung Stoppkurs +0,10 €/Woche





Die T-Aktie befindet sich seit einem halben Jahr im Konsolidierungsmodus und verdaut damit die 75-Prozent-Rally der vorangegangenen Monate. Aktuell ist sie mit einem massiven Widerstand um 16/17,50 Euro konfrontiert, kann aber andererseits auf eine horizontale Unterstützungszone um 12,50/13,50 Euro bauen. Der durch Tiefs von Oktober 2014 und August 2015 definierte Aufwärtstrend sichert zuvor bereits um 14 Euro ab, ebenso ein flacherer elfmonatiger Aufwärtstrend um 13,60 Euro. Mit dem Inliner sind in gut zwei Monaten Gewinne von 42 Prozent drin, wenn die Schwellen zwölf und 18 Euro halten.

Deutsche-Telekom-Inliner



Risiko Sehr hoch

WKN SG8YMB

Kurs am 06.10.15 7,05 €

Schwellen 12,00 €/18,00 €

Letzter Bewertungstag 18.12.15

Kursziel/Stoppkurs 9,60 €/2,75 €

Anpassung Stoppkurs +0,10 €/Woche





Die BMW-Stammaktie hat sämtliche Aufwärtstrends inzwischen gebrochen und verläuft in einem stabilen siebenmonatigen Abwärtstrend. Zusammen mit den fallenden Gleitenden Durchschnitten der letzten 38 und 55 Börsentage und einer horizontalen Zone zwischen etwa 82 und 88 Euro sorgt er für massiven Widerstand. Darauf basierend ist der Kauf des Capped Puts mit Laufzeit März 2016 und Obergrenze bei 88 Euro interessant. Notiert BMW am Bewertungstag höchstens auf diesem Niveau, dann steigt das Derivat um 38 Prozent. Frühere Gewinnmitnahmen werden angepeilt, der Stopp sukzessive erhöht.

BMW-Capped-Put



Risiko Hoch

WKN HU1DA9

Kurs am 06.10.15 3,62 €

Basis/Cap 93,00 €/88,00 €

Bewertungstag 16.03.16

Kursziel/Stoppkurs 4,75 €/2,00 €

Anpassung Stoppkurs +0,25 €/Monat





Die Commerzbank-Aktie hat im August die seit Herbst 2013 etablierte Seitwärtsspanne nach unten verlassen. Die leicht fallende 200-Tage-Linie signalisiert ebenso eine intakte Baisse wie der auf demselben Niveau von 11,50 Euro verlaufende mittelfristige Abwärtstrend sowie jegliches Fehlen eines Aufwärtstrends. Beim ausgewählten Capped Put besteht ein fast zehnprozentiger Puffer zum Cap: Notiert die Aktie am 16. März 2016 bei maximal 10,50 Euro, steigt das Derivat um 32 Prozent. Der Abwärtstrend wird das Cap-Niveau bereits zum Jahresende erreichen. Den zunächst niedrigen Stopp sukzessive nachziehen!

Commerzbank-Capped-Put



Risiko Hoch

WKN HU05A9

Kurs am 06.10.15 0,76 €

Basis/Cap 11,50 €/10,50 €

Bewertungstag 16.03.16

Kursziel/Stoppkurs 0,96 €/0,20 €

Anpassung Stoppkurs +0,02 €/Woche

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